Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 24 (24.3.1884)
- Date
- 1884-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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416 erreichen und besiegen die Näuberschaar, befreien Weib und Kind und erlangen große Beute. Unterdeß wird die Schlacht bei Gilboa geschlagen, in der Schaul und drei seiner Söhne den Tod gefunden, und die Männer von Judah erwählen David zu ihrem Könige, und so steigt er aus der tiefsten Erniedrigung zum Königsthrone empor. „Auch wenn ich wandele im Thale des Todesschattens, fürchte ich nichts Böses; denn Du bist bei mir. Dein Stab und Deine Stütze, sie werden mich trösten. Du ordnest vor mir den Tisch in Gegenwart, meiner Widersacher, salbst mit Oel mein Haupt, lägest meinen Becher überschäumen." Wir oft ist es unserem Volke ähnlich wie unserem Könige David ergangen! Wie oft mußten unsre Voreltern durch das Thal des Todesschattens wandern! In den Tagen des Haman, in den Zeiten des Antiochus Epiphanes, während der vielfachen römischen Verfolgungen unter. Titus, Domitian, Trajan, Hadrian, unter der Herrschaft der Neuperser, während der unaussprechlichen- Leiden und Verfolgungen des Mittelalters! Wohin wären wir gekommen, wenn Gott nicht mit. uns gewesen wäre, wenn Sein Stab, und Seine Stütze'uns nicht getröstet hätten! — Der Stab Gottes, den wir fest in der Hand halten müssen, der uns Waffe und Schutz zu gleicher Zeit ist. das ist die Thora, die Gotteslehre, unser Stab und unsere Stütze. Nur durch treues Festhalten an ihr können wir die zahllosen Feinde, die sich uns entgegen stellen, bekämpfen:. Wenn Israel sich loslöst von der Gotteslehre, daun hat cs keinen Halt, keine Festigkeit, keine Stütze, dann ist es den Naturgesetzen verfallen, denen zufolge der Schwache von dem Starken, die Minderzahl von der Mehrzahl erdrückt, vernichtet, äufgezehrt wird. Ohne den Stab Gottes in unserer Hand, ohne die Gotteslehre in unserem Munde und in unserem Herzen wäre von Israel schon längst nichts mehr vorhanden; cs würde, wie die andern Völker des Alterthums, nur noch der Geschichte angehörcn. Aber der Stab Gottes in unserer Hand erhält uns kräftig, lebendig und jugendfrisch und verleiht uns den Sieg über alle Feinde. Möchten wir ihn doch nie aus der Hand lassen, dann könnten wir mit David rufen: '1 »T3D »P3IM "ll 'Q' ^>2 ’JiSTV ION' 3*13 '»8 D'D' „Nur Güte und Gnade werden mir Nachfolgen alle Tage meines Lebens, und dann werde ich .im Haufe meines himmlischen Vaters wohnen für alle Ewigkeiten." Wir wollen nun die Art und Weise des Kampfes' gegen die Feinde Israels, wie wir sie in den vorstehenden Aufsätzen dargelegt haben, in wenige Worte zusammenfassen. Nicht der Vernichtung der Feinde muß unser Kampf gelten, sondernder eigenen Verbeffcrung. Veredelung, Erhebung. Nicht der eigenen Kraft dürfen wir vertrauen, sondern lediglich der Hilfe und dem Schutze des allmächtigen Schützers, dessen Obhut wir durch heißinniges Gebet zu erlangen suchen müssen. Unsere, heilige Pflichten muffen wir erfüllen als Männer und Frauen, als Vater und Mütter, als Söhne und Töchter. Und den Stab Gottes dürfen wir nicht aus unserer Hanlaffen, festhalten muffen wir an der Thora und ihren heiligen Geboten — dann wird Amalek uns nichts anhabcn können, dann werden wir obsiegen in allen Kämpfen, in Ruhe und Frieden die Güter genießen, die unser himmlischer Vater in diesem Leben uns spendet, und dereinst eingehen in Sein ewiges Haus zur ewigen Seligkeit. Jüdische Armen- und Krankenpflege. Frankfurt, 29. Februar. Es gibt Vorurtheile, die so tief eingewurzelt und mit der Anfchauungs- und Denkungsweife vieler Menschen so ganz verwachsen sind, daß sie, wenn man sie auch schon längst ausgerottet glaubt, doch immer wieder aufs Neue zum Vorschein kommen, und es ist ja leider nur allzubekannt, daß gerade über Juden und Judeiühum noch die allerverkehrtesten Ansichten vorherrschend sind. Wie oft ist es z. B. schon .hervorgehoben werden, daß die Humanität keine spezifisch christliche Errungenschaft ist; jedes israelitische Kind, das den Pentateuch gelernt hat, weiß, daß ein Gebot unserer heiligen Lehre lautet: „Du sollst lieben deinen Nächsten, wie dich selbst!" ein Gebot, das anderthalb Jahrtausende vor der Entstehung des Ehristenthums ausgesprochen worden ist, und doch hört man in gewissen Kreisen immer wieder die Nächstenliebe als ein Monopol der. christlichen Religion bezeichnen. Tief betrübend aber ist es, wenn solche einseitige Auffassungen auch von Männern geiheilt werden, die nicht allein als Zierden der Wissenschaft, sondern auch als Vorkämpfer für Fortschritt und Freiheit gelten. Im preußischen Abgeordnetenhause hat kürzlich Professor Dr. Virchow die Behauptung ausgesprochen, daß die Krankenpflege einzig und allem auf dem Boden des Christenthums entstanden sei und daß das Judenthum keine Humanitätsanstalten, wie die Krankenhäuser, hervorgebracht habe. In dem hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Literatur wurde aus dieser Veranlassung in der Sitzung vom vorletzten Mittwoch von einem Mitgliede die Anfrage gestellt, wie die Krankenpflege und gleichzeitig die Armenpflege bei den Juden im Alterthume geübt worden sei, und in der jüngsten Sitzung wurde diese Frage einer Besprechung unterzogen. HerrDr.