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Der Israelit · 1884-03-20 · Heft 23 (20.3.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 23 (20.3.1884)
Date
1884-03-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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401 Feuilleton. Am standhaft! xxxiv. Mädchenlaunen, wer kennt sie nicht und wer hatte nicht schon darunter zu leiden gehabt! Und dennoch findet sich manchmal in denselben eine gewifie Berechtigung. Unsere Weisen folgern aus dem Wortlaute der Erzählung von der Schöpfung des Weibes, daß Gott der Frau eine Binah jetherah verliehen habe, einen gewifien Instinkt, der vorahnend oft das Nichtige trifft. Auch Schiller hat einen ähnlichen Gedanken ausgesprochen. Die Lebensweise der Frauen bringt es wit sich, daß sie ihre Aufmerksamkeit auf Einzelheiten lenken und von diesen auf das Allgemeine schließen, während der Blick des Mannes mehr auf das Große geht und in die Ferne schweift, so daß ihm die Einzelheiten manchmal entgehen. So kömmt es, daß bei jungen Damen oft an und für sich geringfügige Dinge entscheidenden Einfluß üben. Ein junges Mädchen aus reichem ' Hause hatte ihre Mutter nach Karlsbad begleitet. Dort lernte sie einen jungen Mann kennen, der ebenfalls in Begleitung seiner Mutter sich im Bade befand. Die Mütter schlossen Freundschaft mit einander, die jungen Leute ebenfalls, und da die Verhältnisse auf beiden Seiten sehr günstig waren, so endete die Freundschaft mit einer Verlobung. Die beiden Mütter und das Brautpaar reisten in einem Coupöe erster Elaste der Heimäth zu. Nun mußte sich der junge Mann den gewohnten Genuß des Rauchens versagen. Als der Zug auf einer Station zehn Minuten Aufenthalt hatte, sprang der junge Mann auf den Perron, zündete sich eine jener großen und kostbaren- Havannacigarren an, und dampfte nach Herzenslust. Aber schon bald mahnte der Conducteur zum Einsteigen. Der Bräutigam löschte sorgfältig die brennende Eigarre, wickelte dieselbe in ein Stückchen Papier und steckte sie in die Tasche. Die Braut, die diesen Vorgang beobachtet hatte, war von nun an zurückhaltend und kalt; zu Hause angekommen, löste sie das Verhältniß. Sie sägte, sie könne mit einem solchen Knauser nicht' glücklich werden. Es war eine Mädchenlaune, und doch lag eine gewisse Berechtigung darin. Ihr großes Vermögen berechtigte sie zu einem frohen und heiteren Lebensgenüsse, und den sah sie vorahnend beinträchtigt. Der junge Mann hätte, wenn er die angerauchte Eigarre nicht wegwerfen wollte, sie irgendwo hinlegen können, wo sie einem der Eisenbahnarbciter zu Gute gekommen wäre. Wir könnten noch viele derartige Beispiele anführen; auch der Verlauf unserer Erzählung bietet uns ein ähnliches. Es war bei einem Hoffeste. Man hatte das Dejeuner im Palais eingenommen; dann begaben sich die jungen Damen und Herren in den Park, um Schießübungen vorzunehmen. Es entspann sich ein kleiner Rangstreit; jede der jungen Damen wollte der andern den Vorrang überlassen. Bruno von Wolkenberg wurde zum Schiedsrichter erkoren. „Das Recht, vyrzuschießen," sagte er lächelnd, „gebührt unstreitig der Baroneß von Löwenheim; es ist das eine berechtigte Eigenthümlichkeit ihres Hauses, von Alters her." Bernhardine sah ihn fragend an; Lieutenant von Köller aber rief laut lachend: „Kapitaler Witz! Geistreicher Mensch, dieser. Wolkenberg!" „„Dein Witz, lieber Köller," sagte Wolkenberg, „„ist noch besser; es war in der That ein kapitaler Witz!"" Jetzt verstand auch Bernhardine, was Wolkenberg gemeint hatte. Sie sagte kein Wort; aber die Rörhe des Unwillens färbte ihre Schläfe. Rasch ergriff sie die Schießwaffe; die Kugel drang in das Centrum der Scheibe. Beglückwünschend umringten sie die Freundinnen. „Sie treffen immer ins Schwarze, mein gnädiges Fräulein," sagte, sich verneigend, Herr von Wolkenberg. „„Ich hoffe so," entgegnete.Bernhardine stolz' und kalt. Sie nahm keinen Authcil mehr am Spiele. Ihre Gedanken waren ganz wo anders. Sie hörte die warnende Stimme ihrer verstorbenen Mutter, die da sprach: „Nur um Deines Geldes willen wird ein Cavalier. von altem Adel Dich zum Weibe nehmen wollen." Von nun an und weiter benahm sich Bcrnhardine gegen Herrn von Wolkenberg sehr zurückhaltend. An den Hoffestendie jetzt in rascher Folge sich aneinander reihten, verzichtete sie ganz auf das Vergnügen des Tanzens, um nicht von Wolkenbcrg engagirt zu werden.- Sie vermied seine Gesellschaft, wann und wo sie nur konnte. Vergebens bot Bruno seine ganze Liebenswürdigkeit auf, um die verlorene Position wieder zu gewinnen. Als er sah, daß das unmöglich war, beklagte er sich bei seiner Schwester. Diese versprach, durch ihren Gatten auf Bernhardine zu wirken. Baron von Löwenheim, der zu Lebzeiten seiner ersten Gemahlin das Sceptcr sehr strenge gehandhabt hatte, stand ganz unter dem Einflüsse seiner zweiten Frau und ergriff die erste Gelegenheit, mit Bernhardine Rücksprache zu nehmen „Mein Kind," sagte er eines Tages zu ihr, „man findet, daß Dein Benehmen gegen Bruno seit einiger Zeit ein nicht sehr freundliches ist. Willst

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