Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1884)
- Date
- 1884-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Institut auch in anderen Kreisen zu erfreuen hat, fand Heuer anläßlich des 70. Geburtsfestes unseres geschätzten Direktors, des kaiserl. Rathes Herrn Joel Deutsch, welcher der Anstalt eine nahezu 40jährige unermüdliche Thätigkcit gewidmet hat, freudigen Ausdruck. Die Feier dieses Jubiliäum fand am 20. März statt. Die ehemaligen Zöglinge der Anstalt überbrachten eine von einem gewesenen Zöglinge verfaßte Adresse, welche der selbst taubstumme Lehrer des Institutes, Herr Herzl, verlas, und übergaben Herrn Deutsch den unter sich gesammelten Betrag von fl. 500 mit der Bitte, darüber zu verfügen. Der Jubilar fügte dieser Stiftung noch den Betrag von fl. 100 hinzu und widmete die Gcsannnt-Summe von gleich fl. 700 Rente dem Zwecke, für Zöglinge, welche das Institut verlassen, Lehrmittel zu ihrer Fortbildung anzuschaffen. •- Indem wir nun die Gönner der Anstalt bitten, ihr bisher uns entgegengcbrachtes Wohlwollen auch fernerhin bewahren zu wollen, müssen wir an die Theilnahme allerWohlthäter umso mehr appelliren, als uns im Laufe des Jahres vom hohen könig.-nngr. Ministerium für Cultus und Unterricht abermals einige Stiftplätze aus dem ungarischen israelitischen Schulfonds entzogen und der Budapester Anstalt zugewiesen wordensind. Die Einnahmen betrugen 36334 fl., die bis auf 2231 fl. verausgabt wurden. E g y p t e il. London, 16. März. Heute Morgens 11 Uhr wurden die irdischen Ueberreste der edlen Baronesse Lioncl v. Rothschild feierlich zur Erde bestattet.' Als der Leicheuzug an dem Willesden-Begräbniß-- Platze anlangte, bildete die Schuljugend mit Fahnen Spalier. Die Schüler der Freischule, Bayswater, Stepuey-Schule und der jüdischen Spital- und Wäisenansialt waren am zahlreichsten dabei vertreten. Bon den vielen Tausenden der Anwesenden sind namentlich, zu erwähnen: Der Brasilianische Minister Excelt. Baron de Penado, Fürst v. Dalhonzie, Sir Robert Peel, viele Mitglieder des Parlaments und sämmtliche Prediger und Beamte der jüdischen Gemeinde. Leider war der Revd. Dr. Hermann Adler gerade in Lipcrpool und wurde deshalb das Gebet von Revd. Singer verrichtet. Das D'cn man wurde in erhebender Weise von R«vd. Spiro, Cantor der Central-Synaaoge (welche die sel. Baronesse besuchte) vorgetragen. Bon der Familie waren Sir Nathaniel de Rothschild und Baron Leopold de Rothschild, Söhne der Verblichenen, sowie die Barone Alphonfe und Ferdinand de Rothschild anwesend. Die zur 'Erde bestattete Baronesse war eine der wohlthätigsteu 400 Ladies unserer Metropolis, und deren hohe Bildung sowie edlen Eigenschaften verschafften ihr die verdiente Hochachtung der ganzen Bevölkerung London. 17. März. Leider ist Sir Moses Montefiore wieder ernstlich erkrankt. Möge der Allgütige Genesung senden. 1 London. Die vorige Woche verstorbene Baroneß Rothschild nahm besonderes Interesse an den hier bestehenden jüdischen Schulen. Tagtäglich besuchte sie dieselben und war für das Wohl der Lehrer und Schüler besorgt. Sie kannte fast alle Schüler bei ihren Namen.' Selbst den Tag nach der Hochzeit ihrer Tochter verliest sie ihre Gäste, um der Schule ihren gewöhnlichen Besuch al^ustatten. Sie hatte ihre älteste Tochter veranlaßt, Vorlesungen in der Schule zu halten. Daß sie die Schulen 'auch materiell reichlich unterstützte, braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden. Oxford. Vorige Woche wurde das neue Betlokal der hiesigen isr. Gemeinde eingeweiht- Herr Dr. Hermann Adler aus London dielt die Einweihnngsrede, die auf alle Zuhörer einen überwältigenden Eindruck ausübte. Alan verspricht sich von der neuen Einrichtung den besten Erfolg, namentlich in Bezug auf den Besuch des Gottesdienstes seitens der jüdischen Studenten, deren oft viele dahier sind, namentlich auch, wenn, wie projectirt, ein Prediger .angestellt, werden wird. As r i k a. Algier. Das hiesige städtische Wohlthätigkeitscomilb unterstützt die Armen nicht durch Geld, sondern durch Verabreichung von Speisen. In Folge dieser Gepflogenheit sind die jüdischen Armen aus religiösen Gründen von jeder Unterstützung ausgeschlossen, während die steuerfähigen Juden selbstverständlich ihren Beitrag zu dem Unterstützungsfonds geben. Dieser Tage ging eine mit mehr als 300 Unterschriften versehene Petition an die Deputirtenkammer in Paris ab, in welcher um Abhilfe in dieser Angelegenheit in der Weise gebeten wird, daß man den isr. Armen ihren Theil an Geld zukommen lassen möge. Der Gouverneur von Algerien, Herr Heinrich Tubiana, welcher zu dieser Petition ein aufklärendes Memoire abgeschickt, befürwortet in demselben das Gesuch der Petenten.