Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1884)
- Date
- 1884-03-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449430--19824-2509326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
399 Das Resultat der Untersuchung ergibt sich von selbst; hoffentlich wird dieselbe die wohlthätigc Folge haben, daß der Vers, in seinem eigenen Interesse von der Erfüllung des Versprechens, das er in der Vorrede gibt, uns baldigst mit dem Traktat Nosch Haschanah beglücken zu wollen, Abstand nimmt. Zeitungsnachrichten und Corresstondenzen. Deutschland. Dörnach, 11. März. Der Spruch unserer Weisen roo# nn n djdj d'V'x mm din j x hat sich, durch ein am 4. März in Mühlhausen stattgesundenes trauriges Ereigniß, wodurch eine ganze hiesige jüdische Familie in Trauer versetzt wurde und die hiesige jüdische Gemeinde in Aufregung gerathen ist, leider vollständig bewahrheitet. Vor mehreren Wochen ließ ein Mitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, Namens Meyer Geißmann, einem Glaubensgenossen A., in Dammenkirch, durch einige in nächster Nähe Dammcnkirchs wohnende Leute sagen, er soll zum Begräbniß seines Schwiegervaters B. nach Dörnach kommen. A. fuhr selbstredend nach Dörnach und fand zu seiner angenehmsten Ueberraschung den Schwiegervater ganz gesund und wohl. Das gleiche Manöver wiederholte Geißmann Anfangs März. Am 4. März wurde. Geißmann als der Verbreiter dieser erdichteten Trauerbotschaft entlarvt und ihm wahrscheinlich mit gerichtlicher Anzeige gedroht. Aus . Furcht vor etwaiger gerichtlicher Bestrafung stürzte er sich anr selbigen Tag Nachmittags vor 2 Uhr auf der Sausheimer Brücke in Mühl. Hausen in den Verbindungskanal und fand hier den Tod. Einige dre Brücke passirende Arbeiter hörten wie Geißmann auf der Brücke die Worte sprach: „Ade Welt." Bald darauf war er verschwunden. Als die Arbeiter wieder zurückkehrten, um nach Geißmänn zu sehen, war er bereits ertrunken. Jetzt wurde allgemein behauptet, Geißmann litt an Geistesstörung. ■ _ Jedenfalls sind derartige Handlungen Symptome von Geistesstörung. denn ein Mensch mit gesundem Menschenverstand läßt sich zu solchen Thaten nicht Hinreißen, vielweniger zu einem Selbstmorde, der bei uns.Jehudim G. s.D. sehr selten vorkommt: Leider gibt -es unter uns Jehudim, namentlich auf dem Lande, derartige Leute, die, um als Spaßvögel zu gelten, ein Vergnügen daran finden, ihre Glaubensgenossen durch derartige erdichtete Trauerbotschaften zu erschrecken. Mögen solche Spaßvögel von erwähntem traurigen Ereigniß Notiz nehmen und bedenken, zu welchen Resultaten derartige Späße führen. Oberelsaß, 16. März. (Zur Warnung.) Eine Dame aus dem Oberclsaß, deren Mann kürzlich gestorben, will sich mit dem Bruder ihres verstorbenen Gatten vermählen, obgleich sie mit Erstereur \ 3 Kinder erzeugt, die noch am Leben sind. Alle \ Nabbinen Elsaß und Frankreichs weigerten sich mit aller Entschiedenheit, einer solchen nto:, welches ein rro ai»ro Nn^-nsn nox ist, die Hand zur Vollziehung der Trauung zu bieten. Wir vernahmen zu unserm Schmerze, daß ein deutscher Rabbiner seine Zusage, diesen dem Religionsgesetze nicht entsprechenden Bund eiuzusegneu, gegeben. In dem Glauben, daß selbst ein Reformrabbiner nicht so leichtsinnig sein wird, einen, solchen rnn ws ju übersehen, nehmen wir an, daß der Rabbiner nicht in alle Einzelheit«-;: eingeweiht wurde; um . aber brnwü 'twm -'-mb ermahnen wir alle Rabbiner zu- - erst sorgfältig zu untersuchen und nachher zu handeln. Oest.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem dreißigsten Bericht des allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummen-Jnstitutes in Wien vom Jahre 1883 entnehmen wir: Die Zahl der Zöglinge,, welche im abgelaufenen Jahre Erziehung, Unterweisung und Verpflegung erhielten, belief sich auf . 91, und zwar 58 Knaben und 33 Mädchen. Einen großen Werth legen wir auf die Würdigung, die unser Streben in der eigenen Hcimath gefunden hat; wir haben in dieser Beziehung zu registriren, daß der am 20. Mai 1883 abgehaltenen Jahresprüfüng der Zöglinge der Bürgermeister der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien,. Herr Eduard Uhl, anwohnte und seine besondere Zufriedenheit durch ehrende Worte zu erkennen gab. Die Zweckmäßigkeit sowie die Erfolge des Unterrichtes fanden allerwärts Anerkennung und das Wohlwollen der hohen Behörden begleitete auch dieses Jahr . unsere Bestrebungen und ermuthiget uns, auf der betretenen Bahn fortzuschreiten. Der im Jahre 1871 in der Roßau verstorbene Herr Leopold Müllner hat in seinem Testamente zur Errichtung einer Taubstummen-Stiftung ohne Unterschied der. Konfession zwei Häuser in. Wien legirt, welche Stiftung von den Erben noch durch einen ansehnlichen Betrag vermehrt, gegenwärtig aus den zwei Häusern und fl. 46,600 Rente besteht, und hat es die Anstalt der menschenfreundlichen Initiative des k. k. niederösterreichischcn Statthalters, Sr. Excellenz des Freiherrn Possinger v.Choborski zu danken, daß ihr aus dieser Leopold und Bertha Mullner'schen Taubstummen-Stiftung fünf Stiftplätze für israelitische taubstumme Kinder zugewiefen wurden. Die allgemeine Anerkennung, deren sich unser