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Der Israelit · 1884-03-20 · Heft 23 (20.3.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 23 (20.3.1884)
Date
1884-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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398 abhänge, gilt nur von dem Segensspruche nach der Megilla-Vorlesung. aber vor derselben ist es allgemeine Pflicht die Beracha zu sagen, denn über alle Gebote hat man vor deren Uebung einen Segensspruch zu sagen," Was macht nun der Verfasser daraus? Man höre und staune — nicht! - S. 76. „Dazu bemerkt Abaje, das gilt nur von dem Segenspruch zu Beginn der Megilla, aber am Schlüsse ist es ein Gebot, den Segensspruch Zusagen, denn alle Segenssprüche bei gottesdienstlichen Handlungen müssen während (sic!! 0 der Handlung selbst - gesprochen werden." Allo gerade das Umgekehrte liest der Uebersetzer aus dem Texte heraus; ein Kommentar ist überflüssig. Wenn der Vers, nun ' auch noch unter 12m „während" versteht, dann verstehen wir auch die geistreich kritische Bemerkung, welche derselbe in Parenthese dazusetzt, daß die Beweise, welche der Talmud für die Bedeutung des Wortes 12m bringt, „gezwungen" seien. Warum will aber auch der Talmud seine Sprachweise anders verstanden wissen als Herr vr. Rawicz sie versteht? Da wir auf S. 76 halten, wollen wir noch auf ein kleines Fehlerchen, das bei dem vielen Groben, wovon das Buch angefüllt ist, eigentlich garnicht in Betracht kommt, aufmerksam machen. Die Ueber-- setzung des Tos., Schlgw. wn (f. 2L d.), welche davon spricht, daß man „dem Kantor nicht vorsagen" darf, ist falsch; umgekehrt ist es richtig: der Kantor soll nicht zusammen mit dem Aufgerufenen den Abschnitt vortragen. S. 84 macht, der Verf. ausna-o, resp. rom rem den „Spruch, der auf der Straße beim Niedersetzen der Leiche (sie!) gesagt wird." Es gehört garnicht viel Talmudkenntniß dazu, um zu wissen daß die Wiedergabe des Verf. ein Unsinn ist, und daß es sich hier um die Benedeiungen nach dem nach der Beerdigung auf öffentlichen Markte verabreichten „Erquickungsmahle" handelt. Daß der Vcrf.S. 87 n»yo mit „Schöpfungsgeschichte" und „Schöpfungswerke" wiedergiebt, gehört zu den Kleinigkeiten, die wir im Vorbeigehen streifen. Wenn die Censur dazu geführt hat, daß durch Eorrecturen der Text verdorben worden ist und wir in vielen Ausgaben lesen (f.24a.) onnpyn so ist das zu begreifen. Daß aber der Uebersetzer von heute ruhig wie-, derum das Dasein der Karäer um einige Jahrhunderte antedatirt, indem er diese Stelle mit „Sekte der Karäer" übersetzt, ist sicherlich zum Verwundern, wenn man dieses nicht bei der Lektüre des vorliegenden Buches verlernt hätte. Wenn Raba zu den Worten n^ya^o pvsn bemerkt psna, daß sie also sowohl in der Naht wie auch in der Diagonale quadratisch sein müssen; so entdeckt unser geistreicher Verf. in diesen Worten „sie müssen genäht und zwar schräg genäht sein". S. 94. „Gegenstände, die zu einem heiligen Zwecke verwendet worden, muß man fortwerfen." Muß? Kein Mensch muß müssen, — man darf! Das Drolligste hat der. Verf. unstreitig in der Uebersetzung der Stelle geleistet, in welcher erzählt wird, wie R. Huna von seinen Töchtern und Schwiegertöchtern im Scherze mit seidenen Kleidern so zugedeckt wurde, daß man den kleinen Mann unter denselben nicht sehen konnte. Das gibt nämlich der Verf. auf folgende köstliche Weise: S. 99. „Als Raba, der Sohn Hunas, sich unterm Trauhimmel befand , kam ein kleiner Mann und brachte ein Blumenbett u. s. w." Das Prächtige ist nun der kleine Mann mit dem Blumenbett. Daß der kleine Mann eine Bezeichnung für R.Huna ist, davon hat der Verf. keine Ahnung, und daß er aus dem rr.^ „er legte sich auf's Bett" ein Blumenbett gemacht hat — ja, warum ist der Talmud denn nicht deutlicher, warum muß denn so große Ähnlichkeit mit -UH , Garten, haben, und wenn Garten und Bett neben einander stehen, was liegt dann näher als ein Blumenbett? Auch die Frage, wieso R.Elieser ben Schamua so alt geworden, hat er nach der vorliegenden Uebersetzung unter Andern: geantwortet:. „Ich habe nie, wenn ich nach der Synagoge ging, meinen Weg abgekürzt." (S. 100.) Bei allem Nachdenken wird es wohl schwer herauszubringen sein, welcher verdienstvollen That R.Elieser sich hiermit rühmt; es ist aber auch sicher, daß R. Elieser nicht solch' tolles Zeug gesprochen hat. Da war es wieder ein v, daß unserm Talmudübersetzer zum Fallstrick geworden ist, er meinte, 3".-,"3"? «n-ui>p müsse heißen ein geküßter Weg nach der Synagoge hin, während doch x> n"aV 'usp ’cvipy heißt: ich habe die Synagoge nicht als Abkürzung für meinen Weg benutzt. Wenn rwjr bedeuten soll etwas benutzen zu etwas, so wird es nnt i construirt. Ebenso heißt auch nicht ’nyDs rr> wnp Dy nwn H’, „ich schritt nicht über die Häupter meiner Schüler hinweg," sondern bedeutet allgemein: ich kam nie zu spät in's Lehrhaus, auch selbst noch als Schüler, so daß ich nie nöthig hatte über die Häupter der Andern, die auf dem Boden saßen, hinwegzuschreiten, um zu meinem Platze zu kommen. Soll ich die Beispiele noch vervielfältigen? Ich denke, es ist genug; obgleich ich noch genug Stellen von denen, die ich gelesen — denn ich will es nur gleich hier eingestehen, daß ich nicht Alles gelesen habe — angestrichen.

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