Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 22 (17.3.1884)
- Date
- 1884-03-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gesichlcl. im ’smiei» desselben kenntlich gemacht. Einer schrie; „?a ist der Mordbreuner Löwe dri», 'raus mit ihm, schlagt ihn rodt!" Bis dahiu war vor dem Hole! Muud wenigstens kein Pachter der önentlichcn Drduic»;; sichtbar gewesen; j-.pt kam gemäckttichcn Schrittes ein Gcnsdarm anspaziert, holte sich den eben ins Innere des 'Wagens cindringenden Kerl heraus und verruchte die Anderen mit gütlichen Aorten abznrochren, waS ihm natürlich nicht gelang. Auch die Hünengestalt des Bürgermeisters erschien und forderte Löwe aus, hier anszusteigen; er selbst wolle ihn nach Hause geleiten. Löwe verweigerte es mit dem Hinweis darauf, daß dieser rasenden Menge gegenüber auch der Schuß des Stadtobcrhauptes illusorisch sein wurde. Tie wild brandende Fluch um den Wagen stieg immer höher; der Bürgermeister entfernte sich; der Gcnsdarrn nahm ans dem Trittbrett Platz und der Wagen versuchte weiterzufahren, und trotzdem hängten Dutzende sich an die Räder und nur mühsam ging cs vorwärts. In diesem Moment flogen die ersten Steine; klirrend sielen die Fensterscheiben des Omnibus, und mit Stöcken ultd Knütteln schlug die neben dem Gefährt hcrrasende Menge blindlings durch die Scheiben. Da hielt der Wagen an der Hcidei»aim'scheu Wohnung. Der Gensdarm deckt den ersten der Aussteigenden, Löwe, so gilt es geht; er vermag irrs Haus zu entwischen. Der zweite aber, der alte gebrechliche Herdemann, bei dem es mit dem Aussteigcn sehr lartgsam geht, wird trotzdem die rasch zirspringenden männlichen Angehörigen ihn zrr decken und der Gerrsdarrn die Wüthcrlche abznwehren sucht, von einem derben Stockschlag über den Kopf hart an der Schwelle seines Hauses.getrosten u>rd verliert sofort das Bewußtsein. Die Frauen kamen ohne ernstere LerletzUttgen ins Hans. Sobald aber die Hansthnre sich hinter den Entkommenen geschlossen hatte, crrvachte die Auch von Renern, rmd da die Hansthnre ztlm Einschlagen zu stark schien, wendete sich das Gesindel nach dem rückwärtigeil Eingang, den Zarrn und eine Stallthüre demolirend, und so gelangten sie schließlich in Hosranm und Borslnr. Inzwischen war der alte Hcidcmann mühsam ztim Bewußtscill -zurückgcbracht worden, und als die voll rückwärts ei,»brechenden Aülheriche schon ganz nahe waren, entfloh die ganzen Fami.ie nebst dem Kaufmann Löwe in die Wohnung des auch als Zeuge beim Prozesse bekannten Rentiers Sirvent, wo sie Unterkunft und Sicherheit fanden. Aus Wuth darüber, daß ihm dreHeidemanns entgangen, rächte sich der Akob an der Wohr.ung. die er so weit als irgeitd möglich dew.olirte. Der letzte Omnibusgast. der jüdische Klempner Merner, wurde beim Altssteigen derartig zngerichtet, daß er für längere Zeit arbeitsunfähig ist. Der ältere Lesheim hatte sich am Bahnhofe nicht der großen Masse angeschlosscn, sondcrll vermummt auf dem Bock des, Omnibus des Hotel Martiny zuin Kutscher gesetzt, wo ihn schwerl.ch Jemand vermnthclt. Während nun der Blob dem Omnibus des Hotel Mnrrd nachranntc, stieg Lesheim rasch ab und.flüchtete in ein Seilcngäßch-n zu einem Bekannten, bei dem er die Rächt verbrachte. Hingcgell wllrde eine ans dem oben genannten Omrnbns steigende Maske — bei Piartiny war Maskenball — für Lesheim gehalten irnd ivindelwcich gcichlagen. ehe der Beklagcnsiverlhe den fatalen Jnthurn allfklaren konnte. In Lesheims Wohnilng wurden, wie überhaupt in ben ineisten von Jude» bewohnten Häusern, die Fenster cingeworsen und alles Erreichbare dcmolirt. Rachdem die Freigesprochenen und deren Verwandte gründlich „versorgt" waren, kamen andere jüdische Zeugen an die Reite. Der Mob wollte aller Orten etwas za thlln haben und so kühlte er sein Müthchcn B. beim Kaufmann Lchmanil 'in der Prenßschcn Straße. dessen Läden erbrochen und dessen Fenster' cingeworsen wllrden. Ein Stcinwnrf verletzte de» Lehinann am Auge. Bei Frenndlichs. vi« n-vis von'Lehma»»» wurden gleichfalls die Fensterläden erbrochen und schwere Steine durch die Scherben ins Innere des Zimmers geworfen. Dabei erlitt Lehman» eine schwere Verletzung. Der jüdische Arzt Dr.- Finder, der mit seiner ganzen Familie zu einem benachbarten/mehr Sicherheit bietenden Hanse gcstichtet. wLr,,.wurde_von_ zwei obrigkeitlichen Schutzpersonen, eincnr Amtsrichter rmd einem Assessor zum 'Verbinden des Freundlich, dessen Kopfwunde genäht werden mußte, geholt. Bei Rosenbcrg in der Königstraße versuchte die antisemitische Mente ins Eomptoir .zu dringen nub warf, da ihr das nicht gelang, alle Fenster ein. Landrath v. Bonin hat, wie rerlalttct, kurz vor I Uhr den Synagogerrvorsteher Löwe von Siverts, wohin er gejlichtet» abgcholt rmd auf Umwegen in seine (Lowe's) Behausungert begleitet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 14. Atärz. Ich L mich, Ihnen hierdurch mitzutheilen, daß am eine Deputation der orthodoxen Rabbiner Ungarn» bei Seiner Majestät dem König in der Wiener Hofburg eine Audienz hatte. Die Deputation bestand an» den Herren Ober-Rabbiner Katz aus Deutsch-Krenz, Schreiber aus Preßburg und Kuttna aus Eisenstadt. Auch Herr Oberrabbiner Koppel Reich, aus Werban, nahm Theil an dieser Deputation. Die ehrwürdigen Herren Oberrabbiner überreichten Seiner Majestät eine Denkschrift, in welcher sie gegen die letzten cnltusministerietten Erlasse, die den Orthodoxen so ungünstig waren. nur allerhöchste Abhilfe ansuchen. Seine Majestät versprach mit gewohnter Freundlichkeit, die Angelegenheit prüfen zu wollen. Die Deputation verspricht sich von diesem Schritte erneu großen Erfolg. Es ist allerdings möglich, daß Herr von Trcjort von oben einen Wink erhalten werde, die Orthodoxen von nun ab ulit mehr Rücksicht zu behandeln. Feuilleton. Aus dem Lebe» eines orlßodore« Aaßbiners. Skizze von Dr. Sta . .. 9. Capitel. Die Wirkung der Predigt. Trotz der Vernunftgründe meiner weifen Er» Wägung befand ich mich gleich nach dem Frühstück auf dem Wege zu der Wohnung des Amtsrichters. Meine Brust arbeitete gewaltig und ich glaubte,, daß die Schläge meines Herzens hörbarer wären, als das Knarren der Thüre, welche sich auf mein Anklopfen, hin geöffnet. In dem Rahmen derselben erschien die häßliche Gestalt einer Art Haushälterin, welche mich nach meinem Begehr fragte. Ich sagte ihr, daß ich den Amtsrichter zu sprechen wünsche