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Der Israelit · 1884-03-17 · Heft 22 (17.3.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 22 (17.3.1884)
Date
1884-03-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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376 Nimmst Du sie im Wortsinne, so hast Du eine Schilderung des unermeßlichen Werthes der edlen, tugendhaften Frau; meinst Du aber, daß jene Verse nur eine Allegorie für die Thora sind, so erkenne daraus, wie hochschätzbar das Weib ist, da unter ihrem Bilde die' Gotteslehre gefeiert wird." Noch höhere Würde und Bedeutung als die jüdische Hausfrau hat die jüdische Mutter. Ist schon die Mutterliebe bei den meisten Thiereu etwas Wunderbares ■, von unendlicher Zärtlichkeit und Aufopferung, um wie viel gröjzcr und herrlicher ist sie bei vernunftbegabten Menschen! Den höchsten Grad der Vollkommenheit erreicht sie beim jüdischen Stamme. Wix eine jüdische Mutter mit unendlicher Liebe und Hingebung für ihr Kind sorgt und wacht, das zu schildern ist die Sprache zu arm. Der jüdischen Mutter liegt die Erziehung der Kinder ob, namentlich während der ersten Lebensjahre der Kleinen. Während der Vater meistens wenig Zeit hat,, ihnen die gebührende . Sorgfalt zu widmen, ist es die Mutter, welche die ersten Keime der Gottesfurcht, der Wahrheitsliebe, der Tugend, der Schamhaftigkeit, der Sittlichkeit in die zarten Herzen Pflanzen soll. Unsre erste Stammmutter Sarah wachte mit der größten Sorgfalt über ihren Sohn Jizchäk und setzte es, trotz des Widerstrebens Abrahams, durch, daß er dem verderblichen Einflüsse des Sohnes der Hagar entzogen wurde. Niwkah sprach in aufopferndster Mutterliebe: in>?p »ty. „Jedes Unheil, das Dich treffen könnte, ich nehme cs auf mich, mein Sohn." Einer der größten Wohlthater des israelitischen Volkes war Samuel. Wiewohl sein Vater Elkanah ein Gottbegnadeter Prophet war, so verdankte doch Samuel seiner Gotterfüllten Mutter Channah seine herrliche Entwickelung und große Bedeutung. Auch Salomo, der Weiseste der Menschen, wurde von seiner Mutter zu dem erzogen, was er geworden. Nicht konnte David, der vielbeschäftigte König, der große Kriegsheld, der begeisterte Sänger der Psalmen, sich mit der Erziehung seiner Kinder befassen, die Mutter war es, die ihn vor dem Geschicke eines Amnon, eines Absolon, einesAdonijahn bewahrte, und dankbar verkündet er der Nachwelt im 31. Eapktel der Sprüche, wie sie ihn ermahnt, mit welcher Zärtlichkeit sie zu ihm gesprochen: „O, mein Sohn, den ich unter meinem Herzen getragen, um dessentwillen ich dem Ewigen so viele Gelübde gcthan und erfüllt habe, gib Dich der Verführung nicht hin und berausche Dich nicht in irdischer Lust; sei ein Fürsprecher dem, der selbst nicht zu reden vermag und schaffe Recht dem Armen und Dürftigen." O, Ihr Mütter in. Israel, möchtet Ihr Euch doch Eures erhabenen Berufes bewußt werden! Wenn Ihr Eure Kinder erziehet in Tugend und Gottesfurcht, so thut Jhr noch mehr für sie, als wenn Ihr für ihr Leben und für ihre Gesundheit wachet! Sorget dafür, daß Eure Knaben zur Thora und für die Thora erzogen werden und duldet es nicht, das sie die Vorschriften unsrer heiligen Thora übertreten, daß sie in Geschäfte gegeben werden, in denen man den L-abbat entweiht. Erfüllet Eure Töchter mit der Liebe zu Gott und Seinen heiligen Geboten, so daß sie selbst sich später weigern werden, sich mit Männern zu vermählen, die das himmlische Joch abgeworfen haben. Dann wird ein Geschlecht heranwachsen und erblühen in Gottesfurcht, Tugend und Sittlichkeit — die stärksten Waffen zur Bekämpfung der Feinde Israels. (Fortsetzung folgt.) AieMrtheidigimgsrede» der «Herren Sekts und Makawer vor dem Konitzer Schwurgericht. Rede des Herrn Dr. Selly. Meine Herren Geschworenen,, ich kann Cie nicht dringend genug warnen, den Nach des Herrn Staatsanwalts zu befolge?? und von einer Prüfung der einzelnen Momente, abzusehen, die Dinge vielmehr im Ganzen zu benrtheilen. Rur dann werden Sie zum Recht und zum Rechten kommen, wenn Cie jedes Detail aufs Gründlichste prüfen. Die Frage ist einzig nnd allein die: haben die Angeklagten das Verbrechen, denen sie bezichtigt sind, erwiesener Maßen begangen? Die Parteileidenschaft freilich hat Alles gethan, um diese Frage ihrem natürlichen Boden zn entziehen, und Sie werden Mühe haben, sie auf diesen Boden zurückzuführen; aber ich habe bas unerschütterliche Vertraue», baß es Ihnen gelingen wird. Nichts ist schlimmer, als wenn ein Prozeß zur Parteisache wird, wie es hier im eminentesten Sinne der Fall ist. Das ' normale Verhältnis zwischen That und Thäter ist hier umgekehrt worden; man fragte nicht: ist überhaupt eine That begangen worden, sondern man glaubte den Thäter, nämlich die Juden, zu haben, und so konstruirte man sich danach die That. Wir inüssen so fragen: ist denn überhaupt eine That, ein Verbrechen begangen worden? Redner zerpflückt nun die einzelnen Beweismömente» die man für das Vorhandensein einer vorsätzlichen Brandstiftung anführt, besonders all das, was mit der angeblichen Verwendung von Petroleum, zusammenhängt, mit emer Annahme, der die meisten Sachverständigen nnd der gerichtliche Augenschein direkt widerspreche, und kommt zu dem Schluß, daß keine genügende »luterlage fürdie Annahme einer vorsätzlichen Brandstiftung vorhanden sei, nm so mehr, als die Möglichkeit einer zufälligen oder fahrlässigen Entstehung recht naheliegen Der Tempeldiener. Lowenberg, der ja nicht vereidigt worden, fei bekanntlich früher der fahrlässigen Brandstiftung angeklagt gewesen, nnd es erscheine erklärlich genug, daß er jetzt, wenn wirklich durch seine Unachtsamkeit der Brand entstanden, in feiner heutigen Püsitiün jede Wissenschaft davon ableugne. Wie kam es aber, fährt Redner fort, daß trotz des Mangels eines objektiven Thatbestandes in Neustettin selbst alle Welt darüber einverstanden war, die Juden nnd speziell die Angeklagten als die Thäter zu bezeichnen? Das läßt sich nur begreifen, wen» man den Boden betrachtet, aus dem dieser Verdacht erwuchs. Und da entrollt sich uns ein trauriges Stück Kulturgeschichte. Redner schildert nun die sattsam bekannten Renstettiner Verhältnis", dir krassen fcnfcffioitcucH, »ich» chutz religiösen Gegen»

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