Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 21 (13.3.1884)
- Date
- 1884-03-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. rste Beilage zu Nr. 81 des Israelit. Leitender Artikel. Auftuf;n Hunsten sämmtkicher vedürftigen Hkauliensgenossen in den vier heiligen Städten: Aerusatem, KeVron, Saffed und Fiverias. (5s ist eine nicht zu verkennende Thatsache, das; mit dem Wachsthum der bedürftigen Bevölkerung des heiligen- Landes die Zunahme des Spendenzuflusses in Deutschland und Holland leider nicht gleichen Schritt gehalten hat. Ebensowenig kann man sich verhehlen, daß die verschiedenartigen Bestrebungen auf dem Gebiete palästinensischer Wohlthätigkeit einen bedeutenden Theil der Uuterstützungsgelder an sich gezogen haben und so human sie an'sich auch sein mögen, immer nur einem Theile der Bevölkerung dienlich sind, ohne der Gcsammthcit in der Deckung ihres täglichen Bedarfs behnlflich zu sein. Unter solchen Umständen wird es nicht Wunder nehmen können, wenn die Nothlage der Bewohner des gelobten Landes sich in der letzten Zeit gar sehr verschlimmert hat. Diese sind leider einmal auf den milden Sinn der Glaubensgenossen angewiesen, und wenn selbst unter dem gewerbe- und handeltreibenden Theile der Bevölkerung Palästina's es gar viele giebt, die zur Fristung ihrer Existenz eines Zuflusses aus der Armencasse nicht entbehren können, so ist der andere Theil, nämlich die vielen ausschließlich dem Studium der heiligen Gotteslehre sich hingebenden alten und jungen Leute, zahlreichen Wittwen. Waisen und die durch körperliche Gebrechen zum Erwerbe Untauglichen ganz und gar von dem Ergebnisse der allgemeinen Sammlungen abhängig. Unter den verschiedenen Gemeinden der heiligen Städte ist es ganz besonders die deutsch-holländische in Jerusalem, welche unter den oben angcdeuteten Berhäliniffen tief gebückt geht, denn die Zahl ihrer Mitglieder hat sich, durch inneren Zuwachs und Zuzug von Außen, erheblich vermehrt und ist innerhalb eines Zeitraumes von vierzehn Jahren auf das Doppelte gestiegen, während ihr Antheil aus den diesseitigen Sammlungen allerdings beträchlich ist, dafür aber auch ihr ganzes Einkommen bildet, weil die Sammlungen anderer Länder blos den Landesangehörigen zu Gute kommen. Es muß uns daher pflichtmäßig erscheinen, an den erprobten Wohlthatigkeitssinn unserer Glaubensgenossen zu appelliren, und es ergeht demgemäß an die edlen Spender und Spenderinnen in Deutschland, Holland und den zu den diesseitigen Sammlungen steuernden Gebietstheilen anderer Länder, insbesondere aber an die Herren Rabbiner, Lebrer Gemeindevorsteher und namentlich an die Herren piin crsov :n-he* unsere flehentlichste Bitte: nehmet Euch der darbenden Bewohnerschaft des Landes unserer Sehnsucht mit Herz und Seele an, gebet der sehr ersprießlichen Institution der Ehalla-Buchschen, deren Inhalt nur zur Unterstützung der Gesammtheit verwendet werden soll, die weitmöglichste Ausdehnung, bringet Syuagogenbüchsen da an, wo sie noch fehlen und gedenket unserer bemitleidenswerthen palästinensischen Glaubensgenossen bei allen besonderen Veranlassungen, die das Leben ja jedem bietet, mit mildester Hand. Es dürfte nicht überflüssig sein, wiederholt zn betonen, daß wir in erster Reihe das Interesse der gelammte» jüdischen Bevölkerung Palästinas zu' fördern bestrebt sind, und wenn auch von selbst damit specicll eine Vessergestaltung der Lage der deutschholländischen Gemeinde angebahnt wird, so muß es uns nichtsdestoweniger geboten erscheinen, eben im Interesse dieser Gesammtheit vor einseitiger Berücksichtigung des von der obengenannten Gemeinde erlaffeneu Aufrufs nachdrucklichst zu warne». Wir glauben annehmen zu dürfen, daß die zuletzt mit dieser Gemeinde geführte Correspondcnz sie zur besseren Einsicht gebracht und veranlaßt haben wird, den vor Kurzem cmgeschlagenen Weg zu verlassen. Sollte dieses aber unverhofft nicht oer Fall sein und diese immerhin verhältnißmäßig kleine Gemeinde dabei beharren, für sich allein die thatbereite Theilnahme in Anspruch zn nehmen, so erfordert das Interesse der übrigen, ihre Mitglieder nach Tausenden zählenden Gemeinden, welche dazu die hervorragendsten 'i vdn in sich bergen, daß neue wie alte Eirculare der deutsch-holländischen Gemeinde in Jerusalem unberücksichtigt zur Seite gelegt werden. Amsterdam, Mainz, und Würzburg, im Adar 5644 (März 1884). Pekidim und Amarkalim der israelit. Gemeinden des heiligen Landes zu Amsterdam. M. de Lima. - B. S. Rubens Ir. M. S. Rubens Ir. I. L. Lehren. M. I. Goldschandtson. Liepman PH. Prins. Nathan Bamberger, Distr.-Nabbiner zu Würzburg. Or. M. Lehmann, Rabbiner der isr. Religions- Gesellschaft zu Mainz.