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Der Israelit · 1884-03-10 · Heft 20 (10.3.1884) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 20 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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sie nach ihrer Anlage und nach den Aussichten,'- die sie zu einem selbstständigen, ehrenhaften Erwerb bietet, in so vollem Maste verdiente. Hier gilt es noch, gegen Vornrtheile anzukämpfen und unseren Schützlingen die Neberzengung beiznbringen, dast man in jeder Lebensstellung durch treue Pflichterfüllung sich die Achtung seiner Mitmenschen erringen könne. Wir wollen uns in unserem Streben nach dieser Richtung hin nicht cntmuthigen lassen und sind eben daran, die Course für dieses Schuljahr zu eröffnen. Die beglückende, thatkrästige Thcilnahme, deren sich unser Verein seit seinem Bestände seitens des Publikums stets erfreute, hat sich auch in diesem Jahre glänzend manifcstirt. Reichliche Spenden wurden uns, wie aus dem Caffabenchte ersichtlich ist, von hochherzigen Wohlthätern zu Thcil. Durch diese außerordentlichen Einnahmen wurden wir denn auch in die Lage gesetzt,- unser Institut auf der Höhe der an dasselbe gestellten Forderungen bestens erhalten zu können. Die Verpflichtung, welche der Mädchen-Unterstütznngs Verein nach der traurigen Kathastrophe des Ringtheaterbrandcs übernommen, für die vollständige Ausbildung und die in diese Zeit fallende Erhaltung der Waise Bertha Zucker zu sorgen, hat er mit glücklichem Erfolge zu Ende geführt. Unsere Schutzbefohlene, die während dieser ganzen Zeit durch Fleiß, musterhaftes Betragen und dankbare Gesinnung unsere Bemühungen für sie lohnte, verlässt nun unser Institut, ausgerüstet mit allen Kenntnissen, die ihr ein ehrenvolles Fortkommen im Leben sichern. Die Einnahmen betrugen 11,519 fl. T ü r k e i. Aus Haifa in Syrien theilt ein Berichterstatter der dcutschm „Petersburger Zeitung" von 11. Fcbr. folgende interessante Einzelheiten über die Gründung einer neuen Inden-Kolonie, Rosch-Piuah, mit. Er schreibt: „Rösch-Pinah — arabisch Djaouna — liegt eine Stunde oder 5 Werst östlich von der „Stadt des Berges" — Safed — und ca. drei Stunden vom Jordan entfernt. Hier wurde vor bald I V-Jahren von einigen wohlhabenden jüdischen Emigranten aus Rumänien, denen sich auch bald einige russische Juden anschloffcn, auf eigene Rechnung — also nicht unter der heillosen Vormundschaft des famosen Gnlatzcr Eentral-EomitLs — ein prächtiges, arrondirtcs Stück Land von 12 Fcdan, ungefähr 200 Dcffjatincn, gekauft, das sehr fruchtbar ist und auch eine gute Quelle — eine wcrthvolle Rarität hier zu Lande — besitzt. Unverzüglich gingen diese wackeren Emigranten an das Bauen von mehr als IO Wohnhäusern, wobei sich leider etwas zutrug, das der Erwähnung nicht unwcrth fein dürfte, da es wieder ein Streiflicht ans türkische Rechtsverhältnisse -wirft. Ein junger beim Ban beschäftigter Jsraelite wurde von einem muhamedanischen Tagedieb, der ans purer Neugierde nach Djaouna gegangen war, auf recht aufdringliche Weise gezwungen, ihm seinen am Gurt befestigten Revolver zu zeigen; nachdem dieses geschehen war, arbeitete der Jude weiter und der junge Muhamedaner fiel einige Schritte davon entfernt angesichts -mehrerer beim Bau angcstetttcr Arbeiter so ungeschickt in ein ziemlich tiefes Loch/ daß er mit einem Loch im Kopfe tobt ansgehoben wurde. Man thcilte augenblicklich den Eltern desselben die Schreckensnachricht mit und im Nn waren fast alle Muhamedaner der Stadt ans der Unglücksstätte und obwohl die' arabischen Zeugen schmoren, das; kein Schuf; gefallen sei, so beschuldigten doch die Elter» des Verunglückten den armen Juden der Ermordung ihres Sohnes und schrien nach Rache. Der Pöbel — ein gewaltiger Hanse — stimmte brüllend ein und schleppte den entsetzlich erschreckten Juden unter scheußlichen Mißhandlungen mit sich fort auf's Gericht, wo er ohne alles Verhör sogleich in ein unter aller Kritik stehendes scheußliches Loch geworfen und . darin bei Wäger und Vrod über 4 Monate gehalten wurde, bis die langwierigen Untersnchnngs- und Gerichts- Verhandlungen denselben für „schuldig" oder „nicht schuldig" erklären, würden. Alles sprach dafür, , daß das Resultat ein höchst ungünstiges werde und selbst die strengsten Reklamationen des russischen Generalkonsulats in Beirut, welches geltend machte, daß der arme Gefangene russischer Unterthan sei, genügten nicht, um diesen wenigstens vorläufig ans freien Fuß zu setzen Das Geld allein bewies auch hier wieder seine Allmacht; durch freundliche Mitwirkung einiger englischer Philantropen gelang es, die erforderlichen 4000 Rbl. aufzubringcn, welche absolut nöthig waren, die Mäuler der Ellern des Verunglückten und der betreffenden Beamten für immer in dieser Affaire zu stopfen. Sobald diese Summe gezahlt worden, war Alles in Ordnung und die Unschuld des armen Inden zur Evidenz erwiesen! — Allmählich gesellten sich noch mehr rumänische Judenfamilien zu den Zuerstgckommenen, auch schloffen sich ihnen noch einige russische an, so daß jetzt diese Eolonie 22 rumänische und 6 russische Familien zählt, denen aber doch nach Verlauf nicht ganz eines Jahres die Baarmittcl ansgingen, so daß auch sie sich nach Europa um Hilfe wenden mußten, welche ihnen auch von der „Alliance Jsraelite," in Paris und Anderen jedoch in so ungenügendem Maße gewährt wurde, daß sie sich auf die Länge nicht hätten halten können. Denn wenn sie auch Land und einige Häuser hatten, so fehlte cs ihnen doch am nöthigcn Bctricbscapital, Zugvieh rc. rc. Credit konnten sie

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