Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-03-10 · Heft 20 (10.3.1884) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 20 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449427--19760-2509259
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

346 dieser Gedanke, den ich aber noch niemals geäußert habe. Ich freue mich daher, diese meine Ansicht Ihnen gegenüber äußern zu können, zumal da ich weiß, daß Sie am Samstag und an Ihren Feiertagen keine Geschäfte machen und an den Sitten und Gebräuchen Ihrer Vorfahren fest halten. Es soll mich sehr freuen, wenn der Zufall unseres heutigen Zusammentreffens dazu beitragen würde, Sie zu veranlassen, die Samstags-Feier zum Gegenstände öffentlicher Besprechung unter Ihren Glaubensgenossen zu machen. — Ich drückte meinem Freunde die Hand und dankte ihm für seine aufrichtige und gutgemeinte Gesinnung, für die Ermunterung,, die er mir eingeflößt hat und versprach ihm mein Mögliches zu thuu, seinen mir erthcilten Rath zu realisiren. In meinem Innern aber dachte ich mir, ich kenne meine schweizerischen Glaubensgenossen besser als du, die wenigen, die den trip na» noch halten, die würden mir rathen, keine unnütze Worte zu verlieren und keine vergebliche Mühe mir zu machen, und die Andern, die vom tos? nichts mehr hören und wissen wollen, würden mich auslachen und mich für ein „Stündeli" halten. Ich erinnere mich noch, als Herr vr. Goldstein gegenwärtig in Dürmenach, Rabbiner in Bern war, der bei jeder sich ihm darbietenden Gelegenheit die Ruhe, Weihe und Heiligkeit des Sabbats zum Gegenstand öffentlicher Besprechung machte, wie ersich dadurch bei den Sabbatsentweihern verhaßt gemacht hat. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem siebzehnten Jahres-Bericht des Mädchen - Unterstützuugs - Vereines in Wien entnehmen wir: Der Verein hat auch in diesem Jahre das weite Gebiet seiner bisherigen Wirksamkeit nicht verlassen. Der bedeutende Andrang zur Aufnahme in unsere Schulen, der uns leider in die Zwangslage versetzt, nicht allen diesfälligen Wünschen gerecht werden zu können, beweist, wie sehr dieses Institut einem lebendigen Bedürfnisse für den gesteigerten Wissensdrang unserer Zeit entspricht. Dasselbe war in der Gesammtzahl von 220 Mädchen besucht. Unsere Fortbildungs-Schule, deren Aufgabe es ist, den Zöglingen eine zureichende allgemeine Bildung zu vermitteln und ihnen so den Weg zu einem Erwerb auf geistigem Gebiete zu ebnen, zählte im abgelaufenen Vereinsjahre 54 Schülerinnen. Es freut uns, hier constatiren zu können, daß fast alle mit Fleiß und ernstem Eifer ihre Studien erfaßt haben und für jeden Beruf, den sie erwählen, auf das Beste vorbereitet erscheinen. - Einige von ihnen haben in dem Lehrerinuenbildungs-Course bei St. Anna Aufnahme gefunden, wo sie sich sehr gut behaupten; einige bilden sich zn Kindergärtnerinnen ans, noch andere erlernen bei uns die Buchhaltung, um sich später dem Handelssache zu widmen. Unser Buchhaltnngscours, unter der trefflichen Leitung eines geprüften Handelsschul-Profeffors, vermittelt unseren Zöglingen in kürzester Zeit mercantilische Fachwissenschaft und Kenntniß der französischen Sprache. Wir haben die Befriedigung, daß einige Zöglinge dieses Courfes sofort Anstellung gefunden haben und ihren Posten zur Zufriedenheit ausfüllen. Die von uns ausgebildeten Kindergärtnerinnen haben unter den günstigsten Bedingungen Engagement gefunden; wir bedauern nur, den gesteigerten Wünschen und Anfragen des Publikums nach unseren Candidatinnen nicht genügend Rechnung tragen zu können. Mehrere unserer Schützlinge, die dem Mädchen- Unterstützungs - Vereine ihre Ausbildung verdanken, haben sich dem Lehrfache zugewendct und finden in dem Berufe als Lehrerinnen au Communal- und Vrivatschulen wie auch als Industrial- oder Musiklehrerinnen ein gutes und ehrenhaftes Auskommen. Eine besondere Beachtung und Pflege hat der Vorstand den Arbeitsschulen des Vereines gewidmet, nicht nur, weil dieses Gebiet ein vielseitiges ist und alle Arten von Frauenarbeit umfaßt, sondern auch weil diese Abtheilung diehohe Wichtigkeit in Betracht zieht, unsere meist sehr bedürftigen Zöglinge in kürzester Zeit erwerbsfähig zu machen. Diese Schulen waren von 146 Mädchen besucht. In unseren Nähstuben wird das Zuschneiden und Verfertigen von Weißwäsche, wie die so nöthige Handhabung der Nähmaschine gelehrt; ebenso wird das Stopfen und Ausbeffern feiner Wäsche als Unterrichts-Gegenstand behandelt. Eine seit Jahren bewährte Lehrerin unterrichtet . im Kleidermachen, ein Erwerb, der sehr viele glückliche Chancen bietet. Eine dritte Abtheilung beschäftigt sich mit Monogramm- und Weißsticken, sowie mit allen Arten moderner Kunstarbeit. Unser Cours für Maschinenstrickerei hat die günstigtcn Resultate erzielt. Sämmtliche Zöglinge desselben fanden bald lohnende Beschäftigung. Auch müssen wir der bemerkenswerthen Thatfache erwähnen, daß bereits mehrere taubstumme Mädchen diesen Arbeitszweig mit bestem Erfolge bei uns erlernt haben. Leider hat die von uns ins Leben gerufene Dienstbotenschule in diesem Jahre nicht jene Beachtung seitens der ärmeren Bevölkerung gefunden, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.