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Der Israelit · 1884-03-10 · Heft 20 (10.3.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 20 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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314 schnür sei. Bon diesem Funde habe er bislang-Niemandem weiter Mittheilnug gemacht. Alls meine Frage, weshalb er denn nicht früher, namentlich bei derKösliner Verhandlung, die Sacke zur Sprache gebracht, antwortete er: „Ich dachte mir, daß die Schnurnicht mehrnöthig sei, da die Juden schon genug liegen." Er fragte mich auck gleichzeitig, ob die Christen in Könitz gewinnen würden. Ich ließ mir am selben Abend noch den Winnegge kommen, der aber derartig betrunken war, daß ich ihn forlschicken nndznm tlächstcn Morgen wieder bestellen mzißte. 'Alsdann erzählte er mir, er habe anläßlich eines Pserdebeschlages kurz nach dem Brande einer Schnur bedurft zur Anfertigung einer Bremse; dabei habe der anwesende Buckholz ihm eine schwarze Schnur gereicht, die er aber als imbrauchbar zurückgewiescn yave.^ Bnchhot; habe ihm dabei erzählt. daß diese Schnur von der Bertha Hilger ain Tage nach dem Brande von einem Kuchenbrett bei Heidemanns heruntergeworsen worden sei,. als 'das Mädchen nach einem Markstück suchte. Er (Bimüge) habe die Schnur nicht so genau angesehen, wisse also auch nicht, ob das ihm vorgczeigte Stück diese Schnur sei. Ob Buchholz und er mit der Schnur erperimentirt. wisse er nickt genau, darüber'-könne er sich erst äußern, wenn' er dieserhalb mit seiner Ehefrau Rücksprache genommen. Tags daraitf kam Winnegge wieder mit der Erklärung. er werde nichts sagen, seine Frau habe ihm gesagt, es seien keine Experimente vorgenommen. Dann ließ ich mir ohne Wissen des Buchholz dessen Ehefrau kommen, und diese erklärte mir zu Protokoll: „Im Sommer vorigen Jahres, bevor mein Ehemann die Vorladung zum Schwurgericht in Köslin erhalten, kam derselbe eines Tages vom Schmied Winnegge itach Hause, zeigte mir eine schwarze Schnur und sagte:' Das ist Zündschnur, damit haben die Inden den Tempel angesteckt. Gleichzeitig theilte mir mein Mann mit, daß er diese Schnur am Tage nach dem Brande beim Aufräumen des Küchenspindes durch das Heidemannsche Dienstmädchen gesunden und sofort als Zündschnur erkannt habe tind in die Tasche gesteckt habe. Ten 'Aufbewahrungsort der Schmu hat er mir nicht mitgetheilt, wir vielmehr auf meine Frage geantwortet: Das brauchst Du nicht zu wissen. Votdem hat mein Mann mir weder die Schnur gezeigt, noch hievon etwas erzählt. Ich bin zugegen gewesen, als Bertha Hilger das Heidemannnsche Kücheitspind abräumte, habe aber nicht gesehen, daß eitle Schnur da war. Hieran knüpft Zeuge noch solgende Bemerken: Alts besonderen Gründen muß ich noch hervorheben, daß, als Buchholz mir. sagte, er versäume der allzu häufigen Vernehmungen halber Zeit und Derdienst, ich ihm erwiderte^ er würde von nur wohl noch öfter vernommen werden; ich würde seine Versäumnisse erstatten. Buchhol; meinte aber: Das nehme ich nicht-an, Herr Ehmke (sein Brodherr) hat mir das verboten und mir gesagt, er würde mich deshalb am Lohn nicht kürzen. Als dem Buchholz vom Präsidenten diese Anssage vorgehalten und-namentlich aus seinen trunkenen Zustand bei derVernehinulig von Herrn Höft verwiesen wurde, bestritt er, wie gewöhnlich, betrllnken gewesen zll sein, woraus Eommissar Höst erklärte: Am Tage nach der Abhörung des Buchholz machte ich einem höheren BerwaltlUlgsbeamten von dem Zustand des B. Mittheilnug. worauf dieser äußerte: Ich werde den Ehmke anweisen, dafür zlt sorgen, daß Buchholz wenigstens während dieser Zeit nüchtern bleibt! Es kommt die Holzgeschichte zur Erörterung, bezüglich deren die Hilger ttnd Winnegge wieder gänzlich widersprechend aussagen. Steinsetzer Janitz deponirt über die Verwendung der Zündschnur zu seinen Sprengarbeiten. Bllchhol; hat nie über die zu den 'Akten cingereichte Zündschnur mit dem Zeugen gesprochen. . _ Arbeiter Liebling, der e^chwe terem kurz nach dem Brande auf aac r\Afi suu.i%hAi« «kr UM! IAH' UVV VW »]» VV*» den ausfälligen Umstand anfmerksam gemacht worden, daß er. Buchhol;, die vielgenannten zwei Bretter alls dem Heidemannschen Zaune habe brechen müssen. Das sei nicht richtig, das stehe mit dem Tempelbrande iir Verbindung. Liebling will von Buchholz zwei bestimmte Bretter gezeigt bekommen haben, die habe er losreißen müssen; Buchhol; bestreitet das, er habe nur im Allgemeinen gesagt, derartige Bretter, wie dort welche umherlagen. Schnldiener und Arbeitsmann Lange hat von Buchholz die bekannten Verdachtsmomente (Holzabtragen, Lattenlosreißen re.) gegen Heidemanns äußern hören, außerdem selbst aus dem Umstande, daß die Juden inehrere Tage vor dem Brande nicht zur Synagoge gingen, geschlossen, die Juden hätten wohl ihren eigenen Tempel angesteckt lieber die Breite bezw. Schmalheit des vielgenannten Ganges zwischen dem Heidemannschen Hause und dem Tempel weiß Zeuge nichts Genaues. -— Cchmiedemeister Zielsdorf und Gutsbesitzer Epinus bleiben bei ihren Kösliner Aussagen über die Höhe und daS Maß des anfgestapelten Holzes. Die Depositionen Beider sind unwesentlich. Fleischer Haß, der öfters Felle zu Heidemanns brachte^ ist kur; nach "dem Brande im Stalle gewesen und hat dort kein Hol; wahrgenommcn. Buchholz bleibt dabei, er habe den ganzen Stall mit Holz vollgcpackt — wiederum ein ungelöster Widerspruch. Tischler Marotzke, ein neuer Zeuge, war zur Zeit des Brandes im Heidemannschen Stalle, erinnert sich aber seiner Wahrnehmungen nicht mehr; er weiß nur, daß er. mit Hatz zusammen Felle vom Boden in den Ltall hinab geworfen habe. Handelsmann Fraukenstein (mosaisch), mit Heidemannns entfernt verwandt, ist am Mittwoch vor dem Brande in drm bewußten Stall gewesen und hat in demselben nur eineKleinigkeit zerkleinertes Holz und ein Hauklotz gesundeir; die Krippe sah Zeuge, unter der Treppe nahm er keinHolz wahr. Buchholz erklärt, das sei Alles nicht wahr. Eine Konfrontation beider Zeugen bleibt resultatlos. Arbeiter Tohrow hat akkurat ausgeschichtete Klotze im Stalle und zwar rechts gesehen, Buchholz will nach links zu Klötze wild durcheinaner geworfen haben. Ter Wirrwarr von Aussagen wird immer großer. Dem Buchhol wird seine frühere Aussage (Köslin) vorgehalten, wonach er in der Woche vor dem Brande ca. 17—18 Raummeter Holz in din Stall gekarrt habe — aus alle Fälle ein beträchtliches, den Stall mindestens zur Hälfte füllende Onantum. Aus Antrag Dr. Cellos wird die jetzt in Hammerstein bedienstete Amalie Ense, früher Kindermädchen bei Heidemanns, zur Widerlegung der Bnchholzschen Behauptung, er sei oft schon zwischen 4 und 5 Uhr Morgens zu Heidemann gekommen» vom Gerichtshöfe zu morgen geladen. Fleischergeselle Backhaus ist am Tage des Brandes im bewußten Stalle gewesen, ohne irgend welches Holz bemerkt zu haben, obschon er dort Felle aufschichtete und den Stall in allen Theilen gründlich besah. Kaufmann S. Orbach (mosaisch) soll über den Bretterzaun anssagen, weiß aber nur Unwesentliches; Kaufmann Fabians (mosaisch) Wahrnehmungen konstaliren hauptsächlich die Unversehrtheit des "ZauneS. Schuhmacher Greiser, als Hauptbelastnngszeuge aus Köslin bekannt, ein 49jähriger Mann, der den (fhumid eines hohen Sechzigers niacht, setzt die Brille aus und legt einen Zettel vor sich aus den Zeugentisch. Präsident: Was machen Sie denn da? Zeuge: Ich habe mir Alles ausgeschrieben, damit ich nichts vergesse. ' Präsident: Bringen Sie mal den Zettel her! Das sieht ja aus, als ob Sie Ihre Aussage auswendig gelernt hätten. Zeuge: Nee, man blvs zur Andeutung, damit ich immer den richtigen Anfang Habei-

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