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Der Israelit · 1884-03-10 · Heft 20 (10.3.1884) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 20 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXV. Jahrgang. Erste Leilsge zu Ar. 80 des Israelit. Leitender Artikel. Gruercke Verhandlungen des Prozesses wegen des Meustettiner Synagogenörandes. . - Könitz, 4. Marz. Sieben neue Zeugen — fast lauter Belastungszeugen — find geladen und erschienen. Ter Präsident meint, wenn der Herr Staatsanwalt derartig mit dem Laden neuer Zeugen fortfahrc, sei ein Ende der Verhandlung überhaupt nicht abzusehen. Gleichwohl, die Sache sei, wie sie fei, er werde auf. seinem Platz sein. Nachdem der Präsident noch konstatirt, daß er von der erfolgten Ladung fünf neuer Belastungszeugen erst jetzt die erste Kenntniß erhalte, und das tüema prouauti bekannt gegeben, erhebt sich Dr. Sello mit einer Beschwerde auf Grund des § 243 der Strafprozeßordnung; die Dertheidigung fei außer Stande, ihre Pflicht zu erfüllen, wenn sie erst in der Sitzung Kenntniß erhalte von der Ladung neuer Belastungszeugen imb dein Thema, über das sie vernommen werden sollen. Er beantrage Vertagung der Sitzung, zunächst nur auf zehn Minuten, damit sich die Dertheidiger über ihre Maßnahmen schlüssig machen können. Der Gerichtshof gibt diesen! Anträge statt. Die Dertheidiger erscheinen schon nach fünf Minuten wieder im Saale und erklären, mit Rücksicht auf die Angeklagten eine weitere Vertagung nicht zu beantragen.. Nendant Bocck, der Kommandant der Feuerwehr beim Synagogeubrande, hat Bücherrcste auf der Brandstätte gefunden, die ihm nach Petroleum zu riechen schienen. An welche»! Tage er die Neste gefunden, weiß Zeuge nicht genau. Auf Anregung des vermuthlichen Obmanns der Geschworenen, Amtsrath Schul;, gibt Regiernngsrath Benoit seine Meinung dahin ab, daß ein gänzlich mit Petroleum durchdrängtes Buch nicht ankohlen, sondern gänzlich verbrennen werde. Handelsmann Bär hat mit dem Steinsetzer Beyer nach der Kösliner Verhandlung über dieselbe gesprochen. Dabei sagte Frau Beyer: „Mein Mann hat ja gar nichts gewußt, der Buchholz hat ihn ja nur dazu überredet, auszusagen." Darauf Beyer zur Frau: „Halts Maul!" Tann ging Zeuge fort und hörte noch, daß die Beyerschcn Eheleute sich zankren. Zeuge Beyer meint, die Sache war so: Ich sagte, wenn Bnchholz nicht dazu gekommen wäre, so hätte tch mich überhaupt in die Sache nicht gemischt. Bär bleibt bei seiner Aussage und betheuert, daß er als alter Man» doch keine Lüge sagen werde. Der Präsident meint, nun der Zeuge Beyer (ein in den Siebzigern stehender Mann) fei doch auch nicht mehr ganz jung. Der Widerspruch bleibt ungelöst. Dr. Sello bittet zu den Akten zu konstatiren, daß der vorgerusene Zeuge Buchholz anssage, er habe die gestern erwähnte Zündschnur in der Küche bei Heidemanns gesunden, als »!lr Bertha Hilger, sonst Niemand, besonders nicht seine Ehesran zugegen war. Es geschieht. Dr. Sello bittet die nicht anwesende Frau des Buchholz alsbald zur Stelle schassen zu taffen, bevor sie Gelegenheit habe, sich mit ihrem Manne zu besprechen. Ein Gerichtsdiener wird nach ihr ansgeschickt. Schmied Winnegge meint, er ebenso wie Bnhholz tränken ja wohl manchmal ein Schnäpschen, aber betrinken — is «ich 1 Das würde der Fabrikbesitzer Ehmke, bei dem Buchholz jetzt in Arbeit steht, gar nicht dulden. Präsident: Bei dem ist aber Buchholz erst seit einem Jahre: die wohlthätigen Folgen können also noch nicht vor drei Jahren zur Zeit des Synagogenbrandes eingetreten sein. Winnegge erzählt die Geschichte von der Schmiede und der Trense, bei der die Buchholzsche Zündschnur zum ersten Male in Erscheinung getreten sein soll, genau wie sein Freund Buchholz. Der Letztere verneint alle vpn den Dertheidiger» gestellten Fragen dahingehend, ob er die Zündschnur als solche gekannt und mit Winnegge gemeinschaftlich auf das Vorhandensein von Pulver untersucht habe. Auch die Verneinnig dieser Frage läßt Dr. Sello ausdrücklich protokolliren. 1 Frau Buchhol; verneint alle Fragen, besonders diejenige, ob sie zugegen gewesen, als ihr Mann in Gegenwart 'des Dienstmädchens Hilger angeblich die Zündschnur fand.. Auch diese Anssage , wird auf Antrag Dr. Cellos protokollirt. Dr. Sello beantragt nunmehr, den Kriminal-Kommissarins Höst aus Berlin über die Aussagen Beider bezüglich der Schnur zu vernehmen. Der Präsident ruft Herrn Höst am und derselbe dcponirt unter lautloser' Stille im überfüllten Zuhorerranm etwa Folgendes: Kriminal-Kommissari ns Höst: Ich bin aus Anordnung des Herrn Ministers des Innern und mit Zustinnnnng des Herrn Justizmirüsters in dieser Angelegenheit nach Rcustettin entsendet worden. Unter anderen Personen habe ich dort auch den Zeugen Buchholz gehört: Derselbe erschien am 21. v. Mts. Bormittags und erklärte ans Befragen, daß er nichts!veiter zur Sache bekunden könne. Als ich Abends zwischen 7 und 8 Uhr in meinem im Hotel Mund besindlichcn Zimmer arbeitete, wurde plötzlich ungestüm meine Stubenthür aufgeworfen und es kam taumelnd Bnchholz hinein; derselbe holte ans der Hosentasche etwas in Papier Eingewickeltrs hervor, warf es auf den Tisch und sagte: „Vinn wird es genug sein, nun werden die Juden doch noch ausgehängt werden; hier ist der Beweis, hiermit ist der Tempel angesteckt." Ich entsaltete das Papier — das ich hiermit übergebe — und cs siel ein Ende Zündschnur, eben das zu den Akten eingereichte, und ioie sie von jedem Steinsprcnger benutzt wird, heraus. Aus meine Frage, woher er die Zündschnur habe, sagte er: „Ich bin am Tage nach dem Brande in der Heidemannschen Küche gewesen, als das Dienstmädchen Bertha Hilger, die die Eousine meiner Frau ist. nach einem verlegten Markstück suchte. Sie stieg hierbei auf einen Stuhl und warf von einem Küchenspinde diese Schnur herab» und ans meine Frage was das sei, meinte sie, das brauchten die Heidemanns zum Verschnüren der Felle. Diese Schnur habe er zu sich gesteckt, Abends! mit nach Hanfe genonnne» und sie dort in eine Ledertasche ge-; steckt. Erst im Sominer vorigen Jahres habe er die Schnur ] hervorgesucht, sie mit zu seinem Freunde, dem Schmiede Winnegge, i genommen; dort hätte» sie beide danüt erperimentirt und so 1 hitü ittnfner Sn rin ('iiifxlffi’ll Ikffd das DtUN €U!C Znnd-

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