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Der Israelit · 1884-03-10 · Heft 20 (10.3.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 20 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Italien. Rom. In dem Weinberge des Herrn Nondauino ist man auf bisher unbekannten Oatacombcn gestoßen, die der Zeit des Kaisers Vcspasian angeboren, und da an ihnen keine christlichen Gmblcmc z» bemerken sind, jüdischen Ursprungs sein sollen. Sic wären, wie man versichert, besser als die christlichen constrnirt und d.ie Plätze seien überhaupt geränmiger. A 11t c r i! fl. Rewyork, 11. Fcbr. Der hier erscheinenden „N.-B Staatszeitnng" entnehmen wir die nachsolgenden Notizen:, „Man schätzt die Zahl der in Neiv-§)ork wohnenden Juden auf etwa 80,000. Sie haben 26 Synagogen, gegen 50 kleinere Bethänser oder Hallen, 18 Wohlthätigkeitsanstallen, darunter das vorzügliche Ätonut - Sinai - Hospital und das Hebrew-Orphan-Asylnm (dessen Abbildung Sie im vorigen Jahrgänge brachten). O b g e i ch s i e n a h czn 10 Proeent der. großstädtischen Bevölkeruug ansmachen, so ist das jüdische Kontingent zn den „Verbrecherklassen" weniger als 1 Procent. Feuilleton. Ms dem Leben mies orthodoxen Aabbiners. Skizze von T)\\ Sta . . . 8. (5apilel. Die Predigt. Der entscheidende Augenblick ist gekommen. Mit lantpochendem Herzen betrat ich die.Kanzel. (*inc tiefe Stille herrschte in der ganzen Synagoge, nnd ich meinte, die Schläge meiner Pulsadern deutlich zn vernehmen. Alle Blicke richteten sich neugierig nnd aufmerksam auf mich, und ich rang nach Ruhe und Selbstbeherrschung. Aber, mein Gott! — was ist das nur? Ist es nicht das Gesicht meines verstorbenen Vaters, das ans den letzten Reihen zn mir emporschaut? O wie sinster nnd feindselig er mich anstarrt, nnd wie drohend seine funkelnden Augen auf mich gerichtet sind? Scheint cs nicht, als ob er meine Gestalt mit seinen Blicken verschlingen wolle? Ach so! Gs ist — der Amtsrichter Sal.,.. nem — Siegfried Stein! Ihm wird meine Aehnlichkcit mit dem Dr. Priester ausgefallen sein. — Aber, wo mag nun mein Bruder — mein irregeleiteter Bruder weilen? —- Nun begann ich. — Ach mein Herz sprach in diesem Augenblicke weniger j zn der Gemeinde, als hauptsächlich zu meinem armen. > geblendeten Bruder! - £ könnten doch meine Worte ' einen Weg sich bahnen zn seinem Herzen und in ihm die Wahrheiten des Indenlhums, sowie die Lehren des Vaters wachrnfen! — Aber was ist das? Schimmern nicht Thränen in den Augen des Amtsrichters Stein? — Ach ja! — Thränensenchten Blickes schaut er zu mir empor, und noch sind die Spuren verflossener Tbräncn an seinen Wimpern zu sehen, und seine breite Brust athmct tief und schwer! Ah! — in dieser gerührten.und zerknirschten Stimmung. in dieser demnthsvollcn Stellung ist er meinen! verschollenen Bruder ähnlicher als je! Auch er blickte so ans,' wenn er erregt war, ganz derselbe Angenansschlag, dieselbe Bewegung; nur waren die Angen meines Bruders nicht von diesem diisiern Glanz umflort. — Zn Siegfried Stein will ich reden, vielleicht sinden meine Worh.' ein Gcho im Bruderherzen! Und so sprach ich fort und. fort und wurde den ganzen Tag gesprochen haben; wenn ich mich nicht plötzlich besonnen, daß ich zu einer Gemeinde rede. — Jetzt sprach ich Amen; meine Augen suchten denen des Amtsrichters zn begegnen. Aber wo mag er nur sein? — sein Platz stand leer. „Meine Mrt»' wird ihm lästig geworden sein!" dachte ich wehmüihig. Nach dem Gottesdienste strömte Alles ans mich zn, drückte mir die Hand; die Gratulationen und Danksagungen wollten gar kein Gilde uehnien. Ich wusste cs; ich habe heute gesprochen, wie noch niemals zuvor; denn mein Herz war so voll, und mein Wille, meinen Bruder, welcher in jenem Augenblicke vielleicht hunderte von Meilen von mir entfernt war, zu der Wahrheit unserer heiligen Religion znrnckznsühren, so mächtig, das; meine Worte nur zünden und erheben mußten. „Gott hat Sic uns gesendet!" sagte Nathan« sohn, indem er mit Teuer meine Hand drückte. „O, welches Glück für unsere Gemeinde, snr unsere heilige Religion, wenn Sie, geehrter Herr Doctor, unser Rabbiner werden. Ja,' ja ich werde jetzt ganz beruhigt mein Amt als Vorsteher uiederlcgen, welches bisher eine Eckmtzwache gegen die A'enernngssncht und reformatorischen Bestrebungen bilden mußte!" „Aber, was fällt Ihnen nur ein, bester Herr .Nathansohn!" cntgegnete ich lächelnd, „Ihr Amt uiederlegcn? Nein, Herr Nathansoh», das dürfen Sie nicht! Ja, selbst denken dürfen Sie nicht daran! Ihre Wirksamkeit als Vorsteher und Ihre umsichtige

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