Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1884)
- Date
- 1884-03-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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339 Hilgcr: Herr Ptäsident, ich sage die Wahrheit, ich weiß von ' der ganzen Lache nichts. Der Ltrcit spinnt sich noch c>n Weilchen wrt, ohne icgclld welche AujNärnng zu bringen. Rentier Lirvents Erinnerungen an den Zustand des Heide.nanschen Ho'cs kur; vor dem Brande «nd an irgend welche Bcrändcruugcn, die etwa vorgcnouunen wurden, sind keine all- ' znbcstiunnlen. Jedenfalls ist ihm nichts ansgsallen. mtd er gicbl! seiner Ncberzeiiguilg dahin drastische» AuSdmck: „Ra, wenn die j teilte wirklich den Tempel ansteckcn wollten, dann werden sic nicht so dumm sein, erst satten loszureistcn, das Hol; wegzuschassen und andere anisallige Borbcrcilnngcn zu treffen." Präsident: Das ist ein Unheil mrd keine Thalsachc. Krau Lirvent behauptet aus das Bestimmteste, das Hol; am Mur sei noch bei Ausbruch des Brandes so hoch gestanden, daß sie ihres Löhnchcns wegen, das aus das Hol; geklettert war, in grotzc Bcsorgniß gcrielh und nach einer niedrigen Lteile suchte, wo sic den Jungen herunternehmcn konnte, eie fand aber keine solche und vcranlaftrc den Junge», den sic mit den Armen aussing, henurterzuspringen. Buchhol; widerspricht auch dieser --Zeugin aus daS Bestimmteste. Witthin Bütow, bei Lirvents bedienstet, hat ähnliche Wahrnchiilllllgeu gemacht, wie ihre Herrin. Buchhol; widerspricht abermals. Lchtuß der Litzuug 8*/z Uhr. Könitz, 4. Mar;. - Rachdem der Betthcrdigcr Dü Letlo in heutiger Litzung mehrere Aussagen des Buchhol; und dessen Feau hat arrsdrücllich protokollircn lagen, bcautragt dieser Bcrtheidiger. den Kriminal'Kommijjarirls Höst aus Berlin darüber;u vernehmen, dass diese 'Aussagen, namentlich bezüglich der Züirdschnrrr, u uwahr sei. Kommissär Hösr deponirt, er sei im Aufträge des Ministers des Innern und mit .-Zustimmung des Iustizministcrs nach Acnftcttin entsandt und habe u. Ä. auch den Bnchhol; vorladeu lagen. Derselbe habe am 21. Februar cr. Mittags erklärt, er wisse weiter nichts, als was er schon in Köslin ausgesagt. Abends gegen 8 Uhr sei Bnchhol; abermals bei ihm erschienen- und zwar 'taumelnd irud total betrilllketi, habe ein Ltück --Zündschnur ldas zu dc>r Akten eirrgcrerchrr) anS der Hosentasche herausgeholt un dabei gennen: „Jetzt haben wir's, nun ist's heraus, damit haben die Juden den Tempel angesteckl. Das ist eine Zündschnur, die.habe ich am Tage nach dem Brande gesunden, alS Bertha Hilgcr nach einer Mark suchte. Jetzt sollen die Inden hängen. Meine Frau war auch dabei." Höst meinte: „Warum haben Die denn das nicht schon in Kölin angczcigt Bnckhdlz crwiederle: „Die Iltdcn lagen ja schon genug drin, die brauchten das gar nicht mehr!" Des Wci icren sagte Büchhol;: „Ich habe die Zündschnur damals in eine Federtasche gesteckt und erst im Lommer 188'! wieder gesunden mrd jetzt bringe ich sie her. Ich habe mit dem Lckmicd Winucgc Bcrsuchc mit der Lchnur angcstcllt, ein Drück abgcschniuen und angczündet, da war Pulver drin. Höft ließ am selben Abend noch den Wiuncggc lammen, der aber so total betrunken war, das; eine Bcrhandlung nickt möglich war. Am nächsten Biorgen kam Winncgge, abermals ziemlich -angetrunken, und bestätigte die Angaben des Buchhol;. Tic F-rau des Detztereu, welche Herr Höit ohne Wissen des Buchhol; kommen lies?, gab;u Protokoll, das; sie dabei gewesen, alS das Dienstmädchen Hilgcr ein Lpind abjuchte, auf welchem ihr Manu die Zündschnur gesunden habe. Höst deponirt ferner noch, das; cr, als sick Brtchhol; bei einer der sorgenden Bernchmungr» über die Zeitversäumnis; bcschwcnc, bemerkt habe, der Zeuge werde ans Llaatssonds dafür entschädigt werden. Buchhol; crwicdcrtc: „Nein, das duldet Ehmke sein Brodhcrr) rückt, der wird urich schon schadlos halt en." Buchhol;, dcsien Frau und. Winncgge bestreiten im Wesentlichen sämmtlichc Deposirionen Höfts. Bnchhol; will natürlich ganz nüchtern gewesen sein rmd ganz 'Anderes gesagt haben, lieber das angebliche Autsindcu der Zündschnur in Ecgenwarl des Dienstmädchens Hilgcr cnlspinnt sick eine Lee ne zwischen, der Hilgcr und Bnchhol^ der Vetzlere erhält daS Fragerccht au die 'Zeugin und beginnt nun mit grosicnr Aufwande' vor» sittlichem Pathos: „Aber, Bertha, erinnere Dich doch, wie Du das Lpind abrättmtcst und die Mart suchtest" u. s. w. In diesem Tone probirt Bnchhol; eilte Weile fort, bis die Hilgcr ihrerseits das Wort nimmt und ausrust: „Aber Bnchhol;, das ist ja Alles erlogen." Präsident (zu den Eeschworcnen): Die sehen, meine Herren, hier steht wieder 'Aussage gegen AltSsage, Eid gegen Eid! Wer Reckt hat, müssen Die entscheide»! sZn den Zeugen.) Einer von Euch beiden ist meineidig. Bertha Hilgcr: Ich nicht! Bnchhol;: Ich auch nicht! (Liehe die Fortsetzung in. der I. Beilage.) Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen. Oesterr. - Ungar. Monarchie. . . Aus Mähren, im Febr. Zn Nr. 12 Ihrer geschätzten Zeitschrift schwingt sich ein Ritter ohnx Furcht und Tadel auf's hohe Roß, um von oben herab über das ganze Land Mähren und dessen Rabbinen erbarmungslos das Berdammnttgs-Urtbeil Zll sprechen. Ich weis; nicht, ob dem frommen Korrespondenten, der über beit angeblichen Verfall der mn in Mähren Thränen vergießt, noch erinnerlich sei, daß ans den ersten Blättern der Bibel von einem geniissen Abraham erzählt wird, daß er selbst von den Bewohnern Sodoms annahm, cs närcn noch 50 Gerechte daselbst anzutreffcn'ö Denn der Herr Correspondent weis; in ganz Mähren nur 3, schreibe drei v'p'-n.'Tierauszufinden, und auch von denen scheinen zwei blos zur Folie des Dritten zu dienen. Blos auf Schaffa scheint sein frommer Blick mit Wohlgefallen zu hasten. Wie schade, das; er sich nicht weiter bemühte. Er hätte dann leicht finden rönnen, daß es in Mähren noch wahrhaft fromme Gemeinden gibt, wo .-mn und nen» in schöner Eintracht verbunden sind. So gehört z. B. die Gemeinde Driesch zu den frömmsten unserer Zeit, wo nach dem lm.-nr'-Gcbete alltäglich der Rabbiner nebst mehreren O'ivH in rorv und lerne», wo ferner der Rabbiner 0 Mal im Jahre eine nsm nsnn fjatt, und wo täglich 2 Mal, ja im Sommer sogar 3 Mal im Tempel gebetet wird. Au der hebräischen Schule wirken daselbst außer dem Rabbiner Dr. F., der den hebräischen Unterricht mit musterhaftem Eifer hebt und entwickelt, noch zwei Lehrer, und wird ein sehr günstiges Resultat erzielt. Ich bin überzeugt, daß, wenn der Herr Korrespondent sich die Mühe genommen hätte, in Driesch Umschau zu halten, diese allehrwürdige Gemeinde auch