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Der Israelit · 1884-03-10 · Heft 20 (10.3.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 20 (10.3.1884)
Date
1884-03-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Zündschnur; und da dachte ich. das ist wohl die Zündschnur, mit der die Heidemanns den Tempel angcstcckt habe»». Präsident: Was Zeuge hier vorträgl, ist vollständig nen. Jetzt erst, nach drei Jahren, kommt er mit der Zündschnur, die hier bei den Akten liegt, hervor, und cs ist doch sehr befremdlich, daß er jetzt erst mit dieser überraschenden Entdeckung hervortmt. Aenßcrnngcn, welche Zeuge in R'enstettm bei verschiedener Gelegenheit geihan, dahin gehend, daß er den Heidemanns was Lchones einbrockt habe oder so ähnlich, stellt Luchhol; in Abrede oder will sich wenigstens derselben nicht mehr erinnern. Nunmehr werden dem Zeugen die Widersprüche in seinen verschiedenen Vernehmungen vorgehalien: erst will er den Lesheim mit der Kanne nach dem Tempel haben gehen sehen; heute behauptet er, Lesheim sei vom Tempel gekommen und nach dem Markt zugcgangen. Dr. Scllo kommt nochmals eingehender aus die Zündschnur zitrück itud weist ans den ausfälligen Umstand hin, daß Zeuge schon vor Monaten zum Zeugen Winnegge die Bermnlhnng geäußert, die Inden hättcri den Tempel wohl mit einer Zündschnur angezündet, während er jetzt behauptet, erst voll Herrn Höft erfahren zu haben, daß die Schnur eine Zündschnur sei. Er mrrß auch zugeben, daß er sich schon selbst mit Steinsprengen beschäftigt und dazu Sprengmaterial besessen habe. Zündichnur will er allerdings nie in seinem Besitz gehabt haben. Steinsetzer Beyer, ein schwerhöriger und, wie eS scheint, scholl etwas schwachsinniger alter Mann, laßt sich seine, schon in ill Köslin gemachten Aussagen vom Präsidenten mühsam herausholen. Die Widersprüche in seinen und in Bnchholz's Aussagen betreffs der nächtlichen Begegnungen ans der Aiserlop - B nicke bleiben ungelöst. Bertheidiger Maibauer nagt den Zeugen Buchholz, ob er je mit Lehrer Piper über den Brand gesprochen. Buchholz verneint das. Die Geschichte von der Bestreichung des neuen Bersicheruilgsschildes mit Milch, die Bnchholz dann zum Besten giebt, bleibt ebenso rärhsclhaft wie früher, aber ailch ebenso eindruckslos. Arbeiter Zibell deponirt, Luchholz habe ihm erzählt, Lesheim sei Morgens mit eitler Petroleumkanne nach dein Tempel gegangeil oder von dorther gekomluen, und Heidemann habe eiil Fenster im Tempel eingeschlagen. Bnchholz bestreitet, mit Zibell je Derartiges gesprochen zu haben. Der Präsident bemerkr, daß beide Zeugen ins Blaue' hinein reden, nnd gar keine Möglichkeit sei, abznsehen, wer die 'Wahrheit rede und wer lüge. Anna Zibell, die Frau des Arbeiters Zibell, bestätigt die Angaben ihres Mannes dahili, daß Buchholz in ihrer Wohnung . erzählt habe, Lcsheim sei mit einer Kanne nach dem Tempel gegangen und Heidemann habe Tempelsenster eingeschlagen. Buchholz bestreitet auch das. Der Präsident fragt, ob Bllchhol; damals ilüchiern war, llnd nach längeren Auseinandersetzungen kommt so viel heraus, daß er schon „Verschiede,re" getrunken, aus jeden Fall ..angeheitert" war. Tic Unterschiede zwischen besosfen, betrunken, angeheitert u. s. w. kamen dabei zur kurzen Erörterung, aus der jedenfalls hervorgeht, daß Buchholz sehr häusig eine dieser Bezeichnungen verdiente. Rechtsanwalt Maiballer: Lollte Bnchholz auf seiner Behauptung, mit Lehrer Piper llicmals über den Synagogenbraud gesprochen zu haben, beharren, so stelle ich deir Airtrag, zwei weitere (namhaft gemachte) Zeugen ails Neustettin zunr Bervcisc des Gegentheils zu laden. . , _^ilchholz macht Ausflüchte aller 'Art ultd schützt schließlich Eedachtnißschwäche vor. Ter Präsident giebt anheim, den Antrag bis nach der Pernrhmung Pipers zuriickzuziehen. Das geschieht. Schlosserfrau Äilke hat ein Gespräch mit Bnchholz über den Trmpelbrand gehabt, irr denr Bnchholz sagte, der Lcsheim hätte den reurpcl nicht angcsteckt; aber er wollte den Juden doch was cinbrocken. Er werde einen schönen Text in die Presse (Aorddcnksche Presse) einsctzeir lassen. Besonders den Heidemaiuis rvolle er cs tüchtig besorgen. Bnchholz weiß natürlich von all dem kein Wort oder bedient sich des Ausdrucks: Daran kann ich mich nicht erinnern. Maurermeister Kaske hat den Vermittler zwischen Bnchholz lind Heidemann gemacht uud den letzteren im Aufträge Bnchholz zur Zahlung von 00 Biark allfgcsordert. widrigenfalls Bllchhol; ..cs den Heidemanns besorgen werde." In Köslin gab Zeuge zu, diese Äcnßcrung als eine 'Art Drohung mit Bezug auf den Tempclbrand aurgefaßt zu haben, heute will er davon nichts wissen-. Kaste här vielfach mit Heidemanns verkehrt und kann ihnen nur das beste Zeugniß aüssteUen; besonders hat er sie als duldsame, sriedsernge Leute, durchaus nicht als Fanatiker in religiöser Beziehung kennen gelernt. Restaurateur Gustav Engel in Schivelbein» mosaisch, der Acne des alten und Eousin und Schwager des jungen Heidemann, will trotz seines Benvandtschastsvcrhällnisscs, daS ihn zur Ablehnung der Zengeuschast berechtigt, Zeugniß ablcgeu. wird aber zunächst nicht vereidigt. Engels Anssagen bctrcjss der Häckselmaschine (Bnchholz äußerte: Ich werde die Maschine kaput machen, die Gesellschaft wird sie bezahlen!) widerspricht Buchholz mit den Worten: „Das sind Lügen!" Der Präsident untersagt denr Buchholz solche Aeußcrungen aus das strengste. Der Vereidigung Engels setzt der Staatsaiuvalt Widerspruch entgegen; die Berchcidiger aber legen großes Gewicht darauf! Ter Gerichtshof beschließt die Vereidigung, und der Präsident nimmt dem Zeugen, nach nochmaligem besonderen Hinweis auf den Eid und seine Folgen, den Eid ab. ~ J Ackerbürger M ahlke hat dem Bnchholz darüber Bonvürse gemacht, daß er so lange bei den Juden im Dienst bleibe; daraus hat ihm Buchholz geantwortet; „Ja, wegen des Judentempels, Du weißt ja!" Frau Bnchholz, Ehefrau des Schmied Bnchholz,bestätigt meist die Angaben ihres Mannes; über die Trunksucht ihres Mannes deponirt sie sehr zurückhaltend. Beide Heidemanns behaupten, daß Bnchholz mehrfach so betrunken war, daß er nach Hanse geschickt werden mußte. Dr. Seiko regt die Frage nach der Zündschnur an, ob Frau Buchhol; sie je bei ihrem Manne gesehen. Sic muß daS zuaebcn; ihr Mann har etwa vor einem Jahre ihr gcfagl, die Inden hätten mit dieser Schnur den Tempel angestcckl. und zwar in Gegenwart von Winnegge. Frau Bnchholz soll geäußert haben, das wäre ja eine Peitjchcujchnur. Setto konstaürt den Widerspruch in ibrcn und ihres Braunes 'Aussagen, woraus Frau Bllchhol; zu widerruft» nnd zu korrigircn versucht. Der Präsident macht wiederholt die Buch- Holz',chen Ehelemc ans die Zuchthausstrafe ausmcrksam. de ans Meineid stehe. Schließlich giebt Bnchholz zu, er habe die Rederei mit der Zündschnur uilr so obenhin gcmacht nnd sich nichts Ernstliches dabei gedacht. Darauf der Präsident: Dann kann inan wohl ans den Gedanken koinmen, daß Ihr gailzes Zeugniß nicht sonderlich ernst zll nehmcil ist. lieber ben Zcilpuntt, wo nnb wann Bnchholz die Schnur gesunden, wann er sie verlegt und wann und wo er sie wiedergelllnden, herrscht zwischen beiden Ehelentcil eine heillose 'Verwirrung. Schließlich wird das Hcidemaiulsche Dienstmädchen. Hilgcr über beu Fnnd der Zündschnur befragt. Sie weiß kein Wort davon und behauprel, sie hätte uicmals eine derartige Schnur im Hause gesehen. Präsident; Bnchholz, sollte die ganze Schnurgeschichtc nicht etwa ein Märchen sein i Bnchholz: Rein! Präsident; Bertha Hiiger, Sie sind noch jung. Sie treten erst iirs Leben, machen Sie sich nicht unglücklich, saaen ne die Wahrheit! '

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