Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 20 (10.3.1884)
- Date
- 1884-03-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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337 nicht. In Köslin hat Zeuge deponirt, daß baS Svind sehr schwer war und deshalb Frau Heidemann verschiedene Sachen auS demselben hcrausnahm »lnd dann das Spind wieder zuschloß. Tics wird aus dem Protokoll konstatirt und Zeuge erklärt das auch iür richtig. Schnhmackcr Born. zum erste» Male vernommen, deponirr ziemlich zusammenhängend, das Spind sei osicnbar nnd lchon von außen bemerkbar delckt gewewn. «^r hat schon zur Kvslincr Verhandlung eine Depesche abgejchickt, worin er ent lastende Mitrhcikinrge» betrcijS des SUnnnkes macht. Tiere Depesche will er selbst abgcsaßt und bezahlt haben, der Stil derselbe» widenprichr aber dieser Annahme, irnd aus schärfere Inquisition des Staatsanwalts grebt er zu, das: ein Hausmann Rosenberg die Depesche abfaxte, allerdings aus OHimb von Mil »Heilungen , die Dorn diesem machte, und daß er, Dorn, die Depesche nur unterzeichnet habe. Kaufmann Selig Drbach finoiaijch) erzählt zusammenhängend über die Borgänge beim 'Brande, besonders über das Hinaustragcn des nach seiner Behauptung zrvcirl'ügeligcn Spindes, das schon in der Stube aufgeschlossen irnd aus dem Sacken genommen wurden. Die divergircude Darstellung läßt sich wähl. nur mit der Annahme erklären, daß zwei oder mehrere vcrschicdcuc Spinden Ln Rede stehen. * Bürgermeister Kasch-Bärwalde, zur Zeit des Brandes Siadlsckrctär in Rcustetlin, bleibt säst wörtlich bei seine» Köslincr Aussagen. Bon den Angeklagten weiß Zeuge durchaus nichts Rachrhcrtiges. Petroleumgerirch hat Zeuge an derr ihm von der Brandstatte überürcrchlcu Blärtcru aus jüdischerr Gcbctbüchcrir nicht wahrgenouuncrl. Polizeidiencr Eonrad hat Petroleumgeruch an den belrcs- 'cndeu Btätlerir, die er dem Stadtsekrclär Kasch übcrbrachie, wahrgerrommen und meint, Herr .nasch haue glcichsatls den Pcnolcumgcrrlch bcrncrtr. Die Blätter seien eine Zeit lang aus bewahr! und dann in den Püpierkorb gew»rscn worden. Kasch wider spricht; er hätte beim besten Willen leinen Pcr'.olcnmgcrnch wahrnchuren können. Eonrad hat bei seiner früheren Bernchnrnng angegeben, daß die Blätter die ganze Stube mit Petrolcumgeruch ,vcrsräntcnhätte». Dem widerspricht er henke: das habe er nicmals behauptet. Ans den Akten wird das t^egcnrhcil konstatirt. Eonrad cnisiunr »ich r»icht mehr. Potizcidrcncr Knaat hat den Pelrolerungcriich an den Blätter» gleichfalls wahrgcnonrmen und sich darüber mit seinem Kollegen Eonrad ausgesprochen. Zeuge har auch die von Seile» der jüdi'ck'cn Ecmcinde ans Ermitlclrrng des Brandstnrers ausgcscylc Bclohnnng auSgcNi,igelt. Stellmacher T ic , bisher noch nicht vernommen. hat derr Pctrolcumgeruch an Gebetbücherwie an PcrgameutsroUcn- Reflcn wahrgcnommen. 'Rach verschiedenen Kren;- und Cuanagen mciul Zeuge, cs wäre jedenfalls irgend eine Fettigkeit an den Bläkrern rvahrnchmbar gewesen. Schmied Reitzcl hat dieselben Wahrnehmungen gemacht wie Tick. Der Präsident läßt jetzt ein paar Bogen Papier mit Pcrvlcum tränte» n >d den Zeuge» daran rieche»!. Derselbe bleibt dabei, daß der Enuck ein ähnlicher, wcrrn auch nicht so stark gewesen »ei. Polizerdierur rronrad konstatirt ans Befragen des Staatsanwalts, daß die Baltenuno Diclcnrcste vom Tempel noch mehrere Fuder betragen Hallen, die vorr den armen Leuten in der Rächt wcggcschlcppt wurden. Zeuge hat später, wie Berrhcidigung tonstatirt, aus der Brandstätte genrudene Mctallrcste verkauft. Der Geschworene Dberamunann Becker erneuert fern Ge such um Emtlässung nnd begründet cZ mit einer stündige» Berjcbtiuunerung seines Besindens, das cs ihnr geistig »»„möglich mache, den BerhandllMgrn zu folgen. Taraufhrn oeschlietzt der EerichtLhof den Geschworene« zu entlassen, und der erste Ersatzgeschworene Gutsbesitzer Rü irrer tritt an seine Stelle. (5s folgt ei»re I '/..ständige Mittagspause. Rach derselben erfcheillt znnächst, von allgemeinster Sensation empfangen, der Arbeiter und Schmied Bnchholz, anaethan mit drei oder vier militärischen Ehrenzeichen. Der Präsident verlangt ihm erst eine kurze Lebenskizze ab. Zeuge ist, wie schon aiis Köslin bekannt, in den mannigfachsten Lebensstellungen thätig gewesen, hat cs aber nirgcltdS lange ansgehalien. Schließlich war er, feit 2. Februar 1881, als Arbeitsmann. bei Herdcmanil bcdicilstet, schlrcs aber bei sich zu Hause und kam erst des Morgens, wie er bestinrlnt wissen will, schon zwischen 4 und 5 Uhr in Dienst. Hcidcinanns sagen ans, zwischen 8 nnd? Uhr. Es kommt zunächst die Angelegenheit wegen der 8t) Mark zur Sprache, die Bnchholz angeblich von Heidemänns für Rachtwachen zu sor-crir hatte und die er mit den Worten verlangte: Wenn Hcidemann nicht zahle', wolle er.schon dafür sorgen, daß Hcidemänn sitzen müsse, bis er blau und schwarz würde. Das kann Bnchholz nicht leugnen, will sich aber bei dieser Drohung nichts gedacht haben. Die aus Köslin sattsam bekannten Erörterungen über den Zaun, der das Herdemaunsche Grundstück von der Synagoge'trennt, über die in diesen» Zaun angeblich losgerisscncn Bohlen und über das an diesem Zaun ausgeschichtele Holz wiederholen sich in aller Breite. Bei seiner erste» Bernehmung, erzählt Zeuge, vor dem Staatsanwalt. Pinosf sei er amgcsordcrt worden zu rlnierschrciben, was derselbe protokollirt, er habe sich aber geweigert zu unterschreiben, mit den Worten : „Ich werde mich hüten zu unterschreiben, was Sie versossen haben." Präsident: Das haben Sie zrun Staatsanwalt gesagt? Das war doch höchst unpassend und gemein! Buchholz schweigt. * ■ Präsident: Ich mache Sie allen Ernstes daraus aufmerksam, sich hier aller nnziemtichen ßkedellsarten zu enthalten. Bezüglich des Losreißens der Bohlen vom Zaun fragt der Präsident: War ein großer Kraftaufwand oder besondere Technik dazl» erforderlich? ‘ Bnchholz: Durchaus nicht. Präsident: Dann war cs aber von den HeidcmannS doch höchst unvorsichtig, wenn sic elfte jo leichte, nach Ihrer Ansicht verbrecherischen Zwecken dienende Arbeit nicht selbst thaken. Buchholz weiß daraus nichts zu erwidern. Wie in Köslin, will Bttchholz, als er kurz, vor dem Brande mir einer Fuhre Dung vom Heidcmannsche» Hose wcgsuhr, den Leshcim senior in der Richtung vom Tempel her mit einer Perrolcllmtanne in! der Hand die 'Friedrichstraße entlang gehend gesehen haben, rags vorher iuiU er den Tempeldiencr Lülveilderg in den Borhos des Tempels, gleichfalls mit einer Petroleuinkaiilic, haben gehen sehen. Auch vom brennenden Spind ltild von dem ominösen rothgcbcizlen Stuhl erzählt Zeuge das schon Bckanmc. Seine aus den Alten und sonst vielfach constalirtc Borticbe snr den SchnapS will er durchaus »licht einrämnen. Präsident: Wissen Sie denn etwas über die EntsiehungSgcschichlc des Feuers'? Bttchholz: Sicht. Präsident: Run, Sie. haben doch ncuestcns wieder etwas erzählt,» Büchhol;: Ach sa, am Sonntag >rach dem Brande suchte das Dienstmädchen Hilger auf einem Schranke bei Heidemänns nach einer Mark, die sie dort hingelegt und dabei siel vom Schranke ein Knäuel Schnur, den ich aushob und enrsteckle. Später ivol'.le ich die Schnur einmal als Trense beim Schmied, der ein Pferd beschlug» gebrauchen; sic taugte aber nichts. Dann hatte ich das Stück Schnitt lange Zeit vermißt, schtreßtich fand ich es wieder und habe cs kürzlich dem Kriinmiiial-KommissarittS Höst ans Berlin überreicht. Da hörte ich erst, das fer eine