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Der Israelit · 1884-03-06 · Heft 19 (6.3.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 19 (6.3.1884)
Date
1884-03-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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324 tcn Schwierigkeiten und Kosten chre uralten Schutzgenossenschaft wieder zu erlangen suche (vgl. m. letzten Brief). Wievielen und ob ihnen dieses gelungen, ist mir nicht bekannt. Sie sollen aber später einmal eine Darstellung neuerer Fälle von Ausweisungen u. w. s. erhalten, die ich Ihnen mit amtlichen Actenstücken gehörig garnieren werde, damit Sie den Rumänen selber glauben sollen. Sie meinen, daß über eine solche Lage der Dinge die rumänischen Israeliten überallhin weinen müßten? Ja, ja, ich weiß, Sie haben schon immer solche unrichtige Meinungen. Sprechen Sie aber mit den rumänischen Zeitungen, welche die Israeliten „zum Fressen" lieb haben (es sind dies in Rumänien alle, so daß man. sich so vieler Liebe gar nicht erwehren kann) und Sie werden bald eines Bessern belehrt sein. Diese Herren rathen seit 4878 den Israeliten immerfort, daß sie sich nicht beim Ausland beklagen sollen, (freilich mit der wohlmeinenden Bemerkung, daß es sonst noch ärger (!) kommen könnte!) Man soll sich im Lande beklagen, sagen sie, d. h. man soll bei dem hohen Gerader, .wollte sagen, bei den hohen Staatsmännern am Ruder, um Gerechtigkeit bitten und nur ans diesem Wege wird man sie ihnen gewähren. Dies ist auch wiederholt geschehen und in der That, es läßt sich nicht leugnen: der Erfolg kam überraschend und schnell.' Heute z. B. beklagten sie sich bei der Regierung und schon am anderen Tage erhielten sie Antwort. Allerdings es war eine Antwort, die oft sehr viel Aehnlichkeit hat mit der einer ..... Stiefmutter, nämlich „bessere" Schläge, in der Regierungspraxis beispielsweise: ein neuer Befehl an alle Präfecten die Israeliten aus den Dörfern zn vertreiben, weil sie: erstens keine „Verkehrsbillete" haben (können!) — und darum dürfen sie ja nicht in den Städten geduldet werden, geschweige' in den Dörfern; zweitens gab es einmal ein jetzt reactivirtes Gesetz (doppelt ist schon immer stärker!), daß Israeliten nicht das Recht haben, in den Dörfern zu wohnen, weil constatirt worden, daß unzählige Griechen mit den Bauern Wuchergeschäfte treiben, was gelegentlich auch ein Jude that' Sie sehen: mit dem Weinen im Auslande hat man erreicht den Artikel 44 des Berliner Vertrages, von dem die rumänischen Israeliten nunmehr wünschen würden, daß er in einem neuexdings nach Berlin eigens zu berufenden Kongreß abgeschafft und dagegen der Status quo ante hergestellt werde, welcher im alten Art. 7 der Verfassung wörtlich lautete: „Nur (wirkliche!) Fremde christlicher Religion können die Rechte im Lande erlangen". Vielleicht würden durch diese in integrum restitutio des alten Art. 7 die seit und als Folge des Berliner Vertrages geschaffenen Gesetze gegen die fabelhaften „Fremden" ebenfalls abgeschafft werden. Und wie groß das den Israeliten in Rumänien geschehende Unrecht ist, kann man daraus ermessen, daß die Armenier, welche von den anderen Christen mit dem wenig schönen Epitheton „armean spurcat" (unreiner Armenier) belegt werden, sowie die Zigeuner, die noch heutzutage stehlend und die Bauern mit Hocuspocus betrügend von Dorf zu Dorf mit schon älteren gänzlich nackten, Purzelbaum schlagenden Kindern herumnomadisiren wie in ihrem Mizrajim, daß diese seit dem Pariser Vertrage (1856), seit 30 Jahren also alle passiven und activen) Rechte genießen. Letztere, wenn sie sich irgendendwo ansässig machen; und blos darum, weil die Zigeuner in den Städten in verkehrter Weise ein Kreuz schlagen können, in ihren Wigevams aber, in ihren Wandernlagern, auf Zigeunerisch ihrem „großen Geist" treu bleiben! Die Israeliten unter den Zigeunern, das ist unerhört...... Durch das Weinen im Inlands aber erreicht man Stöckerische Antworten. Ich habe Ihnen somit bewiesen, daß das Weinen unnütz ist. Was bleibt dann? Das Gegentheil natürlich, nämlich: Lachen über solch* erbärmliches Schicksal, Spott und Hohn über das elende Nachmachen alles ausländischen Bösen und über das humanitätsverbrecherische Verfälschen alles Guten des Auslandes, wie es von dem rumänischen Gouvernement gegen arme, ihrem Schutze unterstehenden, Menschen verübt wird. Wollen sehen, wollen sehen, vielleicht hilft das Lachen. Vielleicht wird übrigens das Spotten über die in neuester Zeit nach berühmten Mustern gegründeten Vereine mit dem — Vorsatz „kaufet nur bei Christen," bewirken, daß wenigstens diese Vereine am Gelächter zu Grunde gehen. Freilich über solche Gesellschaften brauchen sich die Israeliten allerorten und ganz besonders in Rumänien ohnehin keine grauen Haare wachsen zu lassen. Denn von Anderem abgesehen, gibt es viele Artikel, mit welchen Israeliten ausschließlich handeln können, also z. B. mit Koschcr-Fleisch — in der Moldau von manchen Christen vorgezogen —, mit Bart und Peie?, welche immer in der Moldau, allerdings schon etwas seltener geworden sind, sowie mit Mazzes, zu welchen auch nach der Behauptung der rumänischen Antisemiten n. z. aus reinem äffischen Nachmachungstrieb Chriftenblut verwendet werden — soll. lieber die Vereine der Devise „Kaufet nur bei Christen" (im Detail! und bei den „Juden" im Großen, weil christliche Großhändler bedauerlicherweise nur sehr wenig im Inlands sind, im Auslande aber gerade die Israeliten Credit genießen!)

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