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Der Israelit · 1884-03-06 · Heft 19 (6.3.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 19 (6.3.1884)
Date
1884-03-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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321 laßt das russische Blatt „Swet", einen Rückblick auf die frühere Laufbahn dieses Staatsmannes zu werfen. Das Blatt führt verschiedene Denkschriften an, welche Fürst Orlow im Aufträge des verstorbenen Kaisers ausgearbcitet hat. In einer dieser Denkschriften behandelte vor ungefähr 23 Jahren Fürst Orlow auch die Judenfrage und gelangte zu folgenden Schlüffen: „Uns scheint es, daß die Judenfrage in ziemlich einfacher Weise sich entscheiden läßt und zwar in folgender Weise: 1) Den Inden sind alle Rechte, betreffend den Stand und. die Person zuzugestehen, deren sich alle Untcrthanen des Reiches erfreuen. 2) Den ausländischen Juden ist zu gestatten, nach Rußland zu kommen und sich gleich allen Ausländern in Rußland aufzuhalten. 3) Sowohl ausländischen als auch russischen Juden ist das Recht zuzugestehen, überall-im Reich Handels- und Bankiershäuser zu eröffnen. Durch die letztere Maßregel würde Kapital nach Rußland geführt und und unsere Industrie belebt werden. Die unternehmungslustigen Inden würden in Rußland ein weites Feld für ihre Thätigkeit finden und Rußland auf diese Weise nur gewinnen." Feuilleton. Am standhast! XXXII. Die Rückkehr des Frauleins von Mknkowitz wurde von.der Familie des Obersten von Ballen- Heim mit der größten Spannung erwartet. „Wo nur die Tante bleibt," fragte Fräulein Elise ungeduldig. „Sie kann doch unmöglich eine so lange Unterhaltung mit dem Banquier pflegen!" „„Vielleicht hat sie warten müffcn."" beschwichtigte die Mama. „„Diese Banquiers sind mitunter sehr beschäftigt und nehmen sich zur Privatunterhaltung erst daun Zeit, wenn ihre Börscnangelegcnheiten erledigt sind."" Endlich, endlich kam die Ersehnte. Frau von Ballenheim und ihre Tochter stürzten ihr entgegen und fragten wie aus einem Munde: „Nun Tante?" „„Laßt mich nur erst ein wenig zur Ruhe kommen, Kinder!"" antwortete die Gefragte. Anna nahm ihr den Hut ab, Elise den Umhang, Frau von Ballenheim schob ihr den Lehnsessel hin. In diesen ließ sich das Fräulein nieder. „Aus dem Banquier war nichts herauszubringen," sagte sie. „„Was fangen wir nun an?"" fragte Fräulein Elise betrübt. _„Geduld, liebes_Kiild,_laß^mich nur ausreden. Ich habe mich hinter seine Frau und seine Töchter gemacht, habe ihnen gehörig geschmeichelt und das Geheimnis; herausgebracht. Es ist so, wie ich vermuthet hatte. Die Geschichte von der Erbtante ist eitel Lug und Trug." „„Abscheulich," " rief Fräulein Anna. „„Elise, Du darfst dem Menschen keinen freundlichen Blick mehr widmen."" „Nicht zu vorschnell, meine liebe Anna. Mit den 100,000 Thalern hat cs trotzdem seine Richtig-- keit. Er hat sie verdient, auf redliche, wenn auch nicht gerade ganz ehrliche Weise." „ ,Jch verstehe Dich nicht,"" sagte Frau von Ballenheim. „Ich werde mich schon näher erklären. Bruno von Wolkenberg hat eine schöne Schwester. Diese hat ec' um 100,000 'Thaler an einen jüdischen Banquit-r verkauft." „„Entsetzlich,"" rief Elise. „„Was thut der Jude.mit dem Mädchen?"" „Er wird sie wohl an den türkischen Sultan. Wiederverkäufen," sagte Fräulein Anna mit überlegener Weisheit." ,,„Ha, ha, ha,"" lachte die Tante, „„ihr-seid zu naw, Kinder. Nein, solche Geschäfte werden in civilisirten Staaten nicht gestattet, und der betreffende Banquier, ein Baron von Löwenheim, ein Jugendfreund unseres ehrlichen Kornfeld, wäre wohl der Letzte, der sich mit derartigen Dingen befassen würde. Nein, der Jude hat sich taufen lassen und hat das schöne Fräulein zum Altäre geführt. Er hat sie aus einer armen Gesellschaftsfräulein zu einer Snltanin von Millionen von Thalern gemacht. Dieses Geschäft hat Bruno von Wolkenberg vermittelt und zum Lohne dafür von seinem Schwager ein Geschenk von 100,000 Thalern erhalten."" „So," sagte Fräulein Anna, „das ist ganz etwas Anderes." „„Ich meine auch,"" fuhr Fräulein von Minkowitz zu reden fort, „„daß es uns ganz einerlei sein kann, ob Herr von Wolkenberg das Geld geerbt oder zum Geschenk erhalten hat, i nd wenn Du, liebe Elise, nichts dagegen cinznwendcn hast, daß Dein künftiger Schwager ein getaufter Jude ist . , . ."" „Durchaus nicht," rief Elise lebhaft; „ich bin sehr tolerant." „„Nun, so schicket mir den Hauptmann Limpburg auf mein Zimmer, wenn er hierherkommt. Ich will ihn ausfordcrn, mit Herrn von Wolkenbcrg zu reden."" ‘ Bruno von Wolkenbcrg war mit der Prüfung der Pläne beschäftigt, die ihm der von ihm bestellte Baumeister für den Aufbau seines Schlosses vorgclegt hatte. „Ich würde Ihnen rathe.i, Herr Baron," sagte

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