Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 19 (6.3.1884)
- Date
- 1884-03-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449426--19731-2509229- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
320 Im ganzen, b. h. einschließlich bei* vorliegenben Vcrtheilung, hat bie Stiftung bis jetzt 15053,86 M. vcrtheilt. Der Verein hat einen Kapitalbestand von 12642 M., bie Einnahmen fast nur aus Fürth und Nürnberg cingegangen > betrugen 2072 M.. die Zlusgabeu 1012 Mk. Gerliu, 1. März. In ber vorigen Nr. bcs „Isr." in welcher Sie wegen, des Beschlusses, den ber Vorstand der Leipziger Gemeinde in Betreff der Bcerdignngsfrage gefaßt, auf die hiesigen Verhältnisse zurückgreifen, bemerken Sie, daß der Vorstand für das Beerdigen christl. Männer sei, daß dagegen die Repräsentanten die entgegengesetzte Ansicht vertreten hätten. Gerade das Umgekehrte ist der Fall, der Vorstand ist gegen die Beerdigung, während von den 20 Repräsentanten, 10 für das Beerdigen gestimmt. In Ihrer Nr 17 Artikel Mainz schreiben Sie, von einem amüsanten Geschichtchen, welches wohl der Wahrheit nicht entsprechen wird. Leider ist das Geschichtchen nicht erfunden. Es waren in der Mitte Augustin Eoblenz stattgefundenen Confercnz anwesend: I. D. Mocatta und Philipp Magnus aus London, Prof. Dernburg, Zadoc Kahn und Js. Loeb aus Paris. Ritter v. Gnttmann aus Wien, Prof. Lazarus und Ludw. Löwe aus Berlin. Die Versammlung hat beschlossen, eine Ethik des Talmuds herauszngeben, und Pros. Lazarus ist mit dieser Arbeit betraut, der sich Prof. Sieinthal von hier und Rabbiner Dr. Jelliucck ans Wien zu Mitarbeitern gewählt. Das Werk soll in 3 Jahren erscheinen, Pros. Lazarus soll pro Jahr 20000 M. bekommen, und 4OOOO M. sollen für die Mitarbeiter und Druckkosten verausgabt werden. Gesammelt soll in Berlin, Wien, Paris und London werden. Dr. Hermann Adler war auch dazu cingeladen, batte aber abgelchnt. Es wäre nun meiner Ansicht Zeit, daß die Eonservativen Stellung nehmen möchten gegen dieses Unternehmen. Würde Lazarus ein Werk aus eigne Faust hcrausgebcn, konnte keiner etwas dagegen sagen, aber jüdisches Geld zu solchen Zwecken sammeln, davor muß gewarnt werden. Diejenigen, die vom Talmud etwas halten, betrachten doch Lazarus nicht als Autorität und diejenigen, die sich vom Talmud losgesagt, brauchen auch keine Ethik desselben. Sigismund Simmel. Wiesbaden, 3. März. Es ist keine erfreuliche Nachricht, die ich Ihnen heute mitzutheilen habe. Die hiesige orthodoxe isr. Gemeinde hat eines ihrer thätigsten und eifrigsten Mitglieder verloren. Am vorigen Sabbat verschied nach kurzem Unwohlsein Herr Hajum Rosen 1hal v“), Vorsteher der genannten Gemeinde und vieler wohltbätiger Vereine. Der Verewigte zeichnete sich nicht allein durch außerordentliche Gewissenhaftigkeit in der religiösen Pflichterfüllung aus, er arbeitete auch mit allen Kräften für die Erhaltung des gesetzestreucn Judenthums. Ein großes, unsbsehbarcs Gefolge geleitete heute die sterblichen Ucbcrreste des Heimgegangenen zur lebten Ruhestätte, unter ihnen viele Fremde aus der Nähe und der Ferne. Wir nennen Herrn Rabbiner Dr. Lehmann aus Mainz und Herrn Rabbiner Dr. Marx ans D a r m st a dt. Am Eingänge des Friedhofs hielt der Rabbiner der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Herr Dr. L. Kahn, eine ergreifende Trauerrede, in welcher er die hohen Tugenden und Verdienste des Verewigten schilderte. Es waren Worte, die von Herzen kamen und zu Herzen drangen. Zum Schlüsse ermahnte der Redner die Mitglieder unserer Gemeinde, sich zu bestreben, nach Kräften den großen Verlust zn ersetzen und die-Lücke anszufüllen, die der Tod gerissen. — Kein Auge blieb thränenleer. In unserer schönen Badestadt, in welcher der größere Thcil der Israel. Gemeinde sich der Reform zuneigt, ist mit großer Mühe und unter schweren Opfern unsere orthodoxe Gemeinde gegründet, und sind in nicht minder schwieriger Weise die Institutionen derselben beschaffen worden. Nun hat sie in Hajum Nosenthal eine ihrer Hauptstützen-verloren. Aber wir verzagen deßhalb nicht. Das edle Beispiel dieses Frommen wird auf uns Alle ermunternd wirken und uns aneifern, den hohen Zielen nachzustreben, die ihm stets vorgcschwebt haben. rz-ib pns "OT. Das Angedenken des Frommen wird segensreich wirken. Oestcrr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Wiener Gemeinderath hat beschlossen , den Bürgerschullehrer, Herrn Nathan Streißler zum leitenden Oberlehrer der städtische» Knabcnvolksfchnle in der Leopoldstadt zu ernennen. Der Landcsschulralh hat bereits diese Ernennung genehmigt. Herr Streißler ist der erste jüdische Oberlehrer an den Wiener Volksschulen. Die Schule, die er leitet, zählt 1666 katholische. 41 protestantische und 2327 israelitische Schüler. Weil die Mehrheit der Schüler dem isr. Glauben angcbören, mußte auf Grund des neuen Schulgesetzes ein Jude zum Oberlehrer an dieser Schule ernannt werden. Rußland. Petersburg. Die Berufung des Fürsten N. A. Orlow zum russ. Botschafter in Berlin veran-