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Der Israelit · 1884-03-06 · Heft 19 (6.3.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 19 (6.3.1884)
Date
1884-03-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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316 während jeder Theil seine eigenen Wege wandelt, geradeso, wie es bei Nichtjuden häufig der Fall ist. Eltern, welche die Gottesfurcht aus ihrem Hause gebannt haben, müssen es erleben, daß die Kinder sich kaltherzig von ihnen wenden. Kinder, welche von unserer heiligen Religion nichts erfahren haben, sehen in ihren Eltern nicht die von Gott eingesetzten Vertreter, denen sie Liebe und Ehrfurcht schulden, sondern nur die Gewalthaber, die ihre Vergnügungen beschränken möchten und ihnen die Mittel zu ausschweifenden Genüsien versagen. Und siehe, die Folgen bleiben nicht aus; Amalek erhebt wieder sein Haupt mit furchtbarem Kriegsgeschrei. O, ihr Väter, an euch ist es, den Feind zu bekämpfen. 2»*og '2 'losoip nös. I'MQ ’J« , »an .U»’« O'TIS Ihr seid die Häupter der Familie, ihr habt die Pflicht, das alte jüdische Familienlieben zu erhalten, oder, wo es verloren, es wiederherzustellen. Nicht umsonst werden die Väter den Felsen verglichen. Wie der Fels im Meer, uniwogt und u^nbraufetvon den sich thürmenden Wellen, unerschütterlich feststcht ohne zu wanken, wie an dem Felsen die gewaltige Brandung sich bricht und machtlos zurückfließt und wie, bei heiterem Himmel, die kosenden Gewässer ihn nicht von seiner Stelle entfernen, also soll das Haupt der jüdischen Familie fest und unerschütterlich stehen in den Stürmen des Lebens und sich auch nicht verlocken taffen durch die verführerischen Liebkosungen der wechselnden Ideen der Zeit. Führwahr, es ist nicht immer leicht, fest und unerschütterlich zu bleiben. Es treten Conflicte auf, die der Gefahren viele in sich bergen. Bald sind es - die Sorgen um das tägliche Brod, welche die gottgebotene Sabbatruhe gefährden; bald bestürmen Habsucht, Gewinnsucht, Genußsucht, das Herz des Mannes; bald sind es Eitelkeit und Ehrgeiz, die ihn vom rechten Pfade abzuweichen veranlassen möchten; bald ist es der Widerstreit mit der Gesinnung einer eiteln Gattin, die das gottgefällige Familienleben zu zerstören droht; bald sind es falsche Rücksichten auf das vermeintliche Glück der Kinder, welche den schlimmsten Einfluß üben. Der Familienvater -muß'vor allen Dingen ein Mann sein, und der jüdische Familienvater muß vor Allem selbst Jude sein, ein echter Jude, der Gott fürchtet und Seine heiligen Gebote zu beobachten strebt. Es gibt in unserer- Zeit so Viele, die zwar so leben, wie sie es von ihren Eltern vor sich gesehen haben, denen es aber nicht rechter Ernst ist um die Religion ihrer Väter. Die Kinder merken das nur zu bald und werfen dann, wenn sie herangewachsen sind, den letzten Rest des Judenthums hinweg. Der Familienvater muß sich fürchten, eine Sünde zu begehen, dann werden feine Kinder den Ernst des Vaters erkennen und au seinem Beispiele sich emporranken. — Es gibt so Viele, welche zwar Gottes Gebote beobachten, aber sie als eine drückende Last ansehen, die über die Ausgaben seufzen, welche ihnen das Pesachfest oder die zu erbauende Laubhütte auflegt, die betrübt sind über den Stillstand im Geschäfte, den die Feier des Sabbats mit sich bringt. Das merken die Kinder sehr bald und werden gleichgiltig gegen die Religion der Väter. Der Familienvater muß sich der Gottesgebote freuen und sich glücklich schätzen, für die Religion ein Opfer bringen zu dürfen. Das werden die Kinder bald erkennen, und sich ein Beispiel daran nehmen. — Was sollen wir erst von Denen sagen, die ihre Söhne in Geschäfte geben, in denen sie den Sabbat entweihen müssen, ihre Töchter Männern in die Ehe geben, die dem Judenthume mehr oder weniger entfremdet sind! Ihre Anhänglichkeit an dem Glauben ihrer Väter ist nur eine äußere Form, die bei dem geringsten Anlaffe zerbricht. Möge der allgütige Gott unseren schwachen Worten Kraft verleihen, in die Herzen der Väter zu dringen, sie zu ergreifen, sie zu durchdringen,' sie zu festigen, auf daß sie in wahrhaft jüdischer Weise sorgen für das Wohl ihrer Kinder! uanx D»-ns »eno »3 Dem hervorragenden Felsen gleich, soll der jüdische Familienvater fest nnd unerschütterlich den heranstürmenden Wogen sich entgegenstellen und sich auch nicht beirren lassen von den ihn schmeichelnd umspielenden Wellen; kraftvoll soll er in seinem Hanse einstehen für die Erhaltung des erhabenen, glückspendenden, segenbringenden jüdischen Familienlebens. (Forts, folgt.) Grneuie Meryandümgen des Prozesses wegen des Keustetttner Syrragogenörandes. Könitz, den 1. März, Abends. Wie ich Ihnen bereits telegraphisch mitgetheilt habe, scheint sich die diesmalige Verhandlung für die Angeklagten und vom Koslkner Schwurgerichte Berurtheilten günstiger zu gestatten. Am 29. Febr. begann die Verhandlung. Der Gerichtshof besteht aus dem Präsidenten Landgerichts^ rath Arndt aus Danzig, dem Landrichter von Kaltenborn und Assessor Dr. Keyfer. Der Zuletztgenannte ist geborener Jude, hat jedoch vor einigen Monaten seinen Glauben gewechselt. Die Anklage vertritt der erste Staatsanwalt Schlingm a n n. Als Vertheidiger fungiren die Rechtsanwälte

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