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Der Israelit · 1884-03-03 · Heft 18 (3.3.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 18 (3.3.1884)
Date
1884-03-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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304 wurde um 5 Uhr mit der Vernehmung der Sachverständigen, der Bauleute, der Versicherungsagenten und des Rabbiners Hoffmann fortgcfahren, welcher Letztere hauptsächlich über Gegenstände des israelitischen Kultus zu deponiren hatte. Hierauf wurde die Verhandlung auf morgen früh 9'/s Uhr vertagt. 1. März. Die Verhandlung begann um 9'/- Uhr. Nach telegraphischer Vorladung noch einiger Zeugen wurden fünf Arbeiter verhört, welche die Aufräumungsarbeiten ausgeführt hatten. Ihre Aussagen widersprechen theilweise denjenigen der Sachverständigen, Negierungsbaurath Venoit hält es durchaus nicht für geboten, anzunehmen, daß Petroleum angewendet wurde. Landgerichtsdirektor Helft wohnte der Sitzung bei. Das Zeugenverhör dauert fort. Unter den heute vernommenen Zeugen waren Lehrer Hübner, Bertha Hilger, Dienstmädchen beim Angeklagten Heydemann jün., die Kanzlisten Ebel und Jordan, der Klempner Werner, der Kontroleur Dalitz, Lehrer Pieper. Letzterer vom Vorsitzenden aufgefordcrt, ob er einmal einen Verweis seiner Vorgesetzten Behörde erhalten habe, weil er im Religionsunterricht eine beschimpfende Aeußerung gegen eine alttestamentarische Persönlichkeit gebraucht, will sich hierüber nicht erklären. Er fällt nach fortgesetztem strengen Jnquisitorium hierüber in Ohnmacht. Die Vernehmung mußte abgebrochen und Pieper von seinen Kollegen hinausgeführt werden. Die Zeugen brachten Neues zur Sache nicht vor. Auf Antrag der VertheidigunZ und Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde der Artikel der Neustettiner „Norddeutschen Presse" überschrieben „Dr. Martin Luther und die Judenfrage" verlesen. Schluß 8 Uhr. Nächste Sitzung Montag 9 Uhr. Ein uns von einem anderen Correspondenten später zugegangenes Telegram'.n lautet: Könitz I.März. 7. Uhr 8 Min. Abends. Die Belastungszeugen verwickeln sich in Wiedersprüchen. Pieper vom Präsidenten verwarnt, wurde unwohl und mußte abgcführt werden. (Wir werden nicht verfehlen in den nächsten Nummern s. G. w. Ausführlicheres zu bringen. — Red.) Der Jahresbericht des HtaMrrer-Semiuars zu Berlin pro 5643 (1882—1883). Dem in der Ueberschrift benannten Berichte ist eine werthvolle Abhandlung von Di*. A. Berliner vorausgeschickt: „Beiträge zur Geographie und Ethnographie Babyloniens im Talmud und Midrasch." Wir werden dieser gelehrten Abhandlung, die einen höchst erfreulichen Beweis von gründlicher Forschung und wissenschaftlicher Behandlung des gegebenen Themas, wie sie im Berliner Rabbiner- Seminar gepflegt werden, gibt, demnächst eine eingehende Besprechung widmen. Heute wollen wir uns darauf -beschränken, aus dem Berichte selbst einige Mittheilungen zu machen. Das Berliner Rabbiner-Seminar besteht jetzt seit einem vollen Jahrzehnt und hat für das deutsche Judenthum höchst Erfreuliches und Bedeutendes geleistet; cs sei uns daher zunächst ein Rückblick auf diese unter Gottes Beistände so ruhmvoll und erfolgreich zurückgelegte Zeit gestattete Noch nie. ist. wohl ein derartig großes Unternehmen mit so geringen Mitteln und unter so prekären Aussichten begonnen worden. Kein Fonds war dazu vorhanden, nicht hatten ~ durch Reichthum hervorragende Männer Kapitalien dafür in Aussicht gestellt. Für das Rabbiner-Seminar zu Breslau waren aus der Verlassenschaft des Commerzienraths Fränkel Hunderttaufende zur Verfügung gestellt worden; für das Rabbiner-Seminar zu Pest werden alle Bedürfnisse aus dem'ungarischen israelitischen Schulfonds, welcher über Millionen verfügt, bestritten. Das. orthodoxe Rabbiner-Seminarzu Berlin hatte keine andere Hilfsquellen als die unbeschreibliche Energie, die nimmer ermüdende Thatkraft, die unerschütterliche Ausdauer eines einzigen Mannes, des Rabbiners Di*. Israel Hildesheimer „Es, war das erste Mal", schreibt der Genannte in seinem Berichte an das Curatorium, „daß eine Anstalt mit den weitausschauenden Zielen, in den biblischen und talmudischen Lehrfächern die Ausbildung bis zu einer auch die rigorosen Forderungen befriedigenden, durchgreifenden und gründlichen Ausbildungzuleiten, und anderseits in de» allgemein wissenschaftlichen Disciplinen eine gediegene, nachdem neusten Muster der akademischen Studien organifirte Nnterrichtsart festzuhalten, — daß eine Anstalt mit so weit ausschauenden und wahrlich nicht leicht zu erreichenden Zielen ihre schüchternen Schritte ins Leben wagte, ohne auch nur nennenswerthe materielle Fundirung. Sie wagte sie im Vertrauen auf die gute Sache, im Vertrauen auf die seit Jahrzehnten drängende Nothwendigkeit, daß den Männern, welche einst als Leiter jüdischer Gemeinden das traditionell begründete Judenthum vertretenin Ehre und Hochachtung halten sollen, neben der selbstverständlichen biblisch-talmudisch-halachischen eine zeitgemäße wissenschaftliche, in sich abgerundete Fachbildung gegeben werden müsse, — im Vertrauen auf den allzeit lebendigen Gemcinsinn unter unsernGlaubensgenoffen, welche dieser vitalsten Frage der Zukunft unseres religiösen Gemeindelebens seine Unterstützung nicht fehlen lassen werde. Diese Hoffnung am den Idealismus, auf die Opferfähigkcit unserer Mitbrnder für die Pflege

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