Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1884)
- Date
- 1884-03-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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305 und Hochhaltung unseres religiösen Erbes hat uns nicht getäuscht. Grob und Klein, Arm und Reich, Männer der verschiedensten Richtungen haben dem für die Gesammtheit unternommenen Werke ihre Unterstützung geliehen. Wir dürfen wohl sicher der Ueberzeugung leben, daß, wie durch deren freiwilliges Zusammenwirken wir bisher alljährlich die Etatsfordernngcn der Anstalt zu decken in der Lage waren, wir bald unser angestrebtes Ziel, durch die Spende eines bedeutenden Fonds die materielle Grundlage der Anstalt fest begründet zu scheu, mit G. H. auch noch erreichen werden. Die großen inneren Ziele der Anstalt zu bewältigen, war und ist wahrlich keine kleine Aufgabe. Wir konnten, was wir - geleistet haben, nur durchführen durch ziemlich hochgespannte Anforderung an die Leistungsfähigkeit unserer Hörerdurch die werthvolle Unterstützung jenes sicheren, methodischen, planvollen Arbeitens, wie es eine Gymnasialvorbildung zur Folge hat, die wir darum als Voraussetzung für die Aufnahme derselben in die Anstalt festhielten; ebenso mußte selbstverständlich ein nicht unbeträchtliches talmndisches Wissen vor dem Eintritt uachgewiesen werden^ Vierunddreißig Rabbiner hat in dieser Zeit die Anstalt deutschen und außerdeutschen Gemeinden geschenkt, welche — wir dürfen dessen mit berechtigtem Stolze gedenken — unverrückt treu den Grundsätzen geblieben sind, die die Anstalt vertritt, welche den Beweis liefern, daß das traditionelle Judcnthum seine erziehende, religiös stärkende und erhebende Macht unter den Bildungsbedingungcn der Gegenwart nicht minder als früher ausznüben vermag. Davon hat unser Seminar auch noch eine zweite beweiskräftige Probe erfahren. Während bei seiner Begründung das talmudische Studium in Deutschland so darniederlag , daß an unserer Anstalt wenigstens, die Zahl der Ausländer überwog, hat sich mehr und mehr der Zuzug aus Deutschland gehoben und ist er in sein natürliches Verhältniß getreten. Auch in diesem Jahr hatten wir die Freude, wieder mehrere Hörer nach vollendetem Examen in Rabbinätsstellungen berufen zu sehen. So wurde Dr. Abrahams aus London als Rabbiner nach Melbourne, Dr. Oscar Bahr aus Mayen a. Rh. als Rabbiner nach Kosmin, Dr. Sinai Schiffer aus Ramcsto (Ungarn) als Rabbiner der Religionsgesellschaft nach Karlsruhe und Dr. Lerner aus Czenstechau als Rabbiner nach Winzenheim (Elsaß) berufen." Das Seminar hatte während des abgelaufenen Jahres eine Einnahme von rund 47,000 Mark und eine Ausgabe von rund 41,000 Mark, der Vermögensbestand betrug am 1. September 1883 rund 193,000 Mark. Aus vollem Herzen wiederholen wir die Schlußworte des Herrn Rectors: „Der himmlische Vater segne unsere Anstalt mehr und mehr, sie wachse und gedeihe zur Kräftigung religiösen Lebens, zum gründlichen Studium des heiligen Religionsgcsctzes, zur Ehre und zum Ruhme der gesammten jüdischen Wissenschaft." Wir fügen hinzu: Möge der allgütige Gott den hochverehrten Leiter und Gründer der Anstalt Herrn Rabbiner Dr. Is r a el H ild eshei m er b"'"> noch eine lange Reihe von Jahren kräftig und gesund erhalten, auf daß es ihm vergönnt sei, ferner so wie bisher zu wirken zum Heile des Judenthums, zum Heile der Menschheit! Zeitrmgöuachrichten und Sorrefpondeuzrrr. D e u t s ch l a n d. Ikharmerr, im Febr. In hiesiger Gemeinde, welche unter keinem Rabbinate steht, wohnt ein .Metzger, der vor 6 Jahren von einem hierzu befugten Lehrer ndop erhielt, seitdem aber sich nicht mehr hat hdjo sein lassen. Das größte Wunder jedoch ist, daß dieser mm noch me nsna geschachtet, obgleich er wöchentlich 1, auch 2 Stück Vieh schlachtet. Diese und noch anoere Umstände haben bewirkt, daß er bei den meisten Gemeindemitglieoern das zu diesem heiligen Amte nöthige Vertrauen verloren. Vor 3 Monate verordnet der Vorstand in Uebereinstimmung mit den Gemeindemitgliedern ein Pnpnwpn — es gibt hier noch mehrere Metzger, die auch D’Brvr sind — daß nur der von der Gemeinde angestellte mm die Function der.iv'no auszuüben hat und jede andere hdtw, -nox ist. Der oben näher bezeichuete Metzger aber, will sein Amt nicht niederlegen, und ist deßbalb aus der Gemeinde getreten. Seine Kundschaft'ersteckt sich auf drei hiesige Faunlien, aber auch auf viele Israeliten der Umgegend, die trotz der geschilderten Thatsachen, die ihnen bekannt sind, auf der Meinung verharren, daß das von diesem Metzger verkaufte Fleisch -»so fei. Oesterr -Ungar. Monarchie. Pest, 26. Februar. Der Minister des Innern richtete vorgestern an sämmtliche Municipien des Landes folgende Circular-Verordnung: Aus verschiedenen Theilen des Landes ist mir die Nachricht zugekommen, daß die Agitationen zur Verbreitung von Gehässigkeit zwischen den Racen und Confessionen und zur Störung des friedlichen Beisammenlebens derselben in neuerer Zeit wieder begonnen haben und theils mit gewissenloser Bewußtheit, theils mit sträflicher Unbesonnenheit betrieben *