Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1884)
- Date
- 1884-03-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXV. Jahrgang. . , \ Beilage ju Sit. 18 -es Zsraeiil. 2eitcnb c Artikel. Kirsch Oppenheimer v“:. Mainz, 28. Februar. Aus Hannover kömmt uns die Trauerkunde von dem Ableben eines der edelsten und besten Männer unserer Zeit zu. Der in den weitesten Kreisen rühmlichst bekannte Herr Hirsch Oppenheimer y": ist nicht mehr! In der Nacht von dem 21. auf den 22. Februar wurde er, ohne vorhergegangene Krankheit, im Alter von 79 Jahren vom Schauplatze seiner irdischen Thätigkeit abberufen. Wir beklagen in dem Heimgegangenen einen treuen und edlen Freund, den wir fast 40 Jahre gekannt und geliebt haben. Aber nicht blos die ihm näher Stehenden, ganz Israel hat ihn verloren und seinen Verlust zu beklagen. Hirsch Oppenheimer y"j war im Jahre 1805 in Gronau bei Hildesheim geboren. Kaufmann von Beruf, widmete er sich schon in früher Jugend der heiligen Beschäftigung, die Söhne Israels in den Abrahamsbnnd aufzunehmen. Was das vor ca. 60 Jahren bedeutete, weis; das jetzt lebende Geschlecht kaum zu beurtheilen. Damals gab es noch keine Eisenbahnen- und Telegraphenverbindungen. Ein, Mohel mußte oft unter unsäglichen Mühen und Ge-, fahren, uuter großem Auftvande an Zeit und Geld seines heiligen Amies warten. Es ist kaum zu schildern, mit welcher Uneigennützigkeit und Aufopferung sich der Verewigte diesem Berufe hingab. Ost war er den armen Glaubensgenossen, die in abgelegenen ^Dörfern ein kümmerliches Leben führten, bei Gelegenheit des Veschneidungsfeftes zugleim ein Helfer in der Noth. Von reichen Glaubensgenossen wies er jede Belohnung, jede Anerkennung zurück. Wir waren einst Zeuge einer erhebenden Scene. Einer seiner Freunde, ein wohlhabender Bankier, lebte in kinderloser Ehe und war deßhalb oft sehr betrübt. Einst tröstete ihn Hirsch Oppenheimer und sprach: Habe nur Geduld; Gott wird Dein Gebet erhören und du wirst mich noch zu einem Berith berufen! — Wenn das einträfe, sagte der Vanquier, so würde ich Dir ein Honorar von 100 Lonisd'or - zahlen. Anderthalb Jahre nachher war das Erhoffte eingetreten; Hirsch Oppenheimer vollzog die Beschneidung, und während der darauffolgenden Tafel überreichte ihm der glückliche Vater die 100 Goldstücke. Der edle Mann nahm das reiche Geschenk nicht an. — Du kannst das Geld zu einem guten Zweck verwenden, sagte der Vater des Kindes. — Das kannst Du selber thun, antwortete O.; ich will auch den Schein einer Belohnung vermeiden. Daß ein solcher Mann mit allen Kräften strebte, die Vorschriften unserer heiligen Religion auf das Sorgfältigste zu erfüllen, daß er in diesem Sinne und Geiste feind Kinder erzog, brauchen wir wohl kaum zu sagen. Als er nach Hannover zog, wurde er bald eines der hervorragendsten Mitglieder der dortigen Gemeinde, eine der Hauptstützen der.Wohl-, thätigkeitsanstalten derselben. Was er für Arme, Kranke und Hilfsbedürftige jeder Art gethan und eleistet, kann kaum geschildert werden. Noch in en letzten Tagen seines Lebens besuchte er die Kranken und spendete den Sterbenden in später) kalter Winternacht den letzten Trost, er, der fast 80jährige Greis. — Er starb nach kurzem Unwohlsein, , sanft und gottergeben, aus der Fülle seiner reich gesegneten Thätigkeit scheidend. Um ihn trauern Alle, die ihn kannten, und der tiefe Schmerz um das Hinscheiden des Frommen findet nur durch den Gedanken Linderung, daß die Kinder und Enkel des Verewigten in seinem Sinne leben und wirken. Die neue Verhandlung des Vrozeffes wegen des AensteLLirrer Synagogeuvrandes. (Telegramme.) Könitz, 29. Februar. Die Verhandlung begann» heute Vormittag vor dem hiesigen Schwurgericht. Der Gerichtshof besteht aus: Landgerichtsrath Arndt (Danzig), Vorsitzender, Landrichter von Kaltenborn, Assessor Dr.Kayser, Beisitzer, Staatsanwalt Schlingmann. Vertheidiger sind die Justizräthe Makower und Scheunemann und die Rechtsanwälte Dr. Sello und Meibauer, Auf der Anklagebank nehmen Hirsch Lesheim,. Hirsch Heidemann, Gustav Heidemann, Leo Lesheim Platz. Ersterer wird aus der Haft vorgeführt. Der Zeugenaufruf ergab die Anwesenheit von 144 Personen, einschließlich des Kriminalkommmissarius Höft aus Berlin. — Sämmtliche Angeklagte erklärten sich, bei dem^ mit ihnen vorgenommenen Verhör der Brandstiftung, für nicht schuldig. Nach einer l1/* stündigen Pause