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Der Israelit · 1884-03-03 · Heft 18 (3.3.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 18 (3.3.1884)
Date
1884-03-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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297 Briefe über Burnänien, den neuesten Stand der dortigen Israeliten betreffend. Mitgetheilt von Dr. I. Enc. - V. Was ich nur sägen wollte...... Ja so! In meinem letzten Schreiben habe ich Ihnen unter anderen Sach;n auch noch Einiges gesagt über Börsen und Makler und über Vermittler — — hätte ich noch mehr sagen sollen, denn dies sind die eigentlichen armen Leute, — die uns am nächsten angehen. Im Gcwoge der Gedanken jedoch und über das massenhafte, nicht bald zu erschöpfende Material ist es mir unmöglich, den Faden der einzelner Besprechungsgegenstände straff in Händen zu behalten, weil während ich über das Eine schreibe, sich Mir immer wieder ganze Knäuel von analogen Fällen in meine Vorstellung drängen und so werde ich km» hin und her gezerrt zwischen der möglichst knappen Mittheilung der Themata, die ich mir vornehme und dem Ueberschen anderer, die in der Natur der Sache liegen. Hierzu kommt noch, daß ich mich fürchte, die Geduld Ihrer geehrten Person und meines Papiers zu sehr in Anspruch zu nehmen, um nicht der Veranlasser zu sein, daß dieErstere gerissen, das Letztere durchlöchert werde. Wenn Ihnen aber erschöpfende Mittheilungen erwünscht sind, so belieben Sie mich auf die Lücken aufmerksam zu machen und mich an meine jedesmalige Versprechungen für später zu erinnern, damit ich sie gelegentlich Nachträgen kann. Denn ganz besonders was Letztere anbetrifft, bin ich beim hölzernen Säbel des Herrn General Manu! auf dem besten Wege die zweite Eigenschaft eines rumänischen Ministers — nächst der Unwissenheit, die bei mir leider etwas mangelhaft ist; glauben Sie das? — Die Vergeßlichkeit hauptsächlich zu erlangen von Versprechungen, die in Bezug auf die Israeliten von den rumänischen Ministern und Gesandten unseren Rothschilds u. s. w. gegeben wurden jedesmal, wenn sie sich anschickten eine neue Anleihe zu-contrahiren. Ich will für heute von einer Besprechung über die Waarcn-Makler, niederen Vermittler und was damit zusammcnhängt, absehen, weil ich letzthin versprochen habe. Ihnen eine detaillirte Mittheilung zu geben über den Sinn der „Villete für den freien Verkehr undAufeuthalt im Lande", in Verbindung mit den 11 Israeliten, welche von dem hauptstädtisch Bukarester Bahnhofe weg nach der PÄizei-Präfcctur. sistirt wurden. Was die elf Israeliten anbetrifft, so muß ich Ihnen gestehen, daß es wiederum eine rumänisch- .jndische Uebertreibung von mir war, nur zehn und ein Angestellter derselben wurden sistirt, aber die israelitischen Rumänen haben schon immer die Schwachheit zu übertreiben-- wenn sie durch das Geschrei der rumänischen Christen über zu viel „Fremde" irregeleitet werden. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, daß (im Jahre 1867), ein Jahr nach Einführung der liberalen belgischen Verfassung, 10. Mai 1866, eine Anzahl Israeliten in der Donau bei Galatz ertränkt wurden. Es wurde damals behauptet, daß es im ersten derartigen Versuch mit durchlöchertem Kahn etwa zwanzig gewesen sein sollen, während in Wirklichkeit die Sache vergrößert war. Es waren nämlich blos fünfzehn „Inden" und der Rest waren Frauen einige derselben, also Jüdinnen und nicht Inden. So war es auch mit dem Abschicken zu Fuß der „Vagabunden" an die verschiedenen Grenzen, um von den ausländischen Grenzbeamten als — rumänische Unterthanen zurückgeschickt und dann wieder hin und her geschickt zu werden. Während in der That durch die Zeitalso Jnteressenverluste, durch das? Spießrutheulaufen nach und von den Grenzen, durch das Hungern, Nichtschlafcn u. s. w. blos ein Theil starb, der andere aber im ganzen übrigen Leben die ausgcstandenen Drangsale verspürte, (von denjenigen, die mit der Furcht lebten allerdings abgesehen) wurden von den „Juden" geschrieen, daß früher oder später Alle an den Qualen zu Grunde gehen. Offenbar diese Uebertreibungcn haben im Auslände die Meinung hervorgcrufcn. daß die Rumänen große Barbaren sind, hätte man blos so berichtet, wie ich cs oben „rcctificirt" habe, so wäre es zwar ganz dasselbe gewesen, aber die gebildete Welt hätte dann den rumänischen Barbarismus auf das entsprechende Maß feststellen können^ Allem Anscheine nach haben indeß die israelitischen Rumänen in nächster Nähe Vorbilder, von welchen sie das Uebcrtreiben gründlich lernen können. Es sind nämlich die christlichen Rumänen selber, die mit größerer Sicherheit, aber ohne thatsächlichen Hintergrund Dinge behaupten, die sie nicht beweisen' können. So kommt es denn, daß die Herren Antisemiten behaupten, cs wäre ans fünf Gesa mm t- Rumäneu je ein Israelit, also eine Million Israeliten bei einer Gesammtbcvölkernng von 5000000. Wenigstens hat man ein diesbezügliches Beispiel an dem Gemcinderath in Jassy, dem ältesten und größte» Antisemitennest, welcher mit dem dortigen Präfecten über die Zahl der israelitischen Bevölkerung der Stadt streitet. Nach der vom Jassyer Gemeindcrath aufgestellten „Statistik" (ich habe schon in meinem letzten. Briefe gesagt, was dies inNu.'ämen für ein Nnding ist) müßte man annehmen, daß von den, wie allge-

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