Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 18 (3.3.1884)
- Date
- 1884-03-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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296 Gebete, so werden wir dadurch unser ganzes Wesen reinigen und läutern. All die kleinlichen Vortheile und Genüsse, um deretwillen der Mensch zu sündigen vflegt, werden uns so werthlos erscheinen, wie sie in der That sind. Im Hinblicke auf die Majestät des allmächtigen Gottes wird es uns bewußt werden, daß es kein größeresHeil und kein größeres Glück gibt als das. Ihm zu dienen und Seine heiligen Gebote zu beobachten. Und da der allgütige Gott vorzugsweise ans das Herz des Menschen blickt soV warn ’jn, und dessen gute und heilsame Entschlüsse schon als edle That anerkennt, so macht sich der Mensch durch ein heißes und aufrichtiges Gebet der Hilfe des Höchsten würdig. In diesem Gedanken wird uns das Geheimniß der.Wirksamkeit des Gebets offenbar. Denn das Gebet als solches ist vom philosophischen Standpunkt aus schwer zu begreifen. Was will der Betende? Er will.durch die Worte seiner Lippen einwirken auf die Entschlüsse und die Thaten des allmächtigen und allweisen' Gottes. Ist dasjenige, was er erbitten will, den weisen Plänen des Allweiscn angemessen, so bedarf es ja eigentlich des Gebetes gar nicht; ist es aber denselben entgegengesetzt, so wäre es ja vermessen, durch das Gebet eine Aenderung erzielen zu wollen. Nach dieser Erwägung wäre jedes Gebet entweder überflüssig oder vergeblich. Nach dem jedoch, was wir vorausgeschickt haben, verhält sich die Sache wesentlich anders. Der Mensch, welcher bisher der Hilfe Gottes unwürdig war, wird durch ein aufrichtiges und heißes Gebet ein Anderer, er wird geläutert und gebessert, seine von der Sünde beschmutzte Seele , wird gereinigt, und er wird es Werth, daß Gott ihn -schütze und ihm helfe. Vielleicht an keiner anderer Stelle ist die Kraft und der Werth des Gebetes so hervorgehoben wie bei der Gelegenheit,, da Gott Seinem Diener Moscheh die schreckliche Kunde mittheilt, daß die Israeliten am Fuße des Berges Sinai sich ein goldnes Kalb gemacht und ihm göttliche Ehre erweisen. Und darauf spricht Gott zu Moscheh: Und nun laß mich, und es wird entbrennen mein Zorn gegen sie, und ich werde sie vernichten." Unsere Weisen bemerken dazu im Midrasch (vergleiche Raschi zur Stelle): Noch haben wir nicht vernommen, daß Moscheh für sie gebetet hat, und Gott spricht: Laß Mich!? Hiermit hat Gott ihm angedeutet, daß, wenn Moscheh für sein Volk beten werde, Gott es nicht vernichten wolle. Und Moscheh befolgt dem Wink, und sein Gebet bewirkt, daß Gott dem sündigen Volke verzeiht. Wozu bedurfte Gott erst des Gebetes Seines Dieners? Wenn es Seinem heiligen Willen entsprach, dem sündigen Volke Verzeihung angedeihen zu lassen, hätte Er nicht verzeihe?, können, ohne daß das Gebet Moschehs vorausgegangen wäre? Und doch war das Gebet Moschehs nothwendig. Gott gab ihm hier die Gelegenheit, sich als den treueste» Hirten zu bewähren. Da ihm Gott angeboten, ihn allein an Stelle des ganzen Volkes Israel zum Träger Seines Namens und zu einem großen Volke zu machen, da lehnt Moscheh eben so bescheiden wie entschieden diese ihm in Aussicht gestellte höchste Würde ab, tritt mit aller Macht für die Rettung Israels ein und erlangt dadurch ein so unendliches Verdienst, das ihn nicht allein über alle Mensche» vor ihm und nach ihm hoch erhebt, das auch die Verzeihung und Rettung für Israel erst ermöglicht. Unsere Weisen führen das aus anlehnend an den Ansspruch Salomos^ der da lautet: by rvty ns« b'n ury rrn um. «Viele haben Großes vollbracht. Du aber hast sie alle Übertrossen." Mosche war größer als Noab, der nur sich und die Seinen zn retten vermochte, während seine Mitmenschen in den Fluthen umkamen: Moscheh war größer als Abraham, dessen Gebet das Verderben von den sündigen Sodomitern nicht abzuwenden vermochte. — Dadurch, daß Moscheh durch dieses sein Gebet so unendlich hoch stieg, war er gleichsam im Stande, die Sünde des ganzen Volkes zu sühnen und die Nation zu erretten, von deren Geschicke er sein eigenes Loos nicht trennen wollte. Auch hier beim Kampfe gegen Amalek war Moscheh von dem Einflüsse und der Wirkung des Gebetes überzeugt. Nicht er hatte den drohenden Kampf verschuldet. Als in Nephidim die Israeliten an der Gegenwart und der Fürsorge Gottes zweifelten, da bedrohten sie auch Moscheh »rpDr öjjd hjr „Nur noch ein Weniges spricht er, „und sie hätten mich gesteinigt. —" Als aber die Strafe heranzuzichen droht, da gedenkt er nicht mehr der ihm angethanen Beleidigung und ist bereit, für sein Volk einzutreten, für es zu beten. Wohl waren ihm die Hände, die er im Gebete zu Gott crporheben will, durch die Sünde des Volkes beschwert; allein, er harret aus und läßt nicht nach, bis Israel der Gefahr entronnen. Auch heute erheben die Nachkommen Amaleks ihr Haupt und fordern uns zum Kampfe heraus. Das wirksamste Mittel des Kampfes, das zum Siege führen wird, sei auch für uns das heißinnige Gebet zu unserem Vater im Himmel. Wenn wir im Gebete unsere Herzen läutern, unsere Seele erheben, dann erlangen wir des Allmächtigen Schutz, gegen den anzukämpfen Menschen machtlos sind. 'sü-.za njost aso mjo *t „Wenn Gottes Hilfe mir zu Theil wird, dann kann ich ruhig das Wüthen der Feinde mitanschauen." (Fortsetzung folgt.)