Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-02-28 · Heft 17 (28.2.1884) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 17 (28.2.1884)
Date
1884-02-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449424--19695-2509191
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

286 „ .,Ich höre soeben das erste Wort davon. I Bitte, erzählen Sie, Frau Kornfeld. Die Sache hat j begreiflicher Weise großes Interesse für mich. Ich . habe gemeint, das Fräulein von Wolkenberg stehe als Gesellschafterin bei der Baronin von Lebkowitz? in Diensten."" . j - „So war es auch bis vor kurzer Zeit. Sie begleitete ihre Herrschaft nach Ostende, wo sich auch ihr Bruder, ein abgedankter Ossicier, der als armseliger Literat sein Leben fristete, einfaud. Nun fügte es sich, daß ein jüdischer Banquier aus D., ein Baron von Löwenheim, nach Ostende kam, das Fräulein dort kennen lernte m d sich bis über die Ohren in sie verliebte. Löwenheim war Wittwer; er bat bereits eine erwachsene Tochter. Es entspann sich ein förmlicher Roman. Unser Nachbar, Gerichtsrath Walter, der kürzlich von Ostende zurückgekehrt ist, hat uns die Einzelheiten erzählt. Das stolze Fräulein von Wolkenberg weigerte sich ebensosehr den altern Mann wie dem Manne vom jungen Adel, die Hand zu reichen. Trotzdem der Baron sich erbot, zum Ehristcnthnm überzutreten, wollte das arme Fräulein sich nicht entschließen, eine vielfache Millionärin zu werden. Baron von Löwenheim fühlte sich schrecklich unglücklich und bot Alles aus, um die Hand der jungen Dame zu erringen. Er machte sich hinter den Bruder und versprach ihm ein Geschenk von 100,000 Thalern, wenn er ihm die Hand der Schwester verschaffe. Denken Sie sich, gnädiges Fräulein, welch ein Lockmittel diese ungeheure Summe solch einem armen Ritter sein mußte! Löwenheim hat denn auch mit großem Erfolge operirt, und Fräulein von Wolkenberg heißt heute Baronin von Löwenheim. Der Baron und mein Mann waren Jugendfreunde und stehen jetzt in lebhafter Geschäftsverbindung miteinander. So kam es denn, daß meinem Manne die 100,000 Thaler. zur Auszahlung überwiesen worden. Auch die Wolkenbcrg'schen Stammesgüter sind durch Kornfeld» Vermittelung zurückgekauft worden. — Aber Sie essen und trinken ja gar nicht, gnädiges Fräulein! Sophie, schenke doch ein!" „„Ich danke Ihnen, Frau Kornfeld,'" sagte Fräulein von Minkowitz, sich erhebend, „„ich muß jetzt gehen; ich werde zu Hause erwartet. Empfangen Sie meinen herzlichsten Dank für Ihre liebenswürdige Gastfreundschaft. Sie müssen mich einmal auf meinem Gute besuche» und mir Gelegenheit geben. Sie dort zu bewirthen. Aber erst nächsten Sommer. Einige Wochen werde ich noch hier bleiben. Den Winter7denke ichin D. bei meiner Jugendfreundin, der Oberstallmeisteriu von Dithmar, znzubringen. Leben Sie wohl, .meine Damen!"" Als Fräulein von Minkowitz das Haus verlassen hatte, kehrte sie wieder um und trat in das Comptoir des Banquiers. „Herr Kornfeld," sagte sie, „ich bedauere. Ihnen vorhin Unrecht gethan zu haben. Sie haben wie ein Ehrenmann gehandelt: ich werde die Geschäftsverbindungen mit Ihnen nicht abbrechen und ersuche Sie, mir für 5000 Thaler Staatspapiere nach Ihrem Ermessen zu besorgen. Verzeihen Sie mir, wenn ich vorhin die Gesetze der Höflichkeit verletzt habe." „„Mein gnädiges Fräulein,"" sagte der Banquier, „„es freut mich unendlich, daß Sie jetzt meine Handlungsweise richtig beurtheilen."" Der gute Mann war stolz auf seine Consequenz und hatte keine Ahnung davon, daß das schlaue, alte Fräulein ihn überlistet hatte. (Fortsetzung folgt.) Silben-Räthsel. Geschenkt von Gottes güt'ger Hand Sind meine ersten Zwei; Wer Dieses voll und wahr erkannt, . Hat süßen Lohn dabei. Mein Drittes, auch der Herr fand's schön. Da er gebot: es sei; Wer stets zu ihm emporgestrebt. Er ist in Fefleln frei. Und wenn mein Ganzes nkederschaut. Da schwindet banges Weh; Ein Lob ist jeder Augenblick Für ihn, der in der Höh'! Rosa M. Maier. Auflösung erfolgt in Nr. 19. Tie Namen der richtig Losenden werden, wenn uns solche bis längstens Mittwoch Bormittag! den 5. März zugegangen, in gleicher Nummer veröffentlicht. I Auflösung des Räthfels in Nr. 13: „Jerusalem" (a-Var.-ra 'n mm r«ncr p«n> ’-) Nichtige Lösungen sandten ein: . Ricka u. Helene Nanmbnrger in Fürth. Sophie Wäldker : in Schonlanke. I. Abraham in Windesheim. Julius Kann in Waldlaubersheim (9 Jahre). Gustav Rosenbaum, Talmudjünger in St. Georgen bei Preßburg. Tie Sveißnachtabendfpielgesellschait in Hamburg. Backfischchen in Frankfurt a. M. David Leb Magdeburger s Nachfolger (47 Jahre alt) in H.... Geschwister Nanmbnrger in Fürth. Salomon Kallsmann in Köln. Henriette Bär in Ahrweiler. Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem { Leben eines orthodoxen Rabbiners" erschemt in der nächsten Nummer. Hierzu' zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" gr. Bleiche 45. I. Gonslrben's Buchdruckern (MainzrrAnzrigrr).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.