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Der Israelit · 1884-02-28 · Heft 17 (28.2.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 17 (28.2.1884)
Date
1884-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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285 Korrespondenten, Namens Bernhard Majel. als Christgeschenk mitgebracht worden. Ob er dieses seltsame Christgeschenk von einer Umhülle befreit und ans den Tisch gestellt habe, daran könne er sich heute nicht mehr erinnern; es sei jedoch nicht ausgeschlosten, das; er dies gethan. Das Ende der in der Ansbacher Bierhalle stattgehabten Sccnen sei eine solenne Prügelei gewesen, wobei seine — Dr. Pattai's — Gesellschaft von Anhängern des Angeklagten und vom Wirthe hinausgeworfen wurde. Tie Verhandlung, welcher ein zahlreiches aus Antisemiten bestehendes Auditorium beigewohnt hatte, endete mit der Verurthcilung des Angeklagten zu einer Geldstrafe vvn 100 fl. Der Richter nahm nämlich als erwiesen an, daß die in der Anklage incrimiuirten Aenßerungen von dem Angeklagten in der Ansbacher Bierhalle gebraucht worden seien, und das; durch diese Aeußerungen der Privatkläger in seiner Ehre als Advocat geschädigt worden sei. Fe 11 il le 1 o u. . Flur standhast! XXXI. Groß war die Freude der Frau Kornfeld und ihrer Töchter, als Fräulein von Minkowitz zu ihnen ins Zimmer trat. Sie begrüßten sie auf das Herzlichste „Ta ich gerade im Hause anwesend war," sagte das alte Fräulein, „ich hatte nämlich einige Aufträge für Herrn Kornfeld, so wollte ich mir das Vergnügen nicht versagen, ein Stündchen bei Ihnen zu verp'audcrn. Wie geht cs Ihnen, meine liebe Frau Kornfeld? Sie haben sich in der langen Zeit, während der ich von Breslau abwesend war, gar nicht verändert. Nock immer die schöne Frau wie vor 20 Jahren, da Sie als Braut unter den Trauhünmel traten! Die Jahre gingen spurlos an Ihnen vorüber. Auch in den zwei Jahren, daß ich Sie nicht gesehen, haben Sie sich vortrefflich conservirt. Und wie schon und groß die lieben Fräulein Töchter geworden sind!" '„„Sie sind sehr gnädig, Fräulein von Minkowitz/'" sagte Frau Kornfeld. „ „Auch Sie sehen vortrefflich aus! Dürste ich mir die Gnade erbitten, daß Sie den Kaffee bei uns nehmen?"" , Ich nehme Ihre Einladung gern an." Loiort wurde der Kaffeetisch gedeckt, und das feine Porzellan und das prachtvolle Silberservice zeugten von der Wohlhabenheit der Familie Kornfeld. Die vier Damen nahmen am Kaffeetisch Platz, und Fräulein von Minkowitz ließ sich den vortrefflichen Mocka und den ganz gusgezeichnetcn Kuchen wohlschmecken. „Sie muffen sich doch, gnädiges Fräulein," sagte Klothilde, „über Ihre Fräulein Nichten, die Fräulein von Ballenheim, sehr gefreut haben. Die ganze Stadt bewundert sie." „„Ja, es sind recht liebe Mädchen."" „Ist es wahr, daß Fräulein Anna mit dem Hauptmann von Limpburg versprochen ist?" „„So sagt man. Die Sache ist? aber noch nicht ganz fest, da der Hauptmann von Limpburg seinen geizigen Vater nicht dazu bewegen kann, die uöihige Caution zu stellen. Ich werde mich wohl ins Mittel legen müssen."" „Das gnädige Fräulein können es ja," sagte Frau Kornfeld. ' „„Ich darf aber nicht Alles für Anna aufwenden. Elise hat auch Ansprüche auf meine Fürsorge. Mein Schwager kann beiden Mädchen nichts geben, er muß froh sein, wenn cs ihm gelingt, nicht, mehr auszngeben, als er einznnehmen hat. Und heutzutage finden Mädchen ohne Vermögen nur schwer einen Mann; freilich mit Vermögen auch manchmal nicht, wie mein Beispiel lehrt."" „O, gnädiges Fräulein," sagte Frau Kornfeld, „wenn Sie einen Mann gewollt hätten, es hätten sich Hunderte gefunden, die glücklich gewesen wären, die Hand des schönen, geistvollen Fräulein von Minkowitz zu erringen. Und wenn Sie heute noch . wollten....." „„Ha, ha, ha, ha, das wäre spät! Nein, das wollen wir lieber bleiben laffen."" „Wenn aber." sagte Sophie, „Baron Wolkenberg sich um Fräulein Elise bewirbt — der braucht doch keine Mitgift." „„Haben auch Sie schon davon gehört?"" „Die ganze Stadt spricht davon." „„Ja, der Baron zeichnet meine Nichte Elisa in auffallender Weise ans. Mir wissen jedoch nicht, ob wir diese Bewerbung begünstigen sollen. Das ganze Auftreten des Barons hat etwas Abenteuerliches. Er ist von Hause aus arm. Sein Vater hat sich erschossen, weil er seine Schulden nicht bezahlen konnte. Nun will der Sohn ein großes Vermögen von einer Tante geerbt haben. Ich kenne die ganze Verwandtschaft genau; es war keine solche Tante vorhanden. Daher trauen wir dem Baron nicht recht; wir fürchten, daß der angebliche Neichthum desselben sich eines Tages als Schwindel ausweife." " „Das brauchen Sie nicht zu befürchten," sagte Frau Kornfeld. „Der Neichthum des Barons beruht aus solider Basis, wenn er auch keine alte Tante beerbt hat. Sein generöser Schwager hat ihm 100,000 Thaler zum Geschenk gemacht." „„Sein Schwager?. Ist denn seine Schwester verheirathet?"" ' „Gewiß. Kennen Sie denn diese Geschichte nicht, gnädiges Fräulein?"

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