Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1884)
- Date
- 1884-02-28
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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284 anderweitigen Zusatz von Sprit verbietet, so wird Herr Fromm es auch ermöglichen können, daß der Wein so hergestellt wird, daß er auch für nos wird zu benutzen sein. Beiden Herren, dem Erfinder wie dem rührigen Herrn Fromm, gebührt der beste Dank besonders seitens der Spessart-Bewohner, denen durch die vereinte Thatkraft der Genannten eine bessere Zukunft winkt. Oest.-Ungar. Monarchie. Wien, 21. Februar. (Antisemiten - Scandale). Vor dem Richter des Bezirksgerichtes Alsergrund, Dr. Klaus, fand heute die Verhandlung über die Ehrenbeleidigungs-Klage des Hof-.und Gcrichtsadvokaten Dr. Pattai gegen den Gemeindcrath Baumgartner statt. Wir haben über den Gegenstand der Klage bereits berichtet. Dr. Pattai findet seine. Ehre deßhalb für gekränkt, weil Herr Baumgartner sich am 22. Dccember v.J. in der Ansbacher Bierhalle geäußert hatte: „Kein anständiger Advokat würde die Vertretung dcs Redacteurs der „Bezirksrevue", Schönweiler, itfccraommen haben, und Dr. Patti beute den Antisemitismus aus." Zur Verhandlung erschienen der Kläger und der Geklagte persönlich, der Erstcre überdies mit einem Klage-Anwalt in der Person des Dr. Vinccnz v. Berger, der Letztere mit Dr. Edmund Singer als Vertheidigcr. Nachdem der Richter vergeblich Ausgleichsversuche angebahnt hatte, die an der entschiedenen Weigerung des Dr. Pattai scheiterten, rechtsertigte sich der Angeklagte in folgender Weise: Das Treiben der Antisemiten in der Ansbacher Bicrhalle hat öffentliches Aergerniß h'ervorgcrnfcn. Am 22. Dccember v. I. wurde mir ein von Dr. Pattai verfaßter Protest vorgelegt, in welchem über die Vorgänge bei den Handelskammerwahlen losgezogen wurde. In diesem Proteste wird angeführt, daß sich Schönweiler Stimmenverkauf und unerlaubte Wahlagitationen zu Schulden kommen ließ. Als ich von diesem Treiben Schönweiler's erfuhr, sagte ich zu Schneider: „So einen Menschen wie diesen Schönweiler hat der Dr. Pattai vertreten: kein anständiger Advokat hatte sich bewogen gefühlt, die Vertretung zu übernehmen." Ich wollte mit diesen Worten nur den Führer der Antisemiten, nicht den Advokaten charaktcrisiren. Dr. Pattai, der stets von der „verjudeten Presse" sprach, ist der Führer der Antisemiten. Die Vorgänge in der Ansbacher Bierhalle am 22. Dccember schildert Baumgartner als für einen Advokaten höchst despectirliche. Dr. Pattai entrollte ein Paket, in welchem sich ein ausgestopfter polnischer Jude befand; diesen stellte er anf den Tisch, und nun wurde mit der Figur der denkbarste Unfug getrieben. Während deö Abend wurden zu wicderholtcnmalen die Rufe: „Hoch Deutschland! Hoch Schönerer'" laut, und als die Gegenrufe ertönten: „Hoch Oesterreich"! da schrien die Antisemiten: „Zudenkncchte hinaus!" Bald darauf trat der Buchhändler Herr Auer (Kohlmarkt Nr. 16) auf mich zu und sagte: Herr Baumgartner, wie kommt es» daß Sie gegen uns Partei ergreifen?" Darauf antwortete ich: „Einen solchen Scaudal, einen ausgestopftcn Juden auf den Tisch zu stellen, das kann man nicht gutheißcn." Darauf erwiederte Herr Auer: „Sie sind ein unabhängiger Mensch, Sie könnten im Gemeinderathe die autisemitische Angelegenheit zur Sprache bringen." Ich verlangte von Herrn Auer zur Oricntirung ein bestimmtes Programm. Dieses Programm hat Herr Auer mir mit folgenden Worten charaktcrisirt: „Alle Juden müssen aus Oesterreich hinaus; die nicht gehen, werden erschlagen." Auf die weiteren Vorgänge des Abends übergehend, erwähnte der Angeklagte, daß die Antisemiten sich geäußert haben, durch solche Scandale muß die Bevölkerung eingeschüchtert werden, andererseits muß man der Regierung zeigen, daß man sich nicht fürchtet. — „Ich gestehe", so schloß der Angeklagte seine Rechtfertigung, d.rß ich gesagt habe, Dr. Pattai benützte die antisemitische Bewegung, wie viele Demokraten die Demokratie, nämlich um in den Reichsrath zu kommen. Uebrigens muß ich bemerken, daß ich dem Dr. Pattai auch gesagt habe: Als Hof-' und Gerichtsadvokat sollen Sie sich schämen, an einer Gesellschaft theilzunchmen, die allabendlich um 30 Krügel Bier weniger angibt." lieber diese Vorwürfe, Herr Richter, hat Dr. Pattai keine Klage geführt, ebensowenig über die Aeußerung „bübisches Benehmen" Der Richter proponirt mm neuerdings einen Ausgleich, welchen Dr, Pattai mit den Worte» abkcbnt: „Nein, ich kann keinen Ausgleich eingehe»: Hat Justitia!" Der Angeklagte suchte für seine Behauptung, Dr. Pattai beute den Antisemitismus so aus, wie gewisse Demokraten die Demokratie, den Wahrheitsbeweis zu liefern, indem er geltend macht, Dr. Pattai habe seine Wahl in das Directorium der „Patria" dem Einflüsse seiner antisemitischen Freunde zu verdanken; allein die über diesen Umstand vernommenen Zeugen vernwchten für diese Behauptung des Angeklagten keinerlei positive Anhaltspunkte anzuführen. Dr. Pattai, als Zeuge vernommen, sagte, er habe zwar zahlreiche politische Gegner, aber noch keiner habe es gewagt, in solcher Weise seinen Charakter anzntasten, wie dies der Angeklagte aethan. Was die Vorfälle in der Ansbacher Bierhülle betrisst, so sei die Darstellung des Angeklagten eine unrichtige. Es seien thatsächlich Rufe erfolgt: Prosit Schönerer!' und „Hoch das unverfälschte Deutschthum!", allein er selbst habe sich zu keinerlei Kundgebung hinreißen lassen. Was den «ausgestopften polnischen Juden" betrifft, so fei diese Puppe durch einen setzt in Berlin bediensteten HandlungD-