Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1884)
- Date
- 1884-02-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Mainz, 27. Febr. Von befreundeter Hand erhalten wir Nr. 44 (vom 22. Febr. d. I.) der zu Crefeld erscheinenden „Niederrheinischen Volkszeitung", in welcher sich ein Artikel unter der Ueberschrift „die Alliance israelite internationale" befindet. Als Grundlage des Artikels dient, ein von der französischen Zeitung „L'Antisemitique" veröffentlichter Aufruf, welchen Cremieux im Namen der Alliance Israelite Universelle erlagen haben soll und der mit den Worten schließt: „Der Tag ist nicht fern, wo die Neichthümer der Erde ausschließlich den Juden gehören werden." Wir haben bereits in Nr. 103 des vorigen Jahrgangs nachgewiesen, daß dieser Aufruf nichts als eine Erfindung der genannten, französischen Zeitung ist. Herr Dr. S. N e u m a n n in Berlin hat eine Brochüre darüber geschrieben unter dem Titel: Die neueste Lüge über die israelitische Alliance, ein Probestück ans der antisemitischen Moral. Und dennoch werden diese abscheulichen Lügen immerwährend aufs Neue aufgctischt! Ja, die „Niederrheinische Volkszeitung" fügt hinzu: „Und es liegt nichts vor, was an der Echtheit dieses Rundschreibens zweifeln ließe; es ist bereits von verschiedenen Blättern veröffentlicht worden, ohne daß Widerspruch dagegen erhoben worden wäre." ' Wir hoffen, daß die genannte Zeitung so ehrlich sein wird wie die Berliner Krenzzeitung und andere Menfeindliche Blätter, welche diese von ihnen veröffentliche antisemitische Lüge schon längst widerrufen haben. Bei dieser Gelegenheit berichtet die Niederrheinische Volkszeitung ein amüsantes Geschichtchen, welches wohl ebenfalls der Wahrheit nicht entsprechen wird. Sie schreibt: Nun hat diese israelitische Alliance am 14. August 1883 und an mehreren folgenden Tagen zu Coblenz im Gasthof zum Niesen, sodann am 31. Oktober 4883 und die folgenden Tage zu Wien in der Wohnung des jüdischen Kohlenkönigs Mter Wilhelm v. Gntmann Versammlungen gehalten, um sich über die geeigneten Maßregeln zur Erreichung ihrer Ziele zu berathcn- In der Versammlung zu Coblenz wurde von dem Profeffor Dr.. Lazarus aus Berlin, sowie von Dr. Dornburg aus London und Grand Nabbin Zadoc Cahn aus Paris zugegeben, daß die jetzt geltende jüdische Moral arg getrübt sei und die vorhandenen ehrwürdigen Schriften aus allen Jahrhunderten Satzungen enthielten, die wohl dem Bildungsstande ihrer, aber nicht auch unserer Zeit entsprechen. Daher wurde beschlossen, ein neues großes grundlegendes Werk über die Ethik (Sittenlehre) des Judenthums zu schaffen, welches geeignet ist, jeden gebildeten Juden mit dem freudigen Stolze zu erfüllen, daß die Sittenlehre, aut welche sein Bekenntniß ihn verpflichtet, schlechterdings ans derjenige Höhe steht, welche irgend ein Volk, irgend eine Rcligioit, eine Literatur erreichen kann. Mit der Abf.ipung dieses Werkes wurde dann der materialistische Professor'Dr. Lazarus aus Wien-) beauftragt gegen ein Honorar von 20,000 M. pro Jahr, sowie für seine Mit- und Hülfsarbeiter zusammen 10,000 M. pro Jahr". Wie wenig Glauben dieses Geschichtchen verdient, geht schon aus dem Umstand: hervor, daß ein in jüdischen Kreisen bekannter Mann Namens „Dr. Dornburg aus London" gar nicht cxistirt. Wir erwarten von den andern hier genannten Männern, daß sie darüber berichten, ob und was an der Sache wahr ist. 8. Frankfurt a M. Seit einer Reihe von Jahren beschäftigt sich Herr Pfarrer Dr.,' Frank in Wiesen mit der Herstellung des Heidclbeerweines, eines ebenso angenehmen wie auch heilsamen Getränkes. Diese Erfindung war sowohl im Interesse der Heilsuchenden als auch in dein der armen Bewohner des Spessart zu begrüßen, denen durch dieselbe ein neuer gewinnbringender Industriezweig sich eröffnete. Doch war bisher der Versandt ein nicht, uennenswerther, es fehlte die rührige Kraft, welche dieser „Perle des Spessart" den Weltmarkt eröffnete und den Umsatz derselben zu einem beträchtlichen steigerte. Diese Kraft hat sich jetzt gefunden: Herr I. Fromm von hier hat von Herrn Dr. Frank, der in edler Uneigcnnützigkcit, in dem Bestreben die Armuth im Spessart zu bekämpfen, der Angelegenheit seine ganze Sorfalt widmet, das Verfahren erworben und in kurzer Zeit dem Erzcugniß des Spessart zu einem . Weltrnhm verholfeu. Der Absatz ist ein sehr bedeutender, und man kennt und spricht jetzt überall von diesem Weine. Alle öffentlichen Blätter beschäftigen sich mit diesem Erzcugniß, das nicht allein von Autoritäten wie den Herren Obermedizinalrath Dr. v. Kerschensteiner, Dr. v. Pettenhofer und Dr. B. Lepfius aufs Wärmste für Erwachsene und Kinder als heilsam zum Gebrauch in gastrischen Erkrankungen und Nnterlcibsaffcctionen empfohlen wird, sondern auch schon Gegenstand der Besprechung und lobender Anerkennung in verschiedenen ärztlichen Vereinen geworden ist. Ganz besonders erfreulich darf es auch für uns sein, die wir bei jedem neuen Genußmittel- Erzeugniß auch die Frage zu prüfen haben, ob keine religiösen Bedenken dem Gebrauche desselben entgegenstehe, daß zur Bereitung keine Ingredienz genommen wird, deren Gennß religionsgesetzlich verboten ist. Da der natürliche Spritgehalt der Heidelbeere jeden * Professor Tr. Lazarus wohnt bekanntlch in Berlin.