Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1884)
- Date
- 1884-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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282 ligion enthält keine derartigen Glaubensartikel. —. Wir haben uns unserer Vergangenheit nicht zu schämen, an der Gegenwart nichts zn verleugnen und für die Zukunft nichts zu fürchten. — Oder sollen wir etwa unsere Satzungen den Anforderungen des Antisemitismus anpassen? Und glauben denn die Unterzeichner des Manifestes, daß eine Publicirung respective Neformirung unserer Satzungen die Antisemiten versöhnen werde?! Uns ist überhaupt nicht darum zu thnn, mit unqualificirbaren Vcrsöhnungsversnchcn zu laboriren. Wir wollen Gerechtigkeit, wir wollen Wahrheit. Wir erfüllen ohne jeden Vorbehalt all' unsere Pflichten, und selbst unsere Feinde werden unser Pflichtbewußtsein zu verringern nicht vermögen. Jene unsere Gegner, welche unser Gedeihen so scheel ansehen, mögen cs wissen, was die Juden erhält: Es ist der Sieg über sich selbst, der Triumph der Liebe über den Haß und die höchste Wahrhaftigkeit gegen jedes Volk. Jeder Druck von Außen bewirkt ein um so innigeres Zusammenhalten im Innern. In einem Athem wird von den Juden behauptet, daß sie überhaupt mächtig seien und daß sie den Anforderungen der Jetztzeit, nicht entsprächen; die eine Behauptung dementirt die andere, kenn im Kampfe ums Dasein, kann eben nur jener triumphiren, der die charakteristischen Merkmale seiner Zeit beachtet. Man weist auf einige Comitate hin, wo die Juden angeblich überaus primitiv sind. Die reiche Phantasie eines genialen Dichters, hat Contoureu zu einem Bilde zusammengetragen, das, wenn es auch naturgetreu ist, nur wohl Ausschreitungen gegen die Aesthetik, nicht aber gegen die Ethik vor Augen führt. Uebrigens finden wir hiefür die beste Antwort in einem Werke des nichtjüdischen gelehrten Schlei- . den, der sich folgendermaßen äußert: „Wenn ein Theil der Juden von Manchem von uns, ihrer freilich nur theilweise unangenehme äußere Erscheinung wegen, doch nur mit scheinbarem lltecht mit Widerwillen angesehen werden, so müssen wir nicht vergessen, wer an diesem Zustande der Betreffenden die Schuld trägt; wir stehen dem Judenthume gegenüber wie ein Mann der Asche und der Trümmer eines herrlichen Tempels, den er selbst in Brand gelegt. Wenn noch ein Funke sittlichen Gefühles in ihm ist, so muß ihn tiefe Scham und Reue erfüllen, und er muß alle Mittel ergreifen, um frühere Schandthaten zu sühnen." An die Unabhängigkeitspartei richten wir zum Schluß noch die Bitte, sie möge es verhindern, daß bei jeder möglichen und unmöglichen Gelegenheit eine Judenfrage aufs Tapet gebracht werde und es wird dann gewiß keine Judenfrage geben. Budapest, 18. Febmar 1884. Im Namen der Versammlung orthodoxer Rabbiner: Leopold Lrpschitz, Oberrabbiner zu Abauj-Szüntü. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 24. Febr. In Berlin hat sich unter dem Namen „Jüdisch-Literarische Gesellschaft" ein Verein gebildet, welcher alle religiösen Richtungen zu dem Zwecke vereinigen will, das Jnterefje fiir bic jüdische Geschichte und Literatur zu wecken und zu pflegen; alle religiöse Parteiteudenzen sollen ausgeschlosten sein. — Wie das Letztere bei jüdischer Geschichte und Literatur durchführbar sein wird, ist uns nicht einleuchtend. Die jüdische Literatur sowohl wie die jüdische Geschichte sind mit der Religion Israels so eng verknüpft, daß sie nicht von einander gehalten werden können. Ueberhanvt scheint es uns nicht angemesien, daß sich Vertreter der jüdischen Orthodoxie mit Atheisten und Neologcu par excellenee zu einer derartigen Vereinigung, zusammenfinden, die vorzugsweise einen geselligen Charakter haben soll. Der einzige gemeinsame Boden, den wir mit solchen Stammesgenoffen noch haben, ist das Gebiet der Wohlthätigkeit. Jede andere srenndlichwohlwollende Gemeinsamkeit kann nur dahin führen, die SZleichgiltigkeit gegen unsere Religion, ihre erhabenen Wahrheiten und ihre für ewig bindenden Gesetze großzuziehen. Welches Beispiel soll sich die Jugend daran nehmen, wenn die Meisten ihrer Lehrer und Führer die Freundschaft mit Gottesleugnern hegen und pflegen und diesen zu Liebe von einem Vereine für Pflege der jüdischen Geschichte und Literatur jede religiöse Parteitendenz fernhalten wollen? König David war wohl von andern Grundsätzen beseelt, da er sprach: *6 Q'p'isn Viu by j>m nu» rr> o cnn* nröija D'pnsn inte* „Es soll nicht ruhen das Scepter des Frevels auf dem Loose der Frommen, damit nicht ausstrecken die Frommen nach Unrecht ihre Hände", und auch die Weisen des Talmuds^ die da lehren: nb'.y Mpn tei D'jnoa nrn1? D’jnos-innr*te rftiy wjd ror6 wären schwerlich Mitglieder der Berliner „Jüdisch- Literarischen Gesellschaft" geworden.