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Der Israelit · 1884-02-28 · Heft 17 (28.2.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 17 (28.2.1884)
Date
1884-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Bevor wir jedoch dieses Arkanum der Unab- ] hangigkeitspartci gehörig beleuchten, möchten wir aus den Antisemitismus quand meine rcflektiren. Tie Indensrage sollte eigentlich für Männer mir sittlichem j Ernste keine mehr zein, sic ist im Schmelztiegel der ' historischen Entwicklung siebensach geprüft und durch! Männer, die an den Pnlsschlägen dieser geschichtlichen? Entwicklung mit horchendem Ohre gelauscht, in entsprechender Weise beantwortet worden, diese Antlvort haben die großen Kulturstaaten genehmigend zur' Kenntnis; genommen. Und gerade im liberalen Ungarn plant man crnftlicf). jenen Bürgern des Vaterlandes gesellschaftliche und rcligöse Fesseln anznlegcn, die tanrn ausgenommen in den Verband der großen Bölkcrfamilie, ihre Dienste in heißer Liebe und wahrer Begeisterung anbieien und allenthalben crffillen. Und statt die mit.Hintansetzung der wahren Menschenliebe begangenen Unterlassungen . früherer Feiten.gut zu machen, statt das warnende „Memento" der Geschichte zu berücksichtigen, statt ans das Wort der Wahrheit zu hören, welches Angesichts der tausendjährigen Jrrthümer eine Sühne fordern wurde, will man die Provocation in Permanenz und den moralischen Kriegszustand in Permanenz. Doch wozu den Schleier der Vergangenheit lüsten:' Denn nicht wollen wir als einen Stachel im Herzen, die Erinnerung erlittener Kränkungen und erfahrenen Unrechtes znrücklassen. Tie Antisemiten mögen die (beschichte stndiren und - sie werden erfahren, wie man den Inden alle Wege , der (Gesellschaftverlegt und versagt und sie, die man gewaltsam ausgestoßen, wurden sodann als exclusiv verschrieen — sic mögen in der Geschichte blättern und werden finden, daß den Inden alles entzogen wurde, was 311111 frohen Genüsse ihres Ta- '-eins, zur friedlichen freien Entfaltung ihrer Kräfte dienen könnte. Doch verzichten unsere Gegner auf den llntcrricht der Geschichte, sic sind vom Geiste der Gegenwart, dem Antisemitismus, durchdrungen und dies ist kein Geist der Liebe, der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Die Unabhängigkeitspartci pcrhorrcscirt zwar diesen Geist, will uns jedoch unseren leiblichen Schuß nur dann gcivährleisten, und gibt nur dann die Möglichkeit zu, die bürgerliche Freiheit der Juden . zu schützen, wenn dies ans Kosten der Religionsfreiheit geschähe. Wir sollen unsere Glaubensartikel publiciren! Wahrlich, deren Veröffentlichung erfolgte vor vielen tausend Jahren und zwar im Buche der Bücher, in der Bibel. Ans dieser unversiegbaren Quelle, aus dem Born unserer Religion, haben alle Nationen die lautersten Wahrheiten geschöpft. Wo exiftirt eine Gesetzgebung, die nicht aus den zehn Geboten basirte, wo eine Verfassung, die nicht vom mosaischen Grundsatz: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" getragen sein sollte; wo endlich eine Staatsordnung, die mcht von der sittlichen Idee, dem Geiste des Talmuds entsprossen, durchdrungen wäre: „Was du nicht tvillst das man dir thne, thne auch keinem Andern"? Wer kennt nicht jenen Grundsatz des Talmuds: Jeder Richtjnde, welcher die Gesetze der Humanität cnltivirt, ist ein Hohepriester im Tempel der Menschheit? Wahrlich unsere Bibel, unsere Propheten und Sittenlehrer haben stichhaltiger zur Geltendmachung der Freiheit und. Rechtsgleichheit gewirkt als. die elastischen Völker des Älterthnms; diese haben Acstethik gelehrt, jene Ethik. Sittlichkeit tradirt. . Die wohlthätige Entwickelung der jüdischen Religion auf den Geist und die Gestaltung der Völker wurde zu allen Zeiten von den nichtjüdischen Heroen der Wissenschaft bestens anerkannt, es ist überflüssig . Namen vergangener Zeiten zu citiren. da es zu weit führen würde, cs genügt uns ans der Reihe der Lebenden, ans Victor Hugo, Renan und mehrere katholische und anglikanische Bischöfe Englands'hinzuweisen, welche anläßlich der Judenverfolgungen in Rußland, alle daraus hinwiesen, was die Menschheit dem Indenthnme verdankt und wie ihnen gedankt wird, es genügt ans den großen Sohn unseres Vaterlandes Franz Teak hinznweisen und alle jene Kämpen für wahre Freiheit. Wir sollen unsere Glaubensartikel veröffentlichen; seit Jahrhunderten haben wir dieselben mit dem Griffel, getaucht in unser Herzblut, in das Buch der Geschichte geschrieben Unsere Literatur liegt seitundenklichen Zeiten vor dem forschenden Augen der Gelchrtcmvelt anfgcroltt.' In einer großen Anzahl nichtjüdischen. theologischen Fakultäten wird es continnirlich docirt und wahrlich in Oxford, Eambridgc, Paris. Leipzig, Berlin, Bonn, Florenz. Padua. Lenden. Amsterdam, Kopenhagen, Utrecht. Upsala, Ehristiania n. s. w. wird man es als überflüssig erachten, daß die Juden von neuem ihre Glaubensartikel publiciren sollen. Wir stehen ans mehrtansendjährigem historischen Boden, wir proklamiren keine neue Lehre, daß wir sie erst zur Eodisicirnng etwelchem Forum vorlegen sollten. Wir sollen sänimtliche nngarläudische Rabbiner zu einer Synode einbernfen und unsere Glaubenssätze regeln. Die jüdische Religion ist universell. Wie cs auch ungarische Katholiken, ungarische Protestanten, aber keinen ungarischen Katholicismns, ungarischen Protestantismns gibt, kennen wir auch! keinen ungarischen Judaismus. TieReligion kennt '! keine geographischen Begriffe, der Glaube an Gott j keine g-.ograpbischtn Grenzen. Wir kennen einen nn-! garischen Patriotismus, einen ungarischen Jndais-? mus haben wir nicht.! Wir sollen unsere mit dem Zeitalter nicht zu! vereinbarenden Satzungen streichen; die jüdische Re-

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