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Der Israelit · 1884-02-28 · Heft 17 (28.2.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 17 (28.2.1884)
Date
1884-02-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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280 ab, und sofort kömmt Amalek, um gegen sie zu kärnpfen. "DieserVorgang wiederholt sich stets und immer in der Geschichte Israels.. So lange Israel seinem Gölte dient und Ihm die Treue bewahrt, vermag Niemand gegen es zu kämpfen. Sobald aber Israel an der Gegenwart und Fürsorge Gottes zweifelt, dann erheben sich die Amalekssöhne und Enkel, um Israel wehe zu thun und cs in Noth und Glend zu bringen. Als Israel an den Ufern des Euphrat sich vor dem von Ncbnkadnezar ausgestellten Götzenbilde verneigt hatte, als die zu Susan wohnenden Juden der Einladung des Königs Abaswer . gefolgt waren und an dessen Tafel gespeist hatten, da-kam der Mordanschlag des Amalekiters, der unsägliches Leid und Glend bringen rollte, da gelang cs Haman, einen Mordbcschl gegen das ganze israelitische Volk zu erwirken. — In keinem Lande der Welt hatten während der langen Verbannnngszeit die Israeliten eine so groste und bedeutende Stellung eingenommen wie ans der phrenäischen Halbinsel.' In Spanien un) Portugal gehörten die Israeliten zn den vor-I nehmstcn und wohlhabendsten Bewohnern beider Länder; i sie zeichneten sich ans durch Kunst und Wissenschaft, durch Macht und Michlhum. Juden sahen im Nathe ' der'Könige und gehörten zum Adel des Landes. Da! gab es Viele, wie uns die Schriftsteller der damaligen Zeit erzählen, deren Herzen übermnthig wurden, die Gott vergasten und Seine heiligen Gebote nicht mehr beobachteten. Und die Nachkommen Amaleks traten gegen sie aus, und Hundcrttanscnde muhten arm und elend in die Verbannung ziehen. Auch in unserer Zeit erheben die Söhne Amaleks ihr Haupt. Vor hundert Jahren noch schmachteten unsere Väter in der schrecklichsten. Knechtschaft, litten unter den entsetzlichsten Ausnahmsbestimmungcn. Da hat der allgütige Gott in Seiner Gnade die Fesseln.gebrochen und die Sonne der Freiheit anfgehcn lassen. Von Jahr zu Jahr schwanden die Ausnahmebestimmungen in den civilisirten Ländern Europas. Die Gmancipation war eine vollendete Thatsache geworden. In bürgerlicher wie in politischer Beziehung wurden wir unfern Mitbürgern gleichgestellt; der Staat hatte nicht mehr nur Pflichten für uns, er gewährte uns auch Rechte. Frei und ungehindert Härten wir unserem Gotte dienen und die grosten Schätze unserer heiligen Religion pflegen können. Aber die Freiheit hat nicht diesen Erfolg gehabt. Viele der Söhne und Töchter unseres Volkes sind untren geworden den Vorschriften unserer heiligen Religion. Sie meinten, für die Emanzipation die Religion unserer Väter hingcbcn zu müssen. Die politische und bürgerliche Emanzipation genügte ihnen nicht; sie wollten auch in allen andern Dingen den Nichtjudcn gleichen. Sie begannen damit, die 233 »23» ir.’S Spitze des Hügils, Synagogen den nichtjüdischen Gotteshäusern ähnlich zu gestalten. Orgel und gemischten Gesang einzuttlhren, die Gebete umzumodeln und die hebräische Sprache theilweise durch die Landessprache zu ersetzen. Die Sabbate und Feiertage wurden vergessen und statt derselben die nichtjüdischen Festtage gefeiert. Man wähnre, wenn man mit Nichtjnden zusammen die uns Inden verbotenen Speisen geniesten möchte, io würde öald jeder Unterschied schwinden, und auch die gesellschaftliche Gleichstellung würde nicht lange ans sich warten lassen. — Jahrzclmte sind über diele Bestrebungen dabiugcganaen. Die Sölme und die Enkel jener ersten' „Reformatoren" kenne»! vomIndeutbum kaum den Namen noch, und gerade gegen diese wendet sich am Meisten die Strömung der Zeit, die sich die antisemitische nennt. Wer an der Fürsorge und Gegenwart Gottes zweifelt, ist der Gefahr ansge-! setzt, dast Amalek um verfolge. — Es genügt nicht;! dast wir den Amalekitern zürnen; wir mimen sie i bekämpfen. AnÄ Moschch sorgte für die Bekämpfung! des heranziebenden Feindes. „Und es sprach Moschest zn Iosna: Wähle uns Männer ans und ziehe aus, j zu kämpfen wider Amalek. l >T2 en^sn nee’ r-rri ^Morgen stehe ich auf der ' den Gottesstab in der Hand."! In diesen Worten ist, nach der Lehre der Weisen! im Midrasch, angedeutet, wie der Feind bekämpf ' werden soll. Nicht die Manneskrast, der Kampresl muth, nicht die Waffen und Wurfgefchone sind es,? die den Sieg erringen, sondern die Erhebung zu Gott, j auf dast Seine allmächtige Fürsorge uns wieder zu! Theil werde. Wie das geschehe, das wollen wir ht i Nachfolgendem zu erörtern versuchen. i (Fortsetzung folgt.) Are oriijoboxeu ungarischen KaMnen gegenüber dem Manifeste der Anaößängigkeiksparier. Die Geschichte lehrt, dast die Menschen ans ihr nicht lernen wollen. Eine vollständigere Bekräftigung hat dieser Satz kaum ie erfahren als in dem Manifeste, welches die Unabhängigkeitspartie an das ungarische Volk gerichtet hat. An die in diesem Schriftstück znm Ausdruck gebrachten, politischen, natioualökonomischen oder juridischen Erörterungen, mögen sie Rechts- oder Machtfragen taugiren, fühlen wir uns nicht berufen mit der Sonde der Kritik heranzntreten. Was wir aber nicht ohne Erwiderung lassen können, sind die Präpositionen, welche in diesem Manifeste zur Lösung der sogenannten Judenfrage gemacht wurden. V *

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