Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1884)
- Date
- 1884-02-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449423--19670-2509165- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
270 sprachen, als das; hier noch ein Jrrthum möglich sein sollte, P2 heißt Verwalter, Ordner, auch Zierde, wie auch Priester, vergl. Jes. 16, 10 -ins pa» pna ordnen, znrcchtsetzen —;on, vergl. 2 Sam. 8, 18, Hiob 12, 19. Der Kohn sollte die Zierde, der Schmuck des Lölkes sein und ihm als leuchtendes Vorbild auf allen seinen Lebenspfaden dienen. Durch seine ungehcuchelte Frömmigkeit, durch seine Ueberzeugungstrcue soll er das Volk aneifern, das zu werden, was er schon ist — nämlich ein Priester des Höchsten. Wie dieser Priester der Träger und Vertheidiger der Lehren Gottes sein muh, wenn er die Zierde, der Schmuck des Volkes bleiben soll, so muß auch das Endziel des jüdischen Strebens auf Erden sein, die Lehre, welche es in flammender Schrift am Fuße des dampfenden Sinai's empfangen, mit seinem Gut und Blut zu schützen und alle seine Kräfte auf die Erhaltung der Thora zu concentriren. Eine Familie ans dem Volke -- das Haus Ahron's ward von Gott zu diesen Diensten, zu solchem Vorbild ausersehen. Ihm ward die hohe Ausgabe zu Theil das Volk zu belehren, wie es sein Leben zu regeln und zu ordnen habe, wenn er es mit seinem Berufe ein Diener Gottes zu werden, ernst nimmt. Dritten im Gewühle des Marktes und seiner täglichen Beschäftigung soll ihn sein Vorbild, der \ro,..erinnern, daß auch er seinem Leben die priesterliche Weihe geben muß, wenn er nach dem gemeinsamen Lebenszweck seines Volkes ringen will. Wie aber die gottesdienstlichen Hebungen im Heiligthume nicht bloß im Beten, sondern vorzüglich in Thaienfnlle, nicht in der Theorie, sondern in. der Praxis bestanden; so darf auch unser Gottesdienst in dieser Zeit nicht bloß auf die Synagoge beschränkt bleiben. Unser ganzes Leben muß ein fortdauernder Gottesdienst, eine fortgesetzte Pflichterfüllung sein. Auf dem Altäre unseres priesterlichen Herzens dürfen die ewigen Gottesflammen — die Liebe zu der Thora und für alles Heilige und Erhabene — niemals erlöschen. An den Thüren seines Hauses soll ihn ein Abschnitt aus der Thora bei dem Ein- und Ausgang aus demselben erinnern, daß diese Stätte Gott geweiht sei. Auf dem großen Lebensmarkte sollen ihn die rrsps und die von jeder unedlen, sündhaften Regung fern halten. In Freud' und Leid, im Glücke, wie im Unglücke soll sich sein Auge vertrauensvoll zum Vater droben erheben und ein Segen sprechen. — Das ist der Beruf des jüdischen Volkes und Beruf seiner Priester, welche ihn daran erinnern sollen. Der Rabbiner hat aber keine andern Pflichten als Sie selbst, Herr Löwenstein, d. h. die Pflichten eines jeden Israeliten. — Er ist sogar mitunter noch weniger als der einfachste Israelit, wenn fein Leben nicht im Einklänge mit der Thora steht, weil er das volle Bewußtsein seiner Schuld hat!" „Aber" — sagte Löwenstein zögernd — „dann wäre ja jeder Rabbiner überflüssig, wenn ihm dieselben Pflichten wie jedem andern Israeliten obliegen!" „Rein, lieber Herr Löwenstein!" erwiderte ich lächelnd, — „so überflüssig ist der Rabbiner dennoch nicht! — Raw heißt nämlich Lehrer, auch Meister. Wie nun die Aufgabe des Lehrers doch hauptsächlich in der Erziehung und Heranbildung der Jugend besteht, so soll sich auch der Rabbiner bestreben, die Herzen seiner Gemeinde zu erziehen durch das Gotteswort und sie zu belehren, welche die wahren Bahnen des Lebens sind, die den Menschen zu dem höchsten Gipfel des Glückes führen. Jung und. Alt soll er die Aussprüche der Thora zu Gemüthe führen und dadurch die Liebe zu dem Studium der Thora erwecken, damit sich alle Glieder der Gemeinde zu edlen sittsamen und pflichttreuen Israeliten heranbilden. Der Rabbiner wird auch Meister genannt, weil er meisterhaft in das Wissen der heiligen Thora eingedrungen. sein muß, um in zweifelhaft religiösen Fällen zu entscheiden und nicht das Erlaubte für unerlaubt, das Unerlaubte für erlaubt zn erklären!" „Aber," — mengte sich Dr. Priester in's Gespräch, welcher ebenfalls zu meinen Besuchern zählte und sich bisher schweigend verhielt. — „Was nennen Sie denn überhaupt unerlaubt?" „Alles was ein Verbrechen ist! — Gleichviel ob es gegen Gott und die Satzungen der Thora oder gegen unsere Nebenmenschen und die bestehenden Gesetze des Staates geschieht." — „Ah Thorheit, Herr Doctor!" — fuhr Dr. Priester gereizt auf — „Sie werden doch etwa die Verletzung der Speisegesetze kein gemeines Verbrechen nennen?" „Gegen das Wort Gottes? — allerdings!" — gab ich mit Ruhe zurück. (Fortsetzung folgt.) Die Fortsetzung der Erzählung „Nur standhaft" erscheint in der nächsten Nummer. . Hierzu eine Beilage. Verankvortliche Nedaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" gr. Bleiche 4». I. Gottsleben's Buchdruckerei (MainzerAnzeiger).