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Der Israelit · 1884-02-25 · Heft 16 (25.2.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 16 (25.2.1884)
Date
1884-02-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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269 N u ß l a n d. Tnkttß (Kurland). Bei Gelegenheit der Eonscription dahier haben die christlichen Militärpflichtigen dadurch ihre Militärtüchtigkeit gezeigt, daß sie sämmtliche Fenster der Juden und selbst die der Synagoge und des Veth Hamidrasch cinwarsen. Da Niemand dieser Zügellosigkeit ein Ende machte, waren sämmtliche jüdische'Kaufleute gezwungen, ihre Läden zu schließen, um eine Plünderung zu verhüten. A m e r i k a. Herr L. Witkovski wurde zum Mayor der Stadt Starke . (Florida) erwählt. Feuilleto it. Aus dem Leben eines orthodoxen MMners. Skizze von vr. Sta . . . 7, Kapitel. Ein gemüthlichcr Freitagabend. Wir. wuschen unsere Hände, machten Kiddusch und sprachen den Segen über dicBerches und labten uns an den amgetragenen Speisen. Sie hatte recht — die gute Frau Sarah — wir mussten uns mit dem Essen sehr beeilen; denn kaum waren die ersten Gänge der schmackhaften Speisen — die Frau Nathansohn alle Ehre machten — hernmgereicht, als sich das Zimmer schon mit Besuchern zu füllen begann. Ja, selbst Hornstein und Löwenstein verfehlten es nicht, mir ihre Aufwartung zu machen. ..Gut Sabbat, Herr Dr. Priester!". — sagte Löwenstein, indem er ineine Hand herzlich schüttelte. — „Man dan Sic auch so Hennen? — denn im Grunde sind Lüe ja auch ein Priester!" „Da sind Sie doch im Jrrthnm, Herr Löwenstein!" versetzte ich mit Ernst. — „Ich kann schon deshalb keinen Anspruch auf diese VcnclMnng erheben, weil ich eben kein Kohen bin!" „Aber ein Rabbiner! — und ein Rabbiner wird doch wahrlich auch ein Priester sein oder doch wenigstens dem geistlichen Stande angehören!" „Ich bedauere, Herr Löwenstein, diese meinem Stande zugedachte Ehre mit ebenso vieler Entschiedenheit ablehnen zu müssen, wie ich in Abrede stelle, daß es im Judenlhume jemals eine Geistlichkeit und eine Hierarchie des Priesterthums im Sinne der jetzigen Auffassung gegeben. Und wozu sollte es auch sein? Ist nicht die Aufgabe des Priesters das Gemeingut der ganzen jüdischen Nation geworden? und ist nicht das Ziel seiner kulturhistorischen Bedeutung des priesterlichen Berufes zu warten und zu pflegen? Ja, schon im Frühroth seines Bestehens; schon im Momente seines Werdens, bevor die Pwrtcn seines Kerkers gesprengt, seine Hände von Kcttcnlast befreit waren; bevor es. noch auf dem Schonplätze der Menschheit ausgetreten und rnhmgckrönten Hauptes für seine Wahrheiten als Held focht; bevor cs seine glorreiche Geschichte, begründet; das jüdische Volk ist von seinem Schöpfer zum Priester erkoren worden und als Lohn für die strenge Beobachtung und Befolgung des göttlichen Wortes ward ihm die Verheißung: Und Ihr sollt mir sein ein Reich von Priestern. Aber der Priester-Berus unseres Volkes ist nicht etwa in dem Sinne auszufassen, daß das Volk mit der Befugniß ausgestattet wäre, Jedem, der ihn darum angeht, den Ablaß seiner Sünden zu geben. Nein, wahrlich nicht! Nach dem jüdischen Begriffe liegt solche Machtvollkommenheit nicht in Menschenhand, sondern in der Hand des Höchsten, der die dunkelsten Gedanken des Menschen kennt und nicht von einer Einzelheit ans das Ganze schließt. Aber die priesterliche Aufgabe des Volkes besteht für die Entwicklung und Verwirklichung der Ideen, für welche schon sein Herzblut stromweise geflossen, für die Idee des wahren Gottes mit Einsetzung seiner ganzen Kraft thätig zu sein. Um diese Idee zu dem Gemeingut der ganzen Menschheit zu machen/ hat uns Gott., für alle Zeiten- und Ewigkeiten erwählt und uns auf Adlersschwingen durch tausende Gefahren getragen und geschützt und geführt bis zu dem heutigen Tag. Wenn also das priesterliche Volk kein anderes Ziel für sein Streben kennt, als eben durch seine Thätigkeit ein heiliges Volk zu werden — das d’J.-ü roroo hat zur Folge, daß ihr ein wnp »u werdet — wie sollte sich nun die Aufgabe seiner Priester anders gestalten? — In der That finden wir auch nicht die leiseste Spur in der heiligen Schrift, daß der Priester cs war, welcher dem Reuigen die Sühne.brachte. Nein, seine aufrichtige Reue und offenes ohne Beschönigung und Entschuldigung eiugcstandenes Schuldbekenntnis;, das bei der Darbringung des rxll.i nicht vor dem Priester, sondern vor Gott stattfand, war im Stande ihm die Versöhnung zu gewähren. Mußte ja selbst der hohe Priester am Versöhnungstage, bevor er das Allerheiligste für die Wohlfahrt und das Heil des Volkes betend betrat, zuvörderst seine eigene Versöhnung durch aufrichtige Rückkehr, sorgfältige Reinigung von Schuld erflehen, weil er ebenfalls nur Mensch und von Fehlern und Jrrthnmern nicht frei war. Allein die Bedeutung und mithin auch der Beruf des Prie stcrs ist schon in seiner Benennung genügend ausge

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