Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1884)
- Date
- 1884-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
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269 interessante Mi'tthcilnngen erhalten, welche von der Alontufiore agricultur Aid Society herrühren und welche die bereits vci öffentlichen vervollständigen. Die Kolonie New-Odessa ist im Staate Oregon in der Nähe des stillen Oceans, durch einige energische nnd wohlunterrichtete junge Leute ans Odessa und Umgegend errichtet worden. Die Emigrant aid Society hat ihnen das erforderliche Geld zur Anschaffung eines Landbesitzes. von 760 acres, von Pferden und Werkzeug gegeben. Seit ihrer Gründung hat diese Kolonie keiner Unterstützung bedurft; Tank ihrer Ausdauernden Bemühungen hat sie genügende Mittel zu ihrer Erhaltung beschaffen können. Ans ihren Wäldern zieht sie Brennholz für die .Eisenbahn Oregon-California, die sie durchkreuzt, und wäre sie im Besitze von Dampfsägen, so könnte I sie Schwellen zur Leränglerung dieser Monte liefern. Man weis;, daß sich zur selben Zeit, auf dem fruchtbaren Gebiet von Dakota, in der Nähe von Mitchell, einige russische Flüchtlinge niedergelassen haben. Andere Auswanderer gesellten sich bald zu ihnen, und gründeten gemeinsam mit ihnen zwei neben einander liegende Colonien. Cremieux und Bethlehem Judah.. Mehrere landwirthschaftliche Niederlassungen haben in Arkansas, Virginien und Louisiana stattgesunden. Unter Anderen hat der Board of delegates für dreißig russische Familien- Besitzthum angetanst sowohl in Vineband als später in Estelville. Aber mehrere dieser Colonien waren mit zu großer Eile in's Werk gesetzt worden und versprachen nicht die mindeste' Dauer. Im vorigen Frühjahr war die Cojonie in Louisiana vollständig eingegangen und derjenigen von Cotopaxi in Colorado stand ein ähnliches Schicksal bevor;. Alliance in Vineband und Estelville befanden sich in sck,leckstem Zustande. Nur die Colonien von Oregon und Dakota boten einige Aussichten auf Enalg.^Die Thätigkcit der Colonisten und die Hülst', welche ihre Beschützer ihnen andcihen ließen, haben diese Lage in etwas verändert. Die Colonien von Cotopaxi und Estcville sind aufgegeben worden, New Odessa bedurfte keiner weiteren Unterstützung. Die früheren Mitglieder der Emigrant aicl Society welche sich aufgelöst, haben sich einigen großmüthigen Menschen zugescllt, und haben alle vorhandenen Mittel den Niederlassungen von Dakota, Ncw-Jersey .und Alliance zugewendet. Diese Bemühungen wurden von Erfolg gekrönt. Dem Frühjahr folgte ein schöner Sommer, die Hoffnung kehrte zurück und mit ihr die Energie der Colonistcn. Die vorhandenen Schwierigkeiten sind noch sehr zahlreich, aber die Zukunft der Colonistcn verspricht jetzt sich günstig zu gestalten. (Fez.) Augenblicklich befindet sich die Gemeinde in der furchtbarsten Aufregung. Ans Befehl des Sultans muß sie die Gebeine zahlreicher Generationen von einem Kirchhof auf den anderen verlegen. Die langwierige und schwierige Operation muß vor Ablauf eines Monats beendet sein, dies ist die vom Sultan anberaumte Zeitsrist. Der Kirchhof, aufwclchem die Gemeinde seit 400 Jahren ihre Todten begrabt, j beträgt 300 Meter Länge aus 250 in der Breite. ' Der neue Kirchhof ist eben so groß als der frühere, ‘ aber der Boden ist niedrig gelegen und sumpfig: um einen Todten zu begraben muß man, anstatt zu graben, einen zwei Meter hohen Aufbau errichten. Tausende von Menschen sind bei dieser Ausgrabnngsarbeit beschäftigt; Reiche, Arme, ein Jeder ist dabei betheiligt. An den Tagen, wo man die Ueberreste der Rabbinen überträgt, sind der Mettah und die Läden geschlossen.; die ganze Bevölkerung fastet und trauert. Man hört im ganzen Biertcl nichts als Weinen und Klagen. 'Diese Vorgänge wiederholen sich drei Mal wöchentlich. (Tanger). — DasCentral-Comit« hat über die israelitische Gemeinde von Tanger einige intereffante Notizen erhalten. „Von allen Gemeinden Marocco's ist diejenige von Tauber die bedeutendste, wenn nicht durch die Zahl ihrer Mitglieder, so durch die materielle und moralische Stellung, welche dieselben einnehmen. Man schätzt die jüdische Bevölkerung aus 3000 Seelen» doch beruht diese Ausstellung ans keiner sicheren Basis. Mit Bestimmtheit kann man sagen, daß nur zwei marokkanische Gemeinden, die von Fez und die von Marocco zahlreicher sind. Die Lage der Juden von Tanger ist eine verhältnißmächig gute. Es sind viele unter ihnen, die von Almosen oder einem kleine'.! Handel leben, auch eine Anzahl Arbeiter, welche das Tischler-, Blechschläger-. Schuster-, Schneider-Handwerk rc. ansüben, aber die Gemeinde zählt auch eine große Menge wohlhabender Familien und eine Anzahl derselben sind reich zn nennen. Die geographische Lage von Tanger begünstigt die commcrziellen Transactioncn; Tanger ist der beste Hafen des Reiches, und fast der einzige Lagerplatz des marokkanischen Handels. Dank ihrer Thatkraft ist es den Israeliten gelungen, dem Handel Marokko's mit Frankreich, Spanien nnd England eine große Entwickelung und Bedeutung zu geben. Man kann wohl sagen, daß Marokko ihnen seine Beziehungen zu Europa verdankt; sie sind in diesem Lande die l besten Vermittler der Civilisation und sie sind es, die zum größten Theil die Einfuhrsteuern des Landes bestreiten. Die Säbbatruhe wird in ganz Marokko sorgfältig beobachtet; cs ist ein Tag des allgemeinen Stillstandes, die Zollämter sind geschlossen; die Consnlate haben nichts zu thun.