Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1884)
- Date
- 1884-02-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Woher hat der nun auf eismal das viele Geld?" I D „„Man sagt, er habe eine alte Tante beerbt."" „Man sagt! Sie wissen so gut wie ich, daß das nicht wahr ist, nicht wahr sein kann. Hat er Ihnen das Geld zum Ankäufe der Güter baar übergeben?" , „„Mein gnädiges Fräulein, ich darf Ihnen derartige Fragen nicht beantworten. Ein Banquier ist wie ein Beichtvater, der über die ihm anvertrauten Dinge nicht sprechen darf."" „Ich bin doch eine alte Kundin Ihres Hauses, und da könnten Sie mir den Gefallen schon thun!" ,,„Ei ei, sieh sieh, wie würde es Ihnen gefallen, mein gnädiges Fräulein, wenn ich,. der ich Ihren Vermögensstand so ziemlich zu schätzen weiß, ihn dem Ersten, Vesten verrathen wollte?"" „Dem Ersten, Besten! Das ist nicht schön von Ihnen, Herr Kornfeld, daß Sie mir, einer alten, treuen Kundin die gewünschte Auskunft verweigern! Ich frage nicht aus Neugierde, ich habe meine gewichtigen Gründe." „„Und trotzdem darf ich Ihrem Wunsche nicht willfahren."" ' „Wenn Sie so ungefällig sind, so werde ich meine Papiere bei einem andern Banquier kaufen." „„Es sollte mir unendlich leid sein, Ihre Kundschaft zu verlieren; allein ich kann sie mir nicht auf Kosten eines Vertrauensbruchs erhalten."" „Ich hätte nicht gedacht, daß Sie so eigensinnig sind!" . „„Nennen-Sie doch nicht Eigensinn, was Pflicht und Ehre zu thun erheischen."" „Ich werde ja doch keinen weiteren Gebrauch davon machen! Geben Sie mir nur Auskunft. Was Sie mir sagen, soll kein anderer Mensch von mir erfahren." „ „Ich muß Sie bitten „ mein gnädiges Fräulein, nicht weiter in mich zu dringen. Ick habe Sie stets rechtlich und redlich bedient. Wollen Sie meinem Hause Ihre Kundschaft entziehen, so geschieht das zu Ihrem eigenen Nachtheile."" „Es gibt noch andere Banquiers in der Stadt, die sich eines guten Rufes erfreuen." „ „Gewiß." " „Sie weigern sich also entschieden, mir gefällig zu sein?" „„Nicht doch; nur, was meiner Pflicht und meiner Ehre zuwider ist, dürfen Sie nicht von mir verlangen." " „So mögen Sie auch die Folgen tragen!" Zornig und ohne Gruß verließ das Fräulein das Haus des Banquiers. Auf der Straße blieb sie stehen. „Halt", sagte sie zu sich, „vielleicht wissen Frau und Töchter dieses eigensinnigen Mannes von der Angelegenheit, welche die ganze Stadt seit Wochen beschäftigt. Aus ihnen werde ich schon herausbringen, was ich'zu wissen nöthig habe." Sie kehrte wieder um und begab sich in die Privatwohnung des Banquiers. (Fortsetzung folgt.) Räthsel. Nicht des Wissens Sinn und tiefer Verstand Und nicht was die Helden erstrebe». Nicht Edelgeftein, nicht eiteler Tand, Es rühret nur eines mein Leben. Ein Name nur ist es, den tief ich empfinde. Der Thränen so oft schon entlockte dem Kinde, Zu Hoffnung und Glauben ermuthigt den Mann, In freudige Träume mich wiegen kann. Ern Name, der stets uns. vor Augen gestellt. So oft wir auch beten und singen; Der unsre Vergangenheit in sich enthält. Und was uns die Zukunft wird bringen. Und huldigt der Fremde auch diesem Worte So ward es doch uns nur zum heiligen Horte, Deß Namen uns führte im blutigen Krieg! Das ewig uns leuchtet zum Kampfe, zum Sieg. Unser Stolz war's stets im trüben Exil, Der Feinde Furcht und Entsetzen; Und sind auch jetzt noch der Thoren so viel. Die dienen hellenischen Götzen: - Noch wird den Olymp ein Gewitter erschüttern. Und all feine Götter im Sturme zersplittern. Dann klingt allen Völkern der Name fo hell. Des holdesten Lichtes erstrahlender Quell. Hamburg. A. Kaminka. Auflösung erfolgt in Nr. 17. Die Namen der richtig Losenbeit werden, wenn uns solche bis längstens Mittwoch Bonniltag den 27. Februar zngeaanaen, in gleicher Nummer veröffentlicht. Auflösung des Räthfels in Nr. 13: Die Namen der Einsender richtiger Lösungen siehe zweite Beilage, Seite 260. MJ" Die Fortsetzung der Erzählung „Aus dem Leben eines orthodoxen Rabbiners" erscheint in der nächsten Nummer. Hkerzn zwei Beilagen. Perantwortliche Redaction: I)r. Lehmann in Main;. — Verlag und Expedition des .Israelit* große Bleiche 45. I. GottSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).