Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1884)
- Date
- 1884-02-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Feuilleton. Uur standhaft! xxx. Bruno von Wolkenberg war nach Ostende gereist, um der Hochzeit seiner Schwester beizuwohnen. Sowohl Löwenheim als dessen junge Gattin hatten den Rath des Banquiers Kornfeld gebilligt, und so verzichteten sie auf die Begleitung des jungen Mannes für die italienische Reise. Bruno sollte nach Breslau zurückkehren, um die angetansten Güter in Besitz zu nehmen und den Aufbau des Schlaffes vorzubereiten. „Es ist beffer so," sagte Löwenheim. „Wenn Du in zwei Monaten nach D. kommeil wirst, so kannst Du als wohlbestallter Rittergutsbesitzer auftreten, und es wird Dir dann lim so leichter werden, Bernhardmens Herz und Hand zu gewinnen." So zog denn das junge Ehepaar nach dem Süden, während Bruno sich dem Osten zuwendete. Unter den Familien, welche Bruno in Breslau am Meisten frequentirte, befand sich die des Obersten von Ballenheim; die zwei Töchter desselben waren gleich ausgezeichnet durch Schönheit, Geist und Anmnth. Herr von Willmersdorf hatte seinen Freund dort eingeführt, und dieser versäumte keine Gelegenheit, die es ihm ermöglichte, mit den beiden jungen Damen zusammrnzukommen. Die geschäftige Fama stellte auch bald ein Verlöbniß, der jüngeren Schwester, Elise — die ältere, Anna, war schon halb und halb mit einem Hauptmauu von Limpburg versprochen — mit dem Baron von Wolkenberg in Aussicht. Der Oberst und seine Gemahlin, so wie das Fräulein erwarteten mit Sehnsucht eine Erklärung des jungen Mannes; allein eine Schwester der Frau von Ballenheim, ein Fräulein von Miickowitz, die gerade zum Besuche anwesend war, hatte Bedenken. „Ihr wißt nichts Näheres," sagte sie zu ihren Verwandten, „über die Verhältnisse des jungen Mannes, nichts als vage Gerüchte, die man in Umlauf gesetzt hat. Mit Bestimmtheit wissen wir, das; die Wolkenbergs ein armes, Heruntergekommenes Geschlecht sind. Woher soll auf einmal das große Vermögen kommen? Von einer verstorbenen Erbtante? Man hätte doch von dieser etwas wissen müssen! Wie hat sie geheißen und wo hat sie gewohnt? Ich kenne die Familienverbindungcn der Wolkenbergs nach allen Seiten. Des jungen Mannes Vater, der ein so trauriges Ende genommen, hat einst um meine Hand angehalten. Mein seliger Papa hat sich damals nach allen Verhältnissen genau erkundigt; in der ganzen Verwandtschaft der Wolkenbergs gibt es keine begüterte Familie außer denLebkowitz. Und die Frau von Lebkowitz lebt und hat Kinder. Die hat gewiß ihr Vermögen nicht verschenkt." „„Es ist aler doch eine unleugbare Thatsache,"" sagte Frau von Ballenheim, „„daß er die Wolkenbcrg'schen Güter zurückgckauft hat! „Wer weiß," entgegnete Fräulein von Minkowitz, „was für ein Schwindel dahinter steckt. Doch ich weroc auf den Grund kommen. Der Jude Kornfeld, der für ihn den Kauf besorgt hat, ist auch mein Banguicr; ich werde mich bei ihm erkundigen und werde dann erfahren, woher der junge Mann das viele Geld genommen hat." Während Fräulein von Minkowitz sich zu dem Gange zu dem Banquier rüstete, hatte dieser mit seiner Frau und seinen Töchtern einen heftigen Disput. Die Damen verlangten, daß der Banquier den Löwen des Tages, den Baron Wolkenberg, auch bei ihnen einführe , während Kornfeld sich entschieden weigerte, eine nochmalige Aufforderung an den jungen Mann zu richten ... . „Ich habe itnn angeboten," sagte er, „ihn bei Euch einzuführen; er hat es abgelehnt. Ihn noch einmal einzuladcn, verbietet mir mein kaufmännischer Stolz." . „„Er hat-sich geweigert,"" entgegnete Frau Kornfeld, „,>wcil Du ihn durch Deinen unbegründeten Verdacht gekränkt hattest."" „Das ist längst beigeleg^," sagte Kornfeld. „Wenn er uns jetzt besilchen will, so kann er cs unaufgefordert thuu." „„Das ist wahr,"" bemerkte Fräulein Klothilde. „ „Es ist höchst unartig von dem Baron, der Dir so viel verdankt, daß er uns nicht besucht."" , „Es scheint," stimmte Fräulein Sophie mit ein, „daß er das Geld der Juden mehr liebt, als die Juden." „ „Hört auf, Kinder," " sprach Kornfeld entschieden. „„Ich besorge die Geschäfte des Barons und habe dafür meine Provision. Was geht er mich weiter an?" " Verdrießlich begab sich der Banquier in sein Geschästsbüreau, in welchem alsbald Fräulein von Minkowitz erschien. ~ „Ei ei, sich sieh," begrüßte der Banquier die Dame, „nlein gnädiges Fräulein von Minkowitz! Wie lange habe ich nicht die Ehre Ihres Besuches gehabt!" „Ich war längere Zeit nicht in Breslau," sagte das Fräulein. „Ich habe mir wieder ein Sümmchen, so.etwa 0000 Thalcr, erspart und die möchte ich in guten und sichern Papieren anlegen. Aber ich mochte auch nicht zu wenig Zinsen haben! Sie wissen, Herr Kornfeld, ich spare nicht für mich, sondern für die Töchter meiner Schwester. A propo*,- Sie sind ja auch der Banquier des Barons von Wolkenberg.