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Der Israelit · 1884-02-21 · Heft 15 (21.2.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 15 (21.2.1884)
Date
1884-02-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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248 zuvor aus demselben Kleider, Bargeld und Werthsachcn im Gesammtbetrage von rnchr als hundert Gulden entwendet hatte. Die cingeleitcten Erhebungen ergaben, daß das Jndcnmädchcn im Einvernehmen mit dem aus dem ForsLdicnste entlassenen Maximilian Jaworski gehandelt und in einem Lembergcr Fraucnasyle, wo berüchtigte Eamclien-Damen und andere problematische Francn-Existcnzen einen sittlichen Lanternngsprozcß dnrck.znniacben pflegten, Untcrfunft gesunden hatte. Max Jaworski, der sich als Protektor der fluchtigen Beile geriete, nahm die entwendeten Sachen in Verwahrung und unterließ cs nicht, bei dieser Gelegenheit ein den Kopsschmuck alter Jüdinnen bildendem Perlen-Diadem sich widerrechtlich anzueignen. Gr scheint aber dabei noch immer nicht seine Rechnung gesunden zu haben. Aus der Aussicht, eine ungläubige Seele der ewigen Verdammniß zu entreißen, glaubte er die Berechnung zur Verübung einer minder gottgefälligen That ableitcn zu dürfen. Am 2. September 1863 unternahm er mit einem Tbeile der von Beile Schapira entwendeten Barschaft eine Reise nach Lemberg, angeblich um seiner Schutzbefohlenen die in Verwahrung übernommenen Kleider zu Überbringer!. Er traf zu gleicher Zeit mit dem Fürsten Johann Sapieha, der denselben Zug benützt hatte, im Lcmberger Bahnhofe ein. Das kostbare Reise-Necessaire und den Mantel des Fürsten schaffte ein Gepäckträger in den nächsten Miclhwagen, wobei dem Drotschkenkn'tscher bedeutet wurde, daß er aus dm Paffagier mit dem übrigen Reisegepäck eine Weile zu warten habe Diesen Augenblick benützte nun der hcrantretende Jaworski, um, rasch entschlossen, in die am Ausgange postirte Drotschke zu steigen und sich für den erwarteten Fahrgast auszugeben. Ohne den geringsten j Verdacht zu hegen, führte sodann der Kutscher sämmtj liche Aufträge des Wagen-Insassen aus, so daß dieser? Zeit und Gelegenheit fand, die gestohlenen Sachen zu beseitigen. Der Behörde gelang cs jedoch, die Spur des sauberen Gesellen aufzufinden, und heute I hatte in Folge dessen Jaworski wegen des Verbrechens i des Diebstahls und wegen der Theilnahme an dem ' von Beile Schapira begangenen Diebstahle zu verantworten. Gleichzeitig stand Beile Schapira im Sinne des §. 463 St.-G.-L. unter der Anklage, ihren Eltern, mit denen sie in gemeinschaftlicher Haushaltung lebte, Sachen in einem 25 fl. übersteigenden Werth entwendet zu haben. Trotzdem sämmtliche Zeugen (Gepäckträger, Kutscher und Händler, durchwegs Nichtjuden) mit seltener Uebercinstimmung den Hauptangeklagten, Jaworski des ihm zur Last gelegten Verbrechens überwiesen, stellte dieser keck jede Schuld in Abrede, indem er sich, mit Hinweis auf seine Bekehrungs-Mission, als das Opfer einer jüdischerseits angezetteltz.n Conspiration dezeichnete. Auch der Angabe seiner Mitbeschnldigtcn Beile, daß er aus ihren Händen das Perlen-Diadem ihrer Mutter erhalten, widersprach er, wiewohl er in der Voruntersuchung den Empfang dieses auf hundert Gulden geschätztes Kopfschmuckes ausdrücklich zugestanden hatte. Beim Erscheinen der als Zeugen vorgerufenen Eheleute Schapira spielte sich im Gerichtssaalc eine dramatisch bewegte Scene ab, die lebhaft an den Tisza-Eszlarer Prozeß und an das cynische Auftreten Moritz Sckarf's seinen Angehörigen gegenüber erinnert. Weinend und mit dem Ausdrucke grenzenloser Verzweiflung näherte sich zunächst Herfch Schapira, ein 58jähriger Jude im Kaftan, und mit langen Locken, dem entarteten Kinde, das jedoch mit Hohn und Spott die Ermahnungen des Vaters zurückwies. Einen noch peinlicheren Eindruck machte cs, als Beile Schapira, mit übel angebrachtem Trotze die Erklärung abgab, daß sie fortan von ihrer alten, von Kummer gebeugten Mutter nichts mehr wissen wolle. Um so zuvorkommender benahm sich aber Beile Schapira, deren Taufe demnächst bevorsteht und die gerade so wie Moriz Scharf auf Tritt und Schritt von zahlreichen Sichcrheitsorganen begleitet wird, den anderen Zeugen gegenüber. Zn erwähnen wäre noch, daß bei der heutigen Hauptvcrhandlung, welche Landcsgerichtsrath Holynski mit anerkennenswerthem Tacte leitete, dem „von den Juden verfolgten" Jaworski Dr.Horowitz, ein Israelit als Vertheidiger zur Seite stand, der für die Freisprechung des Angeklagten sehr scharf ins Zeug ging. Als Anwalt der Beile Schapira fungirte Dr. Dobrzanski. Ülad) Durchführung des Bcwclsverfahrcns hat die Jury die Frage hinsichtlich der Schuld des Maximilian Jaworski mit acht gegen vier, die Frage hinsichtlich der Schuld der Beile Schapira mit zehn gegen zwei Stimmen vereint. Auf Grund dieses Verdictes wurde vom Gerichtshöfe ein für beide Angeklagte freisprechcndes Erkenntnis gefällr. Mit Rücksicht auf den Umstand, daß der „unbekannt wo weilende" Fürst Johann Sapieha bei der Hauptverhandlung als Zeuge nicht einvernommcn wurde, meldete der Staatsanwalt die Nichtigkeits-Beschwerde an. 21 fien. Bombay. Auf der hiesigen llnivcrsität wurde; zum erstenmare eine indische Jüdin, Namens Mary! Samuel Perry immatriculirt. Zwei junge Bene- Israels haben den B. A. Grad, weitere zwei Ehren» I preise im Lateinischen und drei im Hebräischen er-! halten. Man war früher der Meinung, daß die Bene-Israel nicht bildungsfähig seien, nunmehr ist das Gegentheil bewiesen.

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