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Der Israelit · 1884-02-21 · Heft 15 (21.2.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 15 (21.2.1884)
Date
1884-02-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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247 uns glücklich Preisen, daß sie nicht blos auf dem Papiere der Landesverfassung geschrieben wurde, wie man es leider von dem uns benachbarten Rumänien hört, wo die absonderlichsten Zustände gerade als Folge des Berliner Vertrages herrschen. So haben wir in Serbien denn auch einen Abgeordneten in der Skuptschina (Kammer), den bekannten und überall angesehenen Herrn Ozorowicz, der als einziger Dcputirter mosaischer Konfession auch für die Wünsche und Beschwerden der israelischen Bevölkerung bei Bedarf eintreten kann. Letztere ist in unserem Ländchcn nicht sehr groß. Wir wollen hoffen, daß wir uns in dem 1878 Gewonnenen mehr und mehr befestigen und auf dieser Grundlage rasche Fortschritte machen werden. Hierzu schreibt man uns noch des Länger» aus Sophia, Bulgarien. Sie werden sich wahrscheinlich noch erinnern, daß im Jahre 1877, als die russischen Truppen bei uns einmarschirten, viel von Gräueln berichtet wurde, welche die Bulgaren an israelitischen Bewohnern verübten. Es war dies just zu der Zeit, als die Stunde der Freiheit für unsere nunmehr selbstständig herrschende bulgarische Nation selbst schlug. Vielleichtwar es das nicht zu bändigende Gefühl der bald zu erlangenden Selbstständigkeit, das sich in der angegebenen Weise bethätigte, d. h. sich Luft machte. Seit dem Berliner Frieden aber hat cs sich in unseren Verhältniffen merklich geändert. Die Tumulte hatten sich bald gelegt und Bulgarien hat den auf die Nichtchristen -bezüglichen Artikel (44) des Berliner Vertrages soweit die allgemeinen, bekanntlich genug verworrenen Landeszustände es zulassen, gewissenhaft in Ausführung gebracht. Ein Beispiel darüber kann ich Ihnen in der That liefern, daß unser hochverehrter Monsignor S. B. Almosnino, Großrabbiner der israelitischen Gemeinden in Bulgarien voriges Jahr zum Mitgliede des Fürstlichen Staatsrathes ernannt wurde. Dieses Amt ist nach dem Fürsten das erste im Lande und war besonders während der Periode der suSpendirten Verfassung von größter Tragweite. Dieser Tage nun ist unserem Herrn Großrabbiner noch eine besondere Auszeichnung zu Theil geworden, indem der Fürst Sr. Hochwürdcn die Medaille „für geleistete D i e n st e" verlieh. Vergangenen .Sonnabend hatte Msgr. Almosnino die Ehre beim Fürsten empfangen zu werden, der das Oberhaupt unserer Cultusgemeinden eigenhändig mit der erwähnten Dccoration schmückte. — Ich setze voraus, daß es Ihnen bekannt ist, daß unsere isr. Bevölkerung in der Hauptsache aus Spaniolen (Portugiesen) besteht und nur wenige „Polnische", wie die Ersteren die Israeliten von Aschkenasischem Ritus nennen, vorhanden sind, wie überall 'in der Türkei. Aus dem obigen Grund erklärt sich auch der Titel Monsignor, denn die Spaniolen haben ihre Sprache und alten Bräuche bewahrt. Da unsere Israeliten in Handel und Industrie sehr rege sind und Bulgarien als jungem Staat dieses zu Nutzen kommt, so steht zu erwarten daß Unsere Verhältnisse sich auch weiter friedlich entwickeln werden, besonders in Anbetracht, daß bei uns die Gleichbercchtigungsklansel schon gleich bei der Errichtung des Staates in unser Grundgesetz geschrieben wurde. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Oestcrr.-Ungar. Monarchie. Lemberg. 12. Febr. Seit einigen Jahren besteht hier ein Eonsortium, das unter der Aegide hochgeborener Damen den Seelcnschacher und die Proselytenmacherei systematisch betreibt. Anfänglich standen die Bekehrungscrfolge freilich in keinem Verhältnisse zu den bedeutenden Auslagen, welche der frommen Gesellschaft durch die Instandsetzung eines ziemlich complicirten Werbe. Apparates verursacht/ wurden; die Geschäfte des Consortiumsscheinen sich indcß in der letzten Zeit einigermaßen gebessert zu haben; denn seit dem Monate Oktober v. I. sind die glaubenseifrigcn Patronessen in der glücklichen Lage, acht neue Acquisitioncn für die katholische Kirche auszuweisen. Die Bekehrten, welche fast durchgehend» der dienenden Elaste angehören, befanden sich erhobencrmaßen vor dem Glaubensübertrittc .in dcp drückendsten Nothlage. Daß die Schützlinge der Bekchrungsgesellschaft sich gerade nicht von den lautersten Motiven bei der Vornahme des Religions- Wechsels leiten lassen, erhellt aus dem nachstehenden Falle, welcher heute vor dem hiesigen Schwurgerichte den Gegenstand der Verhandlung bildete: Beile Schapira, das lüjährige Töchterchen eines strcngbläubigen Israeliten in Hucisko-Oleskie, gericth im verflossenen Jahre in die Gesellschaft eines unternehmungslustigen Dorf-Roubs, der den schönklingenden Dimimltiv-Namen Jozio führt, und eines beschäftigungslosen Forstgehilfcn, Namens Maximilian Jaworski, der sich als einen vorgeschobenen Posten der um das Seelenheil/verwahrloster Dirnen eifrig j besorgten Bckehrungsgcscllschast betrachtete. Das in > den altjüdischeu -Traditionen erzogene stoib erwies sich nach einer längeren vorbereitenden Aktion den Einflüsterungen ihrer Verehrer zngänglich/ und mit Bestürzung gewahrten bald Hersch und Chane Schapira, daß ihre Tochter sich im Kresse ihrer Familie unbebaalich zu fühlen beginne. In der ersten Hälfte des Monats August 1883 entfloh Becke Schapira aus dem elterlichen Hause, nachdem sie

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