Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-02-21 · Heft 15 (21.2.1884) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 15 (21.2.1884)
Date
1884-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449422--19643-2509137
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

244 alles Entgegenstehende übersehende Liebe, nicht der einseitige Standpunkt des strengen und absoluten Rechts, sondern die Vereinigung Beider, nox, Wahrheit, ist das höchste Ziel menschlichen Strebens. Aber die absolute Wahrheit vermag durch menschliches Ringen' nur dann erlangt werden, wenn Gott sie spendet vr.-x3.2v2r'. Unser Vater Jakob hat gerungen und gekämpft, bis Gott ihm die Wahrheit verliehen und ihin den Namen „Israel", Gottesstreiter, gegeben. Diesen drei großen Principien der Erkenntniß entsprechen die Mizwoth, Mischpatim und Ehukim der Gotteslehre. Die Vorschriften derselben, die Mizwoth heißen, können durch den denkenden Verstand 'Ji'jn taw gefunden oder doch leicht begriffen werden. Die Mischpatim, welche die Verhältnisse der Menschen zu einander regeln, sind Objecte des ^22r '»van der praktischen Vernunft. Beiden Verstandesthatigkeiten sind die Ehuckim unzugänglich, nur der ✓swn die von Gott stammende Einsicht, ein höheres, durch Gottes Gnade verliehenes Schauen vermag ihr Wesen und ihre Bedeutung zu erfassen. Dem entsprechend waren auch die drei hervorragenden Eigenschaften unseres großen Lehrers Moscheh. Als Jaschar war er befähiget -hw 21021 ncx die Mizwoth so niederzuschreiben, wie Gott sie ihm gleichsam dictirte. Als Jare 0*220 x-»* o onbxn war er geeignet, die Rechtsgrundsätze und Vorschriften nicht nur als Ergebnisse des menschlichen Denkens und des gesellschaftlichen Uebereinkommens aufzufaffen, sondern als durch Gott gegebene Verordnungen x;n onTKy Dstpon; als Nabi von Gott erkorener und gesandter Prophet ri-rro xVi nxioi waren ihm auch die Näthsel der Ehuckim offenbar. Wir könnten hier unsere Abhandlung schließen; wollen jedoch, um nach keiner Seite hin mißverstanden rn werden, noch Einiges erörtern. Wir haben im Verlauf unserer Darlegungen auf die großen Vorzüge des israelitischen Volkes wiederholt hingewiesen. Ja, wir sind das von Gott erwählte Volk, zu dieser Erwählung geeignet und vorbereitet durch die hohen, die Grundlagen der menschlichen Gesellschaft bedingenden Eigenschaften unserer Väter Abraham, Jizchak und Jakob. Wir sind das Werkzeug in der Hand unseres Gottes zur Erziehung und Beglückung der gesammten Menschheit. Das. hat schon der heilige Sänger im 117. Psalm ausgesprochen: ", •r:j7 223 *d o'oxn wmr 0"3 Tu nx obn h ncxi non ..Lobet den Ewigen, alle Volker, preiset Ihn alle Nationen; denn dadurch, daß über uns seine Liebe mächtig waltet, wird einst die ganze Menschheit zur Erkenntniß der Wahrheit gelangen, für die Ewigkeit, lobet Gott!" Diese hohe Aufgabe, die unZ geworden, macht es nothwendig, daß sich das israelitische Volk re!» und unvermischt erhalte. Daher haben unsere Wersen mancherlei Einrichtungen getroffen, damit wir uns nicht vermengen mit den Nationen, damit wir uns nicht unter ihnen verlieren. Hierzu gehört auch das Verbot des a--»2j m" opd, das Verbot, Wein der Nichtjuden zu trinken, oder auch solchen Wein, der zwar rituell bereitet wurde, aber durch die Berührung von Nicbtjüden '->23 y3o für uns zum Genüsse untauglich geworden. Es liegt in diesem Verbote nichts, was irgendwie kür unsere nichtjüdischen Mitbürger verletzend sein könnte Einst hatte ein König, so wird in dem Buche Schebet Jehuda erzählt, einen jüdischen Leibarzt, dem er sein ganzes Vertrauen schenkte. Die Neider des Mannes versäumten nicht, ihn beim Könige zu verläumden. Als der König sich einmal unwohl fühlte und seinen jüdischen Leibarzt rufen ließ, sprachen sie: Wie kannst Du, o König, diesem Juden Deine Gesundheit und Dein Leben anvertrauen? Erhält Dich und alle Nichtjuden für unrein, da er den Wein nicht trinkt, den ein Nicht-, jnde, selbst wenn es der König wäre, berührt hat. — Als das der König vernahm, entbrannte sein Zorn und er beschloß, den Arzt darüber zur Rechenschaft zu ziehen. Er ließ Wein aus dem Haufe des Arztes holen, und als der Jude kam, herrschte er ihn an und sprach: Nicht eher werde ich Dir wieder Vertrauen schenken, bis Dn diesen Becher Wein getrunken, den ich selbst Dir eingeschenkt habe. Siehe, es ist von Deinem eigenen Weine, und man hat mir gesägt. Du würdest ihn nicht trinken, weil er durch meine Berührung unrein geworden. — Majestät, entgegnete der Arzt, gestatten Sie mir zunächst, für Ihre kostbare Gesundheit zu sorgen. Eure Majestät müssen ein Fußbad nehmen, und ich selbst werde Eurer Majestät die Füße waschen, damit es so geschehe, wie es nach den Regeln meiner Kunst nothwendig ist. — Uud er that also; und nachdem er dem König die Füße gewaschen, ergriff er einen Becher, füllte ihn mit dem Wasser des Fußbades uuü trank den Inhalt bis ans die Neige. — Maiestät, sagte er dann, so wenig halte ich Eure Majestät für unrein, daß ich das Wasser trinke, mit dem Eurer Majestät Füße sind gewaschen worden. Aber den Wein zu trinken, den Eure Majestät mir eiuzuschenken die Gnade hatten , verbietet mir unsere heilige Religion. — Ich wußte es, sagte der König, Du bist ein treuer Mann. — Und ec blieb ihm in Genaden gewogen bis ans Ende seines Lebens. e

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.