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Der Israelit · 1884-02-18 · Heft 14 (18.2.1884) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 14 (18.2.1884)
Date
1884-02-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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234 Sonnenstrahlen. — „Gnt Sabbat!" — Ah, welch' süßer Schauer, welch' Duft erquickender Hoffnung, durchzieht unser Herz bei dem sanften Klang dieses Wortes! — Wie eigen warm wird es einem um's Herz, wenn man die sabbatlichgeschmnckte Stube betritt! bin Strom von heiligen Empfindungen durchrauscht unser Inneres, und eine ganze Flnth von kräftigenden, erquickenden Hoffnungen ergießt sich wie ein Meer des Lichtes und Glanzes in unsre Brust! — Gnt Sabbat! — Die Landen des Friedens und der Ruhe schlingen sich - wie ein anmnthkgcr Blumenkranz nm unsre Seele; freudige und gehobene Stimmung lehren ein in das jüdische Hans und Herz. Verschwunden und wcggefegt sind alle Sorgen und Bangen um das irdische Leben! — Verblichen sind sie bei dem Scheine .des Sabbatlichtes wie die dunklen Schatten der Nacht vor dem Sonnenglanze! Die Stunde der Erlösung aus dem mühseligen, geknech' teten Leben des Werktages hat geschlagen! Erhebe frei Dein Haupt, Israelit, und spreche kräftig -- gnt Sabbat! „Schalem alöchem malachö haschorcs, schalem alechem malcche eljonN singt Nathansohn, welcher durch» Zimmer auf- und abging. Ja, Engel des Friedens und der Ruhe ziehen in jüdische Hütten und Gemüther ein. Seid willkommen, Ihr Engel des Höchsten — seid gegrüßt! Spendet überall Eure reichen Gaben — die reinste himmlische Harmonie, das ungetrübte Glück, den ungestörten Frieden! — „Wollen wir nicht Kiddnsch machen, Herr Dr.?" fragte Nathansohn, „oder wollen wir noch etwas warten!" „Nichts da, Alter!" versetzte Frau Nathansohn, bevor ich noch Zeit zu antworten fand. „Wir müssen uns sogar mit dem Essen etwas beeilen, denn in kurzer Zeit wird sich fast die ganze Gemeinde hier einsinden, nm unfern lieben Gast zu bewillkommnen." „Sehen Sie, Herr Dr.!" sagte Nathansohn lachend. „Gegen die Vernnnftgründe meiner Frau lassen sich einmal keine Einwendungen erheben. Also sagen wir uns in'-' Unvermeidliche und suchen wir unfern irdischen Menschen zuerst zu befriedigen, an geistiger Anregung soll es uns dann nach dem Essen auch nicht fehlen." „Nein! wahrlich nicht! daran soll und darf es uns nicht fehlen!" — rief Frau Nathansohn mit verklärtem Gesichte aus. — „Wozu sonst haben wir die Ehre, einen Gelehrten als Gast an unferm Tische zu sehen!? Nun, Ihr Männer werdet schon dafür Sorge tragen, daß der Herr Doctor sein Wissen! nicht bloß für sich selbst behalte. — Habe ich nicht! recht, Heinrich? Ach, wie freue ich mich ans solche - Abende! sie zählen zu den schönsten meines Lebens! — Gewiß! — Herr Doctor wird uns manche schöne Erklärung zum Besten geben. Nicht wahr, Herr Doctor?" „Das schon! — Aber ich möchte Ihnen doch anrathen, nicht schon so früh, zu jubeln — wagte ich dem Strom ihres Entzückens Einhalt rn thun! — Zuvörderst wissen Sie ja noch gar nicht, ob mein geringes Wissen nach Ihrem Gefchmacke sein wirb, und dann ist es noch sehr fraglich, ob meine Erklärungen sich Ihres Beifalls zn erfreuen haben werden." „Nur keine unnöthigen Sorgen, bester Herr Doctor!" entgegnete für seine Frau Herr Nathansobn. — „Meine Fran findet eben Alles schön, was den unmittelbaren Ursprung ans der heiligen Thora hat. — Habe ich nicht recht, Sarah?" ' „Doch! — aber mit dem Unterschied, daß nicht jeder Erklärer sich meinen unbedingtesten Beifall erwirbt. — Der Probecandidat beispielsweise, welcher am verflossenen Sabbat hier gesprochen, hatte sich meiner -Aufmerksamkeit nicht sonderlich zu erfreuen. Ich fand eben ihn und seine Erklärungen ganz geschmacklos. Aber an diesem Sabbat. . . . .! ich schmeichle nicht gern, Herr Doctor!" „Weißt Du, Sarah! — es schmerzt mich sehr, daß unsre Rahel gerade an diesem «abbat abwesend sein muß. Ich hätte dem guten Kinde auch gern etwas Gutes gegönnt!" „Na, na, Alter! Das läßt sich einmal nicht ändern! Ich konnte doch unmöglich unfern Hallshakt in dem Augenblick, an welchem wir einen Gast erwarteten, verlassen, nur an das Krankenbett meines Bruders zu eilen! — Sie müffen nämlich wissen, bester Doctor," — erklärte Fran Sarah, sich nach mir mnwendend, — „daß unsre Tochter in Folge einer Nachricht von dem plötzlichen Erkranken ihres Oheims nach St... gereist ist. Mein Bruder ist feit vier Jahren Wittwer und hat in seinem Wohnorte keine nahen Verwandten, welche ihn pflegen und für seine Kinder Sorge tragen könnten. Ich trug zuerst Bedenken, mein Kind dahinznschicken, denn-die Krankenpflege ist eine sehr anstrengende Arbeit; allrin das gute.Kind bestand darauf, und so gewährte ich es. — Aber jetzt isi's genug mit dem Reden! — Zn Tisch, meine Herren!" (Fortsetzung folgt.) Die Fortsetzung der Erzählung „Nur standhaft" erscheint in der nächsten Nnmmer. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehman» in Mainz. — Verlag und Expedition der .ISraelit" große Bleiche 45. 3- Ge ttS lebe »'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger). *

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