Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1884)
- Date
- 1884-02-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Eszlar-Affaire, indem er beschuldigt wurde, daß er ' einen 40jährigen Mann habe beschneiden wollen! In : Folge dieser unverschuldeten Freiheitsbcraublmg-ftiabc er. von der neuen Gesetzesbestimmung keine .Kenntniß gehabt, weßhalb er Freisprechung beantragte. Die Erzählung des Angeklagten, der sich würdig und mit Gewandtheit vcrtheidigte, machte auf die Schöffen sichtlichen Eindruck. Als geisteskrank betrachteten sie den Mann gewiß nicht. Das Gericht vernrthcilte ihn zu der niedrigsten Strafe, eine Mark Geldstrafe. Oest.-Ungar. Monarchie. Pesth Das Amtsblatt enthält heute folgende — man darf wohl sagen überraschende — Meldung: „Aus Vorlage Meines ungarischen Ministers um Meine Person.verleihe ich dem Tisza-Eszlarer Gemeinderichter Gabriel Farkas, in Anerkennung seiner eifrigen Dienste, das .silberne Verdienstkrenz mit der Krone. Geg. zu Wien, am J. Fcbr. 1684. Franz Joseph m. i». Baron Bdla Orezy m. p. „In Anerkennung seiner eifrigen Dienste 2"..-.. Unser Berichterstatter, den wir seinerzeit nach Nyiregyhaza geschickt Haben, schreibt uns über diese Auszeichnung: „Im Laufe der Nyiregyhazaer öffentlichen Schlußvechandlung nannte Earl Eötvös den Richter Gabriel Farkas wiederholt den „bösen Geist von Tisza-Eszlar", die „Seele des 'Tisza-Eszlarer Prozesses" mib_ privatim sagte der berühmte Verchcidiger zu ihm, das; er „der klügste Bauer von Ungarn und sein Verstand scharf wie ein Rasirmesser" sei. Thatsache ist es, das; Bary und.Konsorten ohne dieses stämmige, gedrungene Männchen mit dem dichten Schnurrbarte, den listigen, durch schwere Lider Halo verdeckten Augen und dem glattrasirtcn, energischen Kinn bei ihrem ersten Schritt auf dem Wege zur Tisza-Eszlarer Synagoge jämmerliches Fiasko gemacht hätten. Ein Dorfpascha, dessen Wort einen: höheren Befehl gleich galt, durch Blutsverwandschaft mit zahlreichen Eszlarcr Familien einen naturgemäßen, und vermöge seines eisernen Willens einen unumschränkten Einfluß ausübend, bildete er in der Inszenirung der Tragikomödie die Verkörperung der rücksichtslosen Dorf-Exekutivgewalt. Sind cs diese Dienste, in deren Anerkennung ihn: das silberne Verdienstkreuz mit der Krone an den kurzen, blauen köckmen geheftet wird2 Ein großer Thcil des Publikums wird diese Dekoration kaum anders auffassen und an Kommentaren hiezu wird es schwerlich fehlen. Die Sache ist jedenfalls sehr interessant. Der Gemcindcrichtcr Farkas hat ein Verdienstkrenz erhalten, voll einer Ahndung jener Mißstände und Gcwaltthätigkciteu, die sich im Laufe des Tisza-Eszlarer Prozents amtliche Organe zi( Schulden kommen ließen, ist keine Rede." — So weit unser Berichterstatter. Von anderer Seite wird uns dagegen geschrieben: „Im Gemeinderichter Gabriel Farkas ist vor Allem jener Mann ausgezeichnet worden, dem es notorisch zil verdarben ist,'daß es in Tisza-Eszlar während des ganzen Prozcßvcrlanfes nicht zu Gewaltsamkeiten und größeren Nuhestöruugcu gekommen ist. Man mag gegen diesen Manu was immer sagen, soviel ist sicher, daß die ungestörte Ruhe hauptsächlich seiner Energie und Autorität zu danken war, und das; nur sein kräftiger Wille den offenen und geheimen Umtrieben der Onodyaner — die es anfs Aeußerste ankommen lassen wollten — nachdrücklich entgegentretcn konnte. Und noch Eines. Ein unleugbares Faktum ist cs, das; trotz alter Agitationen und .Hetzereien, die seither das Land anfwühlten, in Eszlar musterhafte Ordnung herrscht und, trotzdem ein Theil. der augeklagt' gewesenen Tisza-Eszlarer Personen wieder heimgekehrt ist, im Dorfe-fast wieder die frühere Eintracht zwischen den Anhängern der verschiedenen Konfessionen besteht. Das Verdienst, diese Wandlung -herbeigeführt' zu haben, soll fast ausschließlich dem Richter Farkas znznschreiben sein.- Wir theilen auch diese Version mit. Sei dem wie immer, manche eiserne Kröne , hat nicht so viel von sich sprechen gemacht, als dieses silberne Verdienstkrenz. „R. P. I." Rn s;! an d. Petersburg, 10. Febr. Immer und immer wieder treffen ans dem Innern des Reichs Nachrichten über die ungleiche und willkürliche Behandlung der jüdischen Bevölkerung ein. Die Kommission, welche sich mit der Lösung der Jndcnfrage beschäftigen soll, läßt nichts von sich hören. Der Minister des Innern bemüht sich in anerkenneuswerther Weise, wenigstens die bestehenden Gesetze loyalzu deuten: aber der Weg zum Minister ist weit und ehe ihn eine Beschwerde erreicht, läßt sich der Schaden der Betroffenen schon nicht mehr gilt machell. Die Willkür wird im Süden oft von den niedrigsten Organen der Polizei, beit Landgendarmen :c. ansgeübt, von deren „Wohlwollen" oft das Wohl und Wehe ganzer Familien abhängig ist. Das; ein gewisser Thcil der PrcsseIber die^geriugsten^selbstverständlichcn Konzessionen, die man den Israeliten macht, sofort in Wnth gerüth, ist leider auch nicht zu bestreiten. An den Minister der Volksaufklärnng, Deljanow, gelangte vor einiger Zeit eine Petition jüdischer.Eltern, welche um Befreiung ihrer die Gymnasien besuchenden Söhne von den Beschäftigungen am Samstag baten, Einige Direktoren der höheren Lehranstalten haben von jeher den jüdischen Schülern diese Befreiung gewährt. Deljanow, welcher die Indenfrage von demselben Standpunkte betrachtet wie Tolstoi, soll dem Gesuche der Eltern gemäß die Verfügung getroffen haben, das; die schriftlichen Arbeiten für