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Der Israelit · 1884-02-18 · Heft 14 (18.2.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 14 (18.2.1884)
Date
1884-02-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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229 solche, die diese abscheuliche Verirrung bekämpfen, e8 gibt auch ° Fromme und gläubige in der Versammlung, sonst gebe cs ja keinen Kamps! Doch der treue Hirte sprach: t<ö ist mir kein Trost, daß diese siegen tonnen oder jene unterliegen, micl' er-; greift bitteres Weh darob, daß überhaupt ein Kamps stattfindcl'. Wo die t^intrailu und der Friede geschwunden, dort gicbls fein ' Gedeihen, leinen Legen. Wo lein Frieden ist, dort ist — Nichts." So soll Moses gesprochen haben, Moses, der im heiligen Zorne die Bundcstafcln zerschmettert, in heiligem Eifer die trcngcblicbcncn Leviten um sich sammelt und ihnen befiehlt, das Schwert zu nmgürtcn und ohne Schonung die Götzendiener zu tödtcn,, und wenn diese auch ihre nächsten Freuude und Verwandten seien! Dieser'Moses soll gesagt haben, es sei ihm einerlei, wer siegt oder unterliegt, cs bereite ihm nur Weh, daß überhaupt ein Kampf stattsindc! — Wenn Sie, Herr Reich, damals gelebt hatten/ Sie hatten Moses sicherlich den Nath ertheilt, nur den Frieden nicht zu stören, das „unschuldige" Spielzeug, das goldene. Kalb, nur ruhig zu belassen liub mit der großen Mehrheit zusammen um dasselbe zu tanzen. Aber, Gott, sei Dank, unser großer Lehrer Moschch dachte nicht wie Herr Dr. H. L. Reich, Obcrrabbincr der isr. Eultus-Gcmcindc zu Bonyhad in Ungarn, behauptet, daß er gedacht habe. Während Herr Reich von Friedensversicherungell und Fricdenslobprcisnngen förmlich übcrsiicßt, überschüttet er die jüdische Orthodoxie in Ungarn mit den entsetzlichsten Schimpswortcn „Volksmördcrisch, gotteslästerlich, nichtssagende (sic) Jndivd dnen, die ihren Gott für einige Groschen feil haben, und was derartige Kraftansdrückc mehr sind. Und dabei ist er so naiv, die Talmudstcllcn zu citircn, welche die V e r l c n m d u n g mit harten Strafen bedrohen. Der gute Mann scheint gar fciiic Ahnung davon zu haben, daß unter den Vcrleiuudcrn er der schlimmsten einer ist! Mit Worten wie Frechheit, Dummheit, Ignoranz :c. wirst der nrbanc Hcrr Dr. nur so um sich. Und er selbst ist so gelehrt (S. 12), ein Beth Din znsainmcnznsctzcn ans Männern, die in verschiedenen Jahrhunderten gelebt haben! *) Man kann wirklich bei der Lcetnrc dieses Schristchms nicht ernst bleiben. So schreibt der Herr Verfasser auf Seite 13: „Man will für die Zukunft sorgen, heißt cs, und cs wird für dieselbe gesorgt, daß man sich theilt." — Man thcilt sich! Nickt übel. Gleicht dock Herr Dr. Reich in seiner exquisiten Ansdrmksweisc jenem Polizisten, der einem Studenten zürnst: „Was rottet er sich hier zusammen! Geh' er auseinander!" Aber das Schristchcn hat auch seine ernste Seite. Der Verfasser gerirt sich, als wolle er weiter * In diesem Beth Tin sotten Rabbi Iosna bcn »>hananjah ' und Rab zusammen gesessen haben! nichts als einen angemessenen Unterricht in den prosancn Wissenschaften für die Jcschibah-Schüler verlangen^ Solche Pamphlete sind nur geeignet, einer jeden Sacke, für die sie cintrctcn, zu schaden. Wenn das erwähnte Prinzip solche Vcrtheidiger hat, so luns; es, wird man sagen, schlecht - um dasselbe bestellt sein. Aber dieses ganze Gebühren ist bci.ficrnt Dr. Reich nur eine Maske, die den Pferdefuß "nicht ganz zu verbergen im Stande ist. Er verlangt das oben Gesagte nur als Abschlagszahlung', nachher soll schon tüchtig darauf losreformirt werden. S. 18 wird auf einen in Bonyhad stattgehabtcn Vorfall angcspielt. Ein Ätanu, der öffentlich den Sabbat zu entweihen pflegte, war gestorben. Der Bruder, cnu.-n, wollte nicht .-rv'v ami fein. Darob entsetzliche Lstuth von Seiten des Herrn Obber. Dr. R., und er bricht in die Worte aus: „Es handelt sich.weder um Religion noch um Frömmigkeit, es handelt sich darum, beim Volke die Dummheit großznziehcn, damit cs nicht einschen lerne, wie es — betrogen wird." Run , hoffentlich wird dieses Pamphlet den Israeliten von Bonyhad die Augen öffnen; sic werden ein-' sehen, wie die classischc Schreibweise des Herrn R. zum Doetortitel und wie die falsche Auslegung der Schriftstellen und der Unverstand in Bezug auf die Talmud- und Midrasch-Eitate zur Benennung „Rabbinuer" paßt — wie die Faust ans's Auge! Zcituttgöktachrichkett und Eorrespondenzeu. Deutschland. Sturz, (Westpreußen), 12. Fcbr. Zn incincr größten Freude kann ich Ihnen heute mitlhcilcn, daß die Aufregung, welche bisher hier geherrscht hat, ganz bedeutend im Abnchmcn' begriffen ist. Die Obrigkeit thut ihre Pflicht, um die Inden _ vor Execssen zu schützen. Auch die katholische Geistlichkeit sucht durch milden und vernünftigen Zuspruch die aufgeregten Gemüther zu bcrnbigcn. Für den verhafteten Ivscvhsvhn sind außer jener bereits erwähnten vagen Zeugenaussage noch zwei Momente belastend. Erstens, daß er nicht nachznweifcn vermag, wo er sich am 21..Januar von 8 bis ll Uhr Abends anfgehalten habe; feiner Angabe, er fei zu Hanfe gewesen, wurde von einer Schneiderin widersprochen, welche an jenem Abend bxi seinem Vater gearbeitet hat. Zweitens fand sich an seiner Hand eine Wunde, von welcher einer der GcrichtsärztSvcriimIhcte, daß sie vielleicht von einem Bisse hcrrührcn könne; nach Ansicht des andern Gerichtsarztcs jedoch, sei die Wunde die Folge

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