Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1884)
- Date
- 1884-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449421--19626-2509119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
228 Zahl 18183. 1883 erschienenen Erlasses können in I der Talmud-Thora oder Jeschibah nur' solche Zöglinge unterrichtet werden, welche wenigstens : die 4 blassen eines Gymnasiums, einer Realschule, respective Bürgerschule mit gutem Erfolge absolvirt ‘ haben und sich hierüber mst' einem Zeugnisse eines ' vaterländischen Instituts answeisen. Ich verständige! hievon Euer Hochwürden zur Kenntnisnahme und - Daraufachtung mit dem Zusatze, daß wann in j erwähnter Schule solche Zöglinge gefun- > den werden sollten, die keines der erwähn-! ten Zeugnisse besitzen, dann wird sowohl ' gegen den Schulinhaber und Lehrer wie gegen die Schüler die gesetzliche Strenge auf allerschärfste Weise in Anwendung kommen." Die Ausführung dieses Erlasses würde mit einem Schlage die schöne Blüthe der Pflege des Thorastndiums in Ungarn fast vollständig vernichten. In den kleineren Ortschaften, in welchen sich Gymnasien und Realschulen nicht befinden, könnte dann überhaupt vom Thoralernen nicht mehr die Rede sein/ Die Kinder der Armen, von denen cs heißt: mm asn ono o, würden, da sie die Mittel nicht besitzen, höhere Lehranstalten zu besuchen, ganz vom Thorastndium ausgeschlossen werden. Aber auch die Kinder der Wohlhabenden würden, weil nicht von frühester Jugend an zum „Lernen" angehalten, die Befähigung für das gründliche und eifrige Thora-' stndinm verlieren. Es wurde dann in Ungarn, wie dies bereits in Deutschland, Frankreich, England, Holland, Italien 7c. der Fall ist, dahin kommen, daß mir diejenigen sich dem gründlichen Talmndstndium widmen, die denRabbinerbernf erwählen. Und auch das talmndische Wissen der Rabbinen würde sich bald auf ein nur geringes Maas; reduciren, sobald dasselbe ans dem Volke geschwunden, wie das die Erfahrung ja sattsam lehrt. Gegen den obenerwähnten Erlaß des königlichen Schulinspectorats hat man sofort beim Minister Recnrs erhoben. ' Dieser antwortete, der Schulinspektor habe ihn schlecht iutcrpvciirt; war jedoch nicht zu bewegen, denselben eines Bessern zn belehren. Er wolle, sagte er, zuvor mit einigen Vertrauensmännern darüber bcrathen. Daß wir die Gefahren, welche der obenmitgetheilte Erlaß in sich bürgt, durchaus nicht verkennen, haben wir bereits dargelegt. Andererseits darf man sich jedoch der Wahrnehmung nicht verschließen, daß es nothmendig sein wird, einen Modus zu finden, durch welchen das Thorasindium erhalten und zugleich dem Verlangen des Ministers enigegengekonnnen wird. Unserer Meinung nach sollten sich die Führer der jüdischen Orthodoxie in Ungarn entschließen, dahin zu wirken, daß sogenannte Mittelschulen gegründet werden, in denen das Studium der Thora sorfältiq gepflegt und zugleich ein höheres Maaß des profanen Wissens geboten werde, als die gewöhnlichen Volksschulen zu bieten vermögen. Wir sind der Ansicht, daß die Ausführung dieses Vorschlages nach allen Seiten hin befriedigen wird. Das'Thorastudium würde erhalten bleiben und den Anforderungen der Zeit, als deren Vertreter der ungarische Eultnsucküster sich gibt, würde Genüge geschehen. 0D rten nn'?N -psi n»pn n;n "mn ns? vrr OK .TY3W — 0wv2 K2' ,0PO pan DJM Tcy bsm ‘3 nwy'y „Geht mit Gott zn Rathe, Ihr Frommen r nd Treugläubigen, und Er wird den Weg Euch zeigen, damit Alles zum Frieden und zum Segen gedeiht." (2 B. M. E. 18, B. 23. Nascht im Namen der Mechiltha zur Stelle.) > . Literarischer Bericht. Mainz, 13. Februar. Ein gewisser Dr. (?) H. L. Reich, der Mals Oberrabbiner der isr.Enltn?gemeinde zn V on yh ad bezeichnet, hat eine Schmähschrift von Stapel gelassen, die.'man. versucht wäre, für einen Purnuschlvank zn halten.*) Wenn inan das Büchlein zu lesen anfängt, so meint inan, der Verfasser wolle lediglich auf unsere Lachmuskcln wirken. Oder kann sich Jemand des Lachens erwehren, wenn er einen Satz /lieft wie: „Der Löwe ist das Symbol des Wehr-, der Ochse das des Nähr-, und die leichtfüßige Hindin das des Lehr-, Standes."? Und solche geschmackvolle Bilder und dichterische Darstellungen bietet uns Herr Dr. Reich in, um ilns seiner eigenen correcten Sprachweise zn bedienen, „hunderten (sie!) Aussprüchen." Gern wollten wir dem Herrn Doctor seine classische Schreibweise verzeihen; wie aber der Herr Oberrabbkner die heilige Schrift anslegt, das übersteigt alle Begriffe. Höre, lieber Leser, und staune; ans S. 6 u. 7 der vorliegenden Schrift heißt es: „Als Moses, erzählt uns die heilige Schrift, nachdem er von Gott für die Perirrung des Voltes, die sich wahrend er die Pnndestaseln empfing', ein goldnes Kalb gegossen, daS sie (sie.) in ansgelassenem Jubel nmtanzten, Verzeih,rng erbeten, dein Lager in ^osuas Begleitung näher kam, da ipract* Iojua: IvS ist Kriegszeschrei im Vager, doch Moses sprach: l»s ist nicht das Lriuniphgeichrei des Sieges, anch nicht der 'Tchreckensruf des Nnterliegens, es ist ein gotteslästerlich Geschrei, da» ick höre. Iosua wollte Moses Trost znsprechen. .bs ist Kriegsgeschrei im Lager, sprach er, es ist noch ein Kampf, es gibt anch noch! * Der Titel des SchrifrchenS lautet: .Friel i und den Fernen? Bonvhad, 1884. Preis aü kr. Friede den Nahen