Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1884)
- Date
- 1884-02-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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213 Feuilleton. Am standhaft! XXIX. Als Bruno das Haus des Banquiers verließ, trat ein Officier auf ihn zu. „Freiherr von Wolkenberg?" fragte derselbe, seine Hand zum militärischen Gruße erhebend. „„Zu dienen,"" antwortete der Gefragte. „„Mit wem habe ich die Ehre? " „Kennen Sie mich nicht mehr, Herr Kamerad? Wilmersdorf, Leopold von Wilmersdorf." Erfreut streckte Bruno dem Officier die Hand entgegen. - „„Freilich, freilich,"" sagte er, „..wie habeich Sie nur vergessen können! Wir haben im Cadettenhause manchen lustigen Streich miteinander vollführt! Wie ich mich freue. Sie wieder zu sehen! Wenn es Ihre Zeit erlaubt, so bitte ich Sie, mich in meinen Gasthof zu begleiten."" „Gehen Sie lieber mit mir in das Osficier- Casino; da mache ich Sie gleich mit den Kameraden bekannt." „„Mit deu ehemaligen Kameraden müssen Sie sagen. Ich habe den Dienst quittirt. Es ist mir ..... eine Erbschaft zugefallen. Ich will mich hier in Schlesien ankaufen, Kohl und Rüben Pflanzen und Schafzucht treiben."" „Da wünsche ich Ihnen von Herzen Glück. Ich wollte, mir würde ebenfalls eine Erbschaft zufallen, damit ich Ihrem Beispiele folgen könnte." „„Kommen Sie mit in meinen Gasthof, Wilmersdorf, und frühstücken Sie mit mir. Später gehe ich mit Ihnen in's Casino."" Bald nachher saßen die Freunde in Brunos Zimmer bei einem opulenten Frühstück. Wolkenberg ließ sich von dem ehemaligen Kameraden von dem Leben und Treiben der Officiere erzählen und nahm mit Vergnügen defien Anerbieten, ihn in einige vornehme Familien einzuführen, an. Nachher gingen beide in das Officiercasino, wo Herr von Wilmersdorf den ehemaligen Kameraden vorstellte. Wolkenberg hatte nun Bekannte in Menge. Ausflüge wurden verabredet, Besuche gemacht, Jagdpartieen veranstaltet. So verging die Zeit sehr rasch. Am dritten Tage suchte Bruno das Geschäftslocal der Herren Kornfeld u. Comp, wieder auf. „Ei ei, sieh, sieh," sagte der Chef des Hauses, als Bruno in defien Cabinet trat, „Herr Baron von Wolkenberg! Eben wollte ich Ihnen ein Briefchen schreiben und 'Sie einladen, mich mit Ihrem Besuche zu beehren. Es ist Alles in Ordnung. Verzeihen Sie das Mißtrauen, mit dem ich Ihnen anfänglich entgegentrat. Allein man muß heutzutage vorsichtig sein, namentlich wenn es sich um so große Summen handelt. Und dann klang es mir so unwahrscheinlich, daß der Lowenheim sich habe taufen lassen. Nicht wahr, Herr Baron, Sie verzeihen mir?" „..Ich habe Ihnen nichts zu verzeihen , Herr Kornfeld, Sie haben nur correct gehandelt."" „Das freut mich, daß Sie so denken. Nehmen Sie gefälligst Platz. Ich habe Ihnen noch andere, interessante Mittheilungen zu machen. Der Agent, den ich nach N. gesendet habe, befindet sich noch dort und steht mir dem Eigenthümer der ehemaligen Wolkenberg'schen Besitzungen in lebhafter Unterhandlung. Der Mann hat es klug angefangen, und der Verkäufer hat keine Ahnung davon, für wen die Güter gekauft werden sollen. Er fordert 150,000 Thaler, 25,000 Thaler mehr, als er früher beanspruchte, da der Bodenwerth in jüngster Zeit bedeutend, gestiegen ist. Mein Agent , hat ihm 90,000 geboten und. hofft für 100,000 Thaler das ganze Besitzthum zu erhalten. Er schreibt mir, daß die Güter bedeutend mehr werth seien und daß sie, gehörig bewirthschaftet, eine Rente von zehn Prozent einbrmgen werden." Der Comptoirdiener trat ein und überreichte dem Banquier ein Telegramm; dieser öffnete es sofort und rief freudestrahlend: „Ich gratülire, Herr Baron! Da lesen Sie!" Bruno nahm das Telegramm und laS: Kauf um 96,000 Thaler abgeschlossen. - Werner. Bruno fühlte das laute Pochen seines Herzens; das Ziel seiner heißesten Wünsche war erreicht. - „„Ich danke Ihnen,"" sagte er, sich erhebend, „„ich will sofort nach Hause gehen, um meiner Schwester und meinem Schwager zu telegraphiren."" „Das können Sie hier bequemer," sagte der Banquier. „Treten Sie gefälligst hierher. Hier ist Feder und Tinte und Depeschcn-Formulare. Schreiben Sie das Telegramm nieder, und ich lasse es gleich besorgen. Dann aber habe ich noch Manches mit Ihnen zu verabreden." Der Baron schrieb die Depesche nieder, und der Banquier übergab sie dem Comptoirdiener. „Ich kann mir denken," sagte Kronfeld, „daß! es nun Ihr nächster Wunsch ist, die erworbenen Güter einzusehen. Reisen Sie nach W.; ich werde! dem Agenten telegraphiren, daß er Sie am Bahn-! Hofe abhole. Wie lange gedenken Sie in hiesiger! Gegend zu verweilen?"