Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1884)
- Date
- 1884-02-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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212 mordernen Reform-Rabbiners! Und auch ihre Correspondenten liefern glänzende Stilprvben. In der jüngsten Nummer steht ein Aufsatz, mit Veritas unterschrieben, der sich auch in solchen Ausdrücken mit Wohllust bewegt, worauf sich der bekannte Göthe'sche Satz im Faust auwenden läßt: „uns ist ganz kannibalisch wohl". Außerdem ficht derselbe gegen Windmühlen und scheint seine schriftstellerische Wuth ganz gegen den oder die Unrechten auszulassen. Das Ergötzlichste ist das letzte darin, worin von einem Lehrer der hiesigen Talmud-Thorah-Schule gesagt wird, er habe bei dem Leichenbegängniß des Dr. F. ihm noch Flüche auf dem Begräbnißplatze nachgerufen. Nun ist thatsächlich kein einziger derselben bei dem Vegräbniß zugegen gewesen, da es während der Schulzeit am Sonntag Morgen stattfand Außerdem lag auch kein Grund für' einen orthodoxen „Rabbi" vor, dem Leichenbegängnis; eines Mannes, der dem Gesetz so ins Gesicht schlug, daß er einer Frau, deren erster Mann noch lebte, gab, beiz: wohnen. Die stärkste Leistung des Blattes in letzter Zeit jedoch ist die Besprechung der Begräbniß-Frage in Berlin, wo es aus jeder Zeile durchleuchtet, daß man im Grunde auf Seiten der das Begräbniß Bewilligenden steht. Und da wird mit wichtigthuender Ignoranz der gd-d-i angeführt, um dem Publikum Sand in die Augen zu streuen und dasselbe glauben zu machen, daß nach dem D2"o-i das gar nicht so etwas Schlimmes wäre. Das soll also der große, reine und gesetzestreue O2"vi gemeint haben, daß man nur, um den Gefühlen der gegen ntro m handelnden Personen nicht zu nahe zu treten, die im Glauben getrennten neben einander auf dem jüdischen Begräbnißplatze begraben dürfe. O, du unsterblicher Maimonides, der Du längst in den reinen Sphären des Lichts wandelst, wie mußt Du trauern und lächeln! Trauern, daß man Deine Worte so mißbraucht, um Gesctzes-Ucbertretung zu stärken. Und lächeln, daß solche Duodez-Rabbiner Dich zu ihrem Genossen machen wollen! Damit nun auch vollends das Lächerliche nicht fehle, wird in der jüngsten Nummer mit folgenden Worten zu einem Kriegszuge gegen den y"v aufgefordert: „eine offene klare Gesammt-Erklärung von „Rabbinen bezüglich des Sch.-A. ist von dringendster „Nothwendigkeit, um der Ehre unserer Religion und „Literatur willen." Na, da wird der idi* n»a schön wegkommen und gar der ko"-» erst! Was nützt es nun der Welt und speciell Deutschland, daß Fürst Bismarck sich alle ordentliche Mühe gicbt, den Frieden Europas zu erhalten, daß der Kaiser selbst beim Neujahrs-Empfang seine feste Zuversicht auf Erhaltung des Friedens ausgesprochen? Sie haben beide die Rechnung ohne den streitlustigen Magdeburger Rabbiner gemacht, der mitten im tiefsten Weden einen Kriegszug arrangirt. Und dabei sind die beiden Verfasser des yuv in dem großen Nachtheil, daß sie, wenn auch längst D"nn pso im Lande des wahrhaften Lebens, für diese Welt aber todt sind und sich nicht vertheidigcn können, laut dem Ausspruch des Weisen in cV?np. Eines nur tröstet uns, daß es nicht gar zu gefährlich werden wird, und zn dieser Hoffnung berechtigt eine Stelle im dt* Dort heißt cs bei dem Gesetze von rrd -an* rp"pn ick trau 6 rm* »mir-o nnrr n\v ’jöw Vvn Das 128' möge an diesen modernen Rabbinern sich nicht wörtlich erfüllen, aber die Gemeinden, denen sie das religiöse Leben so leicht wie nur möglich gemacht haben, werden mit der Zeit einsehen, daß solche Rabbiner dann nur Luxus-Artikel find, die zu dem, was sie kosten, in gar keinem Verhältnisse stehen, und werden sie einfach aus den Anssterbe-Etat setzen. Und an dem wahrhaften Gcfctzlehrern wird sich nach wie vor erfüllen. D'2222 C221 'pHSDJ p'pl.1 VlD VWI1» D'b'2»cm Ufr Ov'pd Rußland. H-r terSbnry. Die gegen die Juden im Gouv. Tscheringow beabsichtigte Maßregeln, welche aus eine Austreibung derselben aus ihren bisherigen Wohnsitzen zielten, sind vom Senate aufgehoben worden. (Hamei.) Afrik a. Die afrikanische Insel Zanzibar scheint, obgleich auf ihr großer Handel herrscht, kein Anziehungspunkt für europäische Juden zu sein. Der einzige daselbst lebende Jude, Dr. Isaak Gregory, welcher Leibarzt des Sultans ist. gibt in einem Briefe an die. „Arch. isr." über diese Erscheinung folgenden Grund an. Zanzibar wurde im Laufe der Zeiten nacheinander von zwei Nationen beherrscht, welche den Juden feindlich gesinnt waren. Unter der portugiesischen Herrschaft wurden die unter dem Schutze der eingeborenen Najahs aufblühenden jüdischen Gemeinden geplündert und mißhandelt und dadurch zur Auswanderung gezwungen. Als die Araber die Portugiesen verdrängten, war die Situation einer Niederlassung von Juden ebenso ungünstig. Doch wird die Insel von einer kleinen Zahl indischer Juden (Beni Israel) bewohnt, welche fleißig und geachtet, sich in chrer äußern Erscheinung von den Eingeborenen nur durch das Tragen eines „Arbah Kanfos" unterscheiden: sie find aber so wenige, daß sie nicht einmal mit „Minjan" beten kennen..._____