Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1884)
- Date
- 1884-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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211 Diese Summe sagt alles. Sie ist beredter als die gründlichsten Abhandlungen über die Unpopularität und Lebcnsunfähigkeit des Gemeindebundes. Der eine Dr. Hildesheimer hier hat mehr als das fünffache an Geld, Naturalien und Kleidungsstücken für den Zweck gesammelt, für den der fast 200 Gemeinden repräsentirende mit vollen Kräften thätige Bund 8000 M. zusammenbringt! Gerade solche allgemeinen Calamitäten sind wie wenig andere Momente geeignet für die Entfaltung einer segensreichen Bundesthätigkeit. Wenn von den vielen Hunderttausenden, die in Deutschland für unsere aus Rußland vertriebenen Brüder und Schwestern gespendet wurden, der Gemeindebund bei Entfaltung seiner vollen Kräfte nur 8000 Mark zu sammeln in der Lage ist, dann bricht das russisch e Hilfswerk so vollständig den Stab über den Gemeindebund, daß man kein Wort weiter darüber zu verlieren braucht. Wenn sich daher der Gemeinde-Bund auf. der letzten Seite dieser seiner Mittheilungen die einzige centrale »Institution in Deutschland nennt, welche ihr Wirken auf die Gesammtheit der deutschen Juden richtet, so glauben wir nicht, daß dieser prunkende Phrasenreichthum die beschämende Thatenarmuth zu verhüllen vermag. Es verlohnt sich daher nicht, auf die anderen Redensarten dieser Mittheilungen hier weiter einzugehen. — Sie richten sich selber und ihre Drechsler. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. München, 10. Febr. (Bayr. Landtag.) Jakob Rosenhaupt, isr. Prediger a. D. in Aschaffcnburg, bittet, daß die von den Nenisracliten getrennten.Altjuden, welche nur dem mosaischen und nicht dem neuen talmudischen Gesetze huldigen, eine selbstständige Gemeinde bilden dürften. Referent Scitz trägt die Eingabe vor und hält sie nicht für geeignet für das Plenum, da die persönlichen Wünsche eines Einzelnen oder Weniger nicht genügen, um eine gesetzliche Aenderung zu treffen. Korreferent Dr. Frank: Thatsache sei, daß die Nenisracliten, welche unter sich Opfer zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse bringen, doch zu den Cultusdedürfnissen der alten Gemeinde beitragen muffen. Wenn sie noch keine Vorstellung bei der Negierung gemacht haben, beantrage er Zurückverwcisung. Regierungsrath Bervier: So lange die Neuisraeliten nicht ausgeschieden seien , müßten sie zu der alten Cultusgemcinde fortzahlcn. Nach den zur Zeit gellenden Bestimmungen könne in einer politischen Gemeinde nur Eine jüdische Eultusgcmeinde bestehen. Der in der Korona anwesende Abg. Gunzenhäuser, wird Dom Vorsitzenden um seine Meinung befragt- Er erklärt, durch gegenseitige Nachgiebigkeit seien in Fürth die Abweichenden wieder vereinigt worden. Es handle sich um keine Verschie- . denhcit im Dogma, sondern lediglich im Ritus. Der Talmud werde von allen Israeliten anerkannt, doch von den Netteren dem Pentateuch untergeordnet. Die Frage des Bcgräbnißplatzes sei meistens im Stande, die aufgeregten Gemüthcr wieder zu versöhnen. Der vom Abg. Herz bevorwortcte Antrag des Korreferenten „nicht geeignet, da der Jnstanzenzng' nicht erschöpft ist wird angenommen. Hamburg, 31. Januar, oiyaS inna anan-te diw o’vdd p-rn djo ’a. An diesen Spruch des. weisen Königs werden wir stets erinnert, so oft wir die isr..Wochenschrift feit einem Jahre in die Hand nehmen. Da ist doch keine Nummer, in der wir nicht den Zorn des Herrn Dr. Nahmer in Hellen Flammen auflodern sehen! Und warum? Geräth er etwa in Eifer wegen des mit Füßen getretenen Gesetzes? Eifert er vielleicht gegen Entweihung des Sabbat, gegen die Uebertretnng der Keuschheit in den Ehegesetzen, gegen die Nichtbeachtung der Speisegesctze? Nein, lieber Leser, wenn Du dies glaubst, da irrest Du sicher. Du denkst vielleicht an die frommen Rabbincn, deren größter Stolz cs war und ist, den. Talmud mit seinen Commentatorcn gründlich zu kennen,', in-ihren Gemeinden für die Anfrcchterhaltung der religiösen Institutionen zu sorgen, daß alles streng nach dem iny im» (Herrn R. übcrlänft bei diesem von ihm verpönten Worte eine gelinde Gänsehaut) geordnet sei. Unsre modernen Fortschritts- Rabbiner haben wichtigere Dinge zu thun. Sie überwachen mit Argnsangen die orthodoxen Rabbiner, um alles, was diese thun, mit dem Geifer ihrer Verleumdung zu besudeln. Das Verbot -pi/a scheint in ihrer Bibel wohl vergessen zu sein, und da man doch im Innern sich selbst in Bezug auf die eigne Gemeinde und Amtsführung sagen muß, „daß manches im Staate Dänemark faul sei", so sucht man dem religiösen Gegner, wo man es glaubt, thun zu können, eines anzuhängn Daraus entspringen die Urtheile über den hiesigen Rabbiner, über Dr. Hildesheimer, jDr. Auerbach rc. Ebenso befleißigt sich die Wochenschrift eines äußerst blühenden Stils. Auf eine Bemerkung des „Israelit", daß Laskcr, falls er in der Praxis dem Gesetze treu geblieben wäre, noch eine ganz andere Carriörc gemacht haben würde, wird hinzngesügt, dann wäre er wohl ein Nacht-Rebbeche geworden! Von der noblen Auodrucksweise abgesehen, liegt darin der Gedanke, daß nur dadurch, daß er dem rel. Gesetze im Leben den Rücken kehrte, er diesen glänzenden Ruf erworben, ein Ausspruch, würdig 'eines.