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Der Israelit · 1884-02-14 · Heft 13 (14.2.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 13 (14.2.1884)
Date
1884-02-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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210 Synodenpräsident war, den Traditionen den Krieg mit den dürren Worten:! „Es handelt sich darum, daß immer kleine Ne- „formen durchgeführt werden, auf jeder Synode „vollends aber gewisse, ganz bestimmte Einrichtungen modisicirt, bestimmte vereinzelte Formen, „bestimmte Ucberlieferungen abgestellt werden2). Leute, die wie Herr Prof. Lazarus und Gei sinnungsgenossen das Bedürfniß haben, Synoden zu berufen und Reden zu halten, können keiner Religion Geschmack abgewinnen, die wie die israelitische schon seit einigen tausend Jährchen abgeschlossen ist, bei der cs nichts zu berathcn und zu besprechen gibt, bei der man — liorribile non dictu — stumm sein darf. Deshalb wurden die Synoden und Rabbiner- Versammlungen inscenirt und da diese schmählich Fiasko gemacht haben, soll nun das bankerotte Reformjudenthum unter der Flagge ^Deutsch-Israelitischer Gemeinde-Bund" wieder rehabilitirt werden. Welche Kraft müssen die Herren doch im Herzen dem traditionellen Judeuthum Zutrauen, das sie mit den Lippen als überwundenen Standpunkt belächeln, wenn sie die Phrase von der Bestärkung in der treuen Anhänglichkeit an die angestammten Traditionen nicht verschmähen, um Gemeinden damit zu fangen. Gottlob, daß diese Speculation auf die Leichtgläubigkeit der deutschen Gemeinden so gründlich zu Schanden geworden ist! Ein anderes gottesfürchtiges Eitat. der uns vorliegenden Mittheilnngen lautet: „In der Spruchsammluung weiser und frommer „Väter ist das Wort enthalten: „Auf dreien „Dingen beruht die sittliche Welt, auf „Gotteslehre, Gottesdienst und auf „fr o nr mer Liebestha t." Kann man sich für „den durch ein neues Statut und durch frische „Kräfte verjüngten Bund schönere Aufgabe.» denken, „als dieses Wort wahr zu machen?'" (Seite 4.) Kami mau sich, fragen wir dagegen, ein frivoleres Spiels denken, als der schreiende Contrast zwischen dieser fromm thnenden Phrase und den Persönlichkeiten, die sie im Munde führeil? Auf der Lehre Gottes beruht die Welt, und der Gemeindebund hat deßhalb eine besondere Abtheilung für Lehrwesen organisirt, an dessen Spitze in Herrn Prof. Steint hal ein Mann steht, der, wie wir in unseren oben erwähnten Artikeln durch Citate aus seinen Schriften nachgewiesen haben, öffentlich Gott leugnet! DerGemeindebnnd führt also die weisen und frommen Väter im Munde und bezeichnet es als eine schöne Aufgabe den Gott zu lehren und dem Gott zu dienen, den der Vorsitzende seines Lehrwesens leugnet! 2) ibid. Seite 17. Es gehört wahrlich eine große Unverfrorenheit dazu, eine solche Bornirtheit fei den deutschen Gemeinden vorauszufetzen und im Ernste zu glauben, es ließe sich jemand durch diese tönende Phrasenmacherei düviren. Von wirklichen Thaten desMmeindebunds zählen die vorliegenden Mittheilungen Summa Summarnm zwei Stück auf. das russische Hilfswerk und die Fürsorge für Religionsunterricht rmd Ausbildung von Religionslehrern. Die Fürsorge des Gemeindebunds für den Religionsunterricht, seine Eompetenz und Befähigung dazu haben wir bereits im vorigen Jahrgang des „Israelit" eingehend besprochen. Zum Kapitel der Fürsorge für die Ausbildung von Religionslehrern haben wir behufs Illustration der unparteiischenGesinnungdes Ausschusses noch nachzutragen, daß derselbe der orthodoxen Lehrerbildungsanstalt zu Cöln dm früheren Beitrag entzogen hat. Der Ausschuß hat sich zwar bereit erklärt, einzelnen Seminaristen eine Subvention zu gewähren, oer Anstalt als. solcher hat er aber seine Fürsorge abgewandt. Warum? Sie huldigt den angestammken Traditionen so aufrichtig, daß der Ausschuß eine Bestärkung darin wahrscheinlich nicht mehr für nöthig hält. Vielleicht ist der Kölner Delegirte des Bundes, Herr Rabbiner Dr. Frank in der Lage näheren Aufschluß über die Ursachen, dieses Gesinnungswechsels zu geben. Eharakteristisch für das ganze Phrasenheldenthum, das sich in diesen „Mittheilungen" breit macht, ist der Titel: Das russische Hilfswerk zur Bezeichnung dessen, was der Gemeindebund für die russischen Vertriebenen geleistet hat. Worin bestehen nun diese Leistungen? Elfteres in einer Resolution, daß der Bund in Folge feiner Organisation nicht in der Lage ist, die russische Judensrage in ihrer internationalen Bedeutung zu behandeln, daß er es aber für durchaus nöthig erklärt, daß ein Centralcomite für ganz Deutschland zusammentrete, daß er sich ferner bereit erklärt nach Kräften für die Beschaffung von Mitteln bei den Bundesgemeinden thätig zn sein. „Unsere Pflicht ist es hier nur," heißt es Seite 6, „den Nachweis zu bringen, daß wir nach vollen Kräften das Unsriae zur Linderung der Noth beizutragen versucht haben, ohne die Grenzen zu überschreiten, welche unser Statut und die oben angeführte Resolution uns vorschrieben." Nach diesen eigenen Worten des Ausschusses haben wir also in dem von dem Gemeindebnnd hier geleisteten, einen Maßstab von dem, was die vollen Kräfte des Bundes zu leisten vermögen, und wie viel ist das! Baare 8194 Mark 87 Pfennige!

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