Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1884)
- Date
- 1884-02-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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209 erschienen sind und das Versprechen dieselben als kleinere Flugschriften in kürzerer Zeitabständen von nun ab erscheinen zu lassen. Es werden zunächst die Anlässe geschildert, welche die Entfernung des Bundessitzes von Leipzig und die Verlegung nach Berlin notwendig machten. Wir haben bereits auf das Vcrhängnißvolle dieses Wechsels aufmerksam gemacht und erlauben uns auf die Nr. 46, 47 u. 48 des vorigen Jahrgangs um so mehr zu verweisen, als der Ausschuß des Gemeindebundes von den abfälligen Beurtheilungcn, die seine Wirksamkeit in der jüdischen Presse erfährt, keinerlei Notiz nimmt. Würde derselbe seine „Mitteilungen" benutzen, um die öffentlich gerügten Mängel seiner ganzen Organisation zu rechtfertigen, zu entschuldigen oder abzustellen, so hätten dieselben wenigstens einen akademischen Werth. Da er dies nicht thut, so ist es Pflicht der Presse, die in jeder neuen Aeußerung des Gemeindebundes hervortretenden alten Schäden zu constatiren und so der Schönfärberei entgegen Zu treten, welcher.mit diesen.„Mittheilungen" gedient wird. Freilich wird keine Schönfärberei, die Thatsache übertünchen können: -Der Deutsch-Israelitische Gemeinde- L .... 4. i-t X._VI« V « - (, U « f. UUUU,. iU tl Ul CI Ult 0Uluuuuy v Cl O lt u l5 sten Interessen der nach Tausenden zählenden Gemeinden des deutschen Reichs sich zur Aufgabe gestellt, hat nach 15jährigem Bestände noch nicht einmal 200 Bundesgemeinden! Daß hier etwas, ja daß recht viel faul sein muß, liegt so offenkundig auf der Hand, daß selbst die vorliegenden „Mittheilungen das große Mißverhältnitz zwischen der Zahl der Bundesgemcinden nnd derjenigen der Deutsch-Israelitischen Gemeinden sich nicht zu verhehlen vermögen." (Seite 3.) Wir glauben nicht/ daß die souveräne Berliner Unfehlbarkeit, welche mit kühler Kathederrnhe ihre Mittheilnngen weiter hinansgibt, die bestehenden Mißverhältnisse unier den üblichen Verklauselirnngen zugibt, die ihnen %u Grunde liegenden Schäden nnd Mängel aber beharrlich todtschweigt, wir glauben nicht, daß dieses ganze Gebühren geeignet ist, dem Gemeindebund die Sympatien der deutschen Gemeinden zuzuwenden. Auch gottesfürchtige Floskeln und Redewendungen, mit denen der Ausschuß des Gemeindebun- I des seine „Mittheilungen" verbrämte, thun's nicht! mehr. Diese frommen Citate sind — um -mit Hamlet , zu reden — billig wie Brombeeren. Wer die Herren und ihre religiöse Richtung kennt, welche das Heft des Gemeindebundes in Händen haben, der muß geradezu auflachen, wenn er in den „Mittheilungen" liest, daß die Bestärkung in der treuen Anhänglichkeit an die angestammten Traditionen, die erste Aufgabe des Bundes sei! Wer die Gemeinden in der treuen Anhänglichkeit an die angestammte Traditionen bestärken will, muß doch vorher in dieser Anhänglichkeit selbst stark sein. Die Führer eines Bundes, der sich diese Aufgabe in erster Reihe gestellt hat, müssen doch, hervorragen durch die anhängliche Treue an das traditionelle Jndenthum. für welche sie die Gemeinden begeistern wollen. Wo haben die leitenden Kreise des Gemeindebundes diese Anhänglichkeit bekundet, die sie berechtigte, eine solche Aufgabe in die Hand zu nehmen? Herr Professor Lazarus ist der Vorsitzende des Gemeindebundes, der die Bestärkung in der treuen Anhänglichkeit an die angestammten Traditionen sich zur ersten Aufgabe stellt! Itkum tonorrtis amici!? Wahrlich ein Vertrauen erweckender Schirmvogt des traditionellen Judenthums! Es ist doch, derselbe Prof. Lazarus, welcher vor 12 Jahren der Augsburger Synode präsidirte, die lediglich bcii Zweck hatte, die Anhänglichkeit an die angestammten Traditionen zu untergraben, welche deshalb die tief in das Einzel- und Familienleben eingreifenden jüdischen Ehe-Gesetze für abgeschafft erklärte, welche die heiligsten Sabbatgesetze und viele andere gesetzliche Bestimmungen und Traditionen mit scrupelloser Keckheit strich und so in ganz unerhört frivoler Weise, das traditionelle Judenthum und seine Bekenner der öffentlichen Verachtung preisgab. Es ist derselbe Prof. Lazarus, welcher damals die treuen Anhänger der angestammten Traditionen, eine kleine Partei nannte, von der cs sich gar nicht zu reden lohnte, und das Buch , welches diese Traditionen codificirt enthält, öffentlich verhöhnte, indem er wörtlich sagte: „Es gibt keine Autorität, Niemand hat sie und „Niemand darf sie haben wollen; denn von jener „kleinen Partei, welche etwa behauptet, es gäbe „eine absolute Autorität, nämlich die geschriebene, „welche man blos abzulesen brauche, um zu wissen „was Judcnthum ist und was Jndenthum heißt von dieser Partei reden wir hier nicht; denn „dazu braucht man nichts zu bcratheu, dazu braucht „man auch nichts zu sprechen, dazu darf man „stumm sein; man braucht blos mit den Augen „zu lesen, was der Schulchan Aruch herunter bis „zum Rema und noch Späteren gedruckt enthält. „Man liest es und weiß Alles, Alles, Alles'). Deshalb erklärte der nunmehrige begeisterte Anwalt der angestammten Traditionen, als er noch 1) Verhandlungen der zweiten israelitischen Synode zu Augsburg. Berlin. Louis Eeischel. (Seite 13.)