Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 12 (11.2.1884)
- Date
- 1884-02-11
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir mussten dann geschäftshalber nach Gal atz zurück, von wo wir 10 Tage abwesend gewesen. Wir rechneten, dass in Folge unserer öfteren Mahnbriefe in Bukarest, Jassy und Folticeni wohl noch 18,000 Frcs. Zusammenkommen werden. Wir hätten freudig auch das Opfer einer nochmaligen Reise nach den anderen Städten gebracht; da wir uns aber in unserer Hoffnung getäuscht sahen, hielten wir fernere Reisen für unnütz. Wir hatten uns wahrlich^geschämt, das Resultat unserer Reise Herrn Veneziani mitzutheilen, er würde sonst gewiss gesagt haben: Die Juden Rumäniens verdienen ihr Schicksal, wenn die meisten Reichen nicht Wort halten! Nun, Herr Venezianji ist . uns entgegengekommen; er hat es verstanden, dass wir ihm nicht Erfreuliches mitzutheilen haben, wenn wir es nicht thun. Er hat sein Versprechen eingelost, nämlich dahin gewirkt, wohin wir eigentlich von Anfang an zielten; wir sollten nämlich mit Kleinem beginnen, bis die Blicke der Grossen auf uns fallen. Und wenn in der Gen.-Vers. in Focsani der dortige Rabbiner ein „Schehechejanu“ sprach, als er den Enthusiasmus der Delegirten sah, so können wir jetzt mit Fug und Recht bei der Nachricht des Herrn Veneziani ausrufen: ^Seh Hajom scheki winuhu, nagilah wenismechah bo!tt, das ist der Tag auf den wir gehofft, freuen wir uns und frohlocken wir über ihn! Wir haben Ihnen hier, sehr geehrte Herren, die ganze Angelegenheit in ihrer ganzen Nacktheit dargelegt; es ist nun an ihnen die Entscheidung zu treffen, die wir sofort dem Herrn Yeneziani telegraphiren müssen, denn die Zeit ist kostbar und jede Minute Zeitverlust ist eine Sünden Wir geben Ihnen hier in wörtlicher Uebersetzung den Brief des sehr ehrenwerthen Herrn Yeneziani: .. - ' „Etretat, 29. August 1883. „ Meine Herren! Ich hoffte in Folge unserer Entrevue in Bukarest, der Reunion, die ich in dieser Stc.de berief und Ihrer Reise nach Jassy, in Bälde einige Mittheilungen, irgend einen Brief von Ihnen zu erhalten, was mich sehr interessirt hätte; ich bedauere, nichts erhalten zu haben und nicht zu wissen, was in Jassy vorgegangen, noch was jetzt auf der Colonie Samarin vorgeht. Was mich anbetrifft, habe ich, nach Paris zurückgekehrt, nicht ausruhen und nicht aufs Land gehen wollen, wo ich gegenwärtig bin, ohne mich mit den rumänischen Emigranten in Samarin beschäftigt zu haben. „Ich bin glücklich, Ihnen anzeigen zu können, dass ich dazu gekommen bin, die wohlwollende Aufmerksamkeit einer sehr hohen und sehr reichen jüdischen Notabilität auf selbe zn ziehen, deren Namen ich Ihnen noch nicht nennen darf. Deren Intention ist, sie zu unterstützen, und der Gegenstand unserer Studien ist, praktische und sichere Mittel zu finden, um zu einem ernsten Resultate der Colonisation zu gelangen. Aber eben zu diesem Zwecke, und bevor irgend etwas zu unternehmen, würde die erste Bedingung, die diese Persönlichkeit stellen wird, sein, der absolute Herr des gegenwärtig für die Colonie erworbenen Terrains zu werden, mit der vollen und ganzen Gewissheit, dass in der Folge keine Prätention, keine Einmischung oder irgend ein© Rückforderung sich von Seiten irgend Jemandens erhebe, den Gegenstand des Eigenthums dieses Terrains betreffend, und dass es einzig und allein das seinige bleibe, ohne dass Jemand die mindest© Einwendung oder die mindeste Reclamation machen könnte. „Ich wünschte von Ihnen zu wissen, ob es möglich sei, dass diese wesentliche Condition genau ausführbar wäre, und durch welche Mittel? Ich werde Ihre Antwort ä qui de droit überwachen, und könnte hierauf eine Correspondenz, sei es direct, oder durch meine Vermittelung, für die Details eines ähnlichen Projectes ausgewechselt werden. „Ich bitte Sie, mir gleichzeitig einige Nachrichten über die gegenwärtige Lage der Colonie zu geben und über das, was seit meiner Abreise von Caifa für deren Verbesserung gemacht worden ist. Diese Auskünfte sind von einem grossen Interesse für unsere zukünftigen Projeete* „Genehmigen Sie, meine Herren, di© Versicherung meiner besten Gesinnungen. (gez.) Veneziani.